Mit Hund an Bord

Beim Tagestörn, Bootsurlaub oder auf Langfahrt darf der Hund als bester Freund natürlich nicht fehlen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Hund an Bord.

Wenn Sabine Grunwald und Jörg Klinke auf ihrer nur 6,95 Meter kurzen Segelyacht „Binom“ in den Häfen im Ijsselmeer ankommen, gehen bei den anderen Bootsfahrern im Hafen oft die Augen und Münder auf. Das Paar aus Wesel hat nämlich häufig gleich vier große Hunde im Cockpit sitzen und verbringt ausgiebige Bootsurlaube mit dem ganzen Rudel. Die Zwei bezeichnen sich auf ihrem Blog als „Vierhund-Segler“ und haben sehr viel Erfahrung im Umgang mit Vierbeinern. Man muss jedoch nicht gleich mehrere solcher Kaliber mit aufs Boot nehmen. Es geht natürlich auch kleiner. Viele Hundebesitzer verbringen ihren Urlaub auf Booten und da muss der kleine Liebling natürlich mit. Dabei stellen sich Frauchen und Herrchen fast immer die gleichen Fragen. Hier die Antworten dazu.

Vier Hunde an Bord
Mit vier Hunden auf 23 Fuß ©Grundwald/Klinke

Wie gewöhne ich einen Hund ans Boot?

Wenn vor der Anschaffung eines Welpen bereits das Boot da ist, macht es die Sache oft wesentlich einfacher. Man sollte in diesem Falle den Hund möglichst früh mit an Bord nehmen. Bewaffnet mit den Lieblingsspielzeugen und besonders begehrten Leckerlies ist es dann noch ganz einfach, dem Vierbeiner das Boot als tolle Umgebung „zu verkaufen“. Sofort auf einen Törn zu gehen, ist nicht ratsam. Besser ist es, zunächst die Yacht im Hafen zu lassen, damit sich der Hund erst einmal umschauen und in der neuen Umgebung Sicherheit gewinnen kann. Leckerlies und Spiele helfen, das Ganze als wirklich tolle Plattform zu vermitteln. Kommt der Welpe im Herbst oder Winter, kann die Eingewöhnungsphase auch in einer Werfthalle beginnen. Nach einer Weile wird man in der Regel bemerken, dass sich der Hund freut, wieder zurück an Bord zu sein. Nach und nach kann man dann auch die ersten, kleineren Ausfahrten machen und dem Hund weiterhin mit allen Mitteln die Zeit im Cockpit oder Salon positiv vermitteln.

Wichtig ist es auch, ihm einen festen Platz zu geben, an dem er sich zurückziehen kann. Instinktiv suchen sich Hunde bei Seegang immer die tiefste Stelle aus, also meisten auf den Bodenbrettern. Dort ist ein prima Platz fürs Körbchen, weil die Schiffsbewegungen am geringsten sind. Der Hund soll genau da seinen Platz haben, wo er sich am wohlsten fühlt.

 

Hund an Bord
Vorbildlicher Skipperhund ©Grunwald/Klinke

 

Auf Motorbooten- bzw. yachten ist die Eingewöhnung wesentlich einfacher als auf Segelbooten, auf denen die Faktoren Krängung und Segelmanöver mit schlagenden Segeln und lauten Kommandos Hunden oft etwas Angst einjagen kann. Auch hier rät es sich, die Segel erst dann – am besten erst einmal bei Flaute im Hafen – zu setzen, wenn der Hund das Boot bereits als tolle „Ferienwohnung“ angenommen hat. Setzt man dann das Großsegel, sollte man sofort wieder mit Leckerlies oder Spielzeugen arbeiten und die Situation positiv aufladen. Wichtig ist es auch, die Manöver stets mit Ruhe und Freundlichkeit durchzuführen, denn Hektik bemerken Hunde meistens sehr genau und das macht ihnen oftmals Angst. Hat sich der Hund an die Geräusche von knarrenden Winschen und schlagenden Segeln im Hafen gewöhnt, kann man bei wenig Wind dann auch die ersten kleinen Schläge bei moderatem Wind machen. Der Hund wird bereits Sicherheit gewonnen haben und im Idealfall von den Manövern nur wenig Notiz nehmen.

Reagiert der Hund auf bestimmte Dinge dennoch mal ängstlich, sollte man ihn nicht trösten. Denn Hunde haben ein gutes Gespür und wissen: Wenn ich getröstet werde, ist etwas nicht in Ordnung. Das verstärkt die Angst oftmals noch. Besser ist es, den Hund wieder positiv einzustellen, in dem er ein Spielzeug oder einen Snack bekommt. Manchmal hilft es auch, ihn einfach zu ignorieren, oder sich gar nach einer Patenthalse sichtlich zu freuen und zu jubeln. Auf den ersten Blick mag dem menschen das verhalten seltsam vorkommen, aber der Hund beobachtet sein Rudel sehr genau, und wenn das Rudel ruhig ist oder sich gar freut, dann muss ja alles okay sein. Letztlich gilt es herauszufinden, was den Hund positiv stimmt. Jeder Hund ist anders, auch innerhalb gleicher Rassen.

Ist der Hund bereits vor der Anschaffung des Bootes oder dem Chartertörn da, wird die Eingewöhnungsphase sicherlich – je nach Rasse und Charakter – etwas langwieriger werden. Im Prinzip funktioniert das aber genauso und man hat den Vorteil, dass man den Hund schon sehr gut kennt und weiß, worauf er besonders freudig reagiert. Dieses Wissen gilt es dann an Bord einzusetzen. In jedem Falle sollte man die Sache langsam und mit Geduld angehen.

 

Wie beschäftige ich den Hund auf dem Boot?

Viel wichtiger als die Beschäftigung an Bord ist ein gutes Rahmenprogramm. Wenn Sie jeden Tag 10-Stunden-Törns machen und nur kurze Gassi-Runden gehen, wird der Hund schnell die Lust verlieren. Mit Hunden ist es wie mit Kindern: das Gesamtprogramm muss stimmen. Lange, ausgiebige Spaziergänge, schwimmen, herumtollen an Land und aufregende Zeiten beim Landgang werden dazu führen, dass der Hund sich auf den Urlaub an Bord freut. Er wird beim Betreten des Bootes wissen: Jetzt geht die tolle Zeit wieder los, jetzt sind Ferien!

Polly fängt Ball
Ein gutes Rahmenprogramm ist wichtig. ©Stephan Boden

Nicht jeder kann jedoch kurze Tagesetappen fahren, beispielsweise auf Langfahrt oder wenn der nächste Hafen 120 Seemeilen entfernt liegt. Dann sollte an Bord ein „Unterhaltungsprogramm“ für den Vierbeiner Abwechslung bieten. Suchspiele eignen sich da häufig sehr gut. So etwas fordert Hunde oft und macht sie nach einer Weile auch müde. Es gibt im Fachhandel auch Hundespiele, bei denen der Hund einfache mechanische Aufgaben lösen muss, um an einen kleinen Snack zu kommen, zum Beispiel einen Hebel umlegen oder einen Deckel drehen. Auch so etwas kann zu einer willkommenen Unterhaltung beitragen. Bewegt man die Yacht in Landnähe, sitzen Hunde auch gern (gesichert!) im Cockpit und schauen sich die Umgebung an und schnuppern. Das ist für Hunde im Prinzip wie Netflix. Jeder kennt seinen Hund am besten und weiß, was er mag und was ihn fordert. Mit diesem Wissen lässt sich eine abwechslungsreiche Zeit gestalten. Manche Hunde schlafen auch den ganzen Tag. In diesem Falle sollte man sie einfach in Ruhe lassen und sich über einen so entspannten Zeitgenossen freuen.

 

Was muss man mit Hund an Bord im Ausland beachten?

Joanna Barck und Marcel Dolega sind seit etwa sechs Jahren auf Weltumsegelung (Hier geht`s zum Blog). Von Anfang an mit dabei: Nico, ein peruanischer Inka-Nackthund. Derzeit befinden sie sich in Indien. Sie haben sehr unterschiedliche Erfahrungen beim Einklarieren mit Hund gemacht. Manche Hafenbehörden interessieren sich gar nicht für Hunde, andere wiederum verlangen Unmengen an Papierkram. In der Regel ist es aber fast immer ohne Probleme möglich, mit Hunden die Welt zu besegeln. Voraussetzung ist allerdings ein vollständig geführter Impfpass (EU-Heimtierausweis) und die entsprechenden Papiere und Nachweise zur Entwurmung. Es gilt jedoch, sich vor der Abreise ins Ausland oder beim Segeln über Grenzen hinaus vorher gut über die sehr unterschiedlichen Einreisebestimmungen zu informieren. Auch innerhalb der EU sind die Regeln oft unterschiedlich. In Italien muss zum Beispiel immer ein Maulkorb mitgeführt werden und griffbereit sein. In der Regel fragt niemand danach doch man kann auch Pech haben und auf Mitarbeiter von Behören treffen, die auf die Einhaltung solcher Regeln sehr streng achten.

Weltumsegler mit Hund
Auf Langfahrt: Joanna Barck, Marcel Dolega und Bordhund Nico ©Barck/Dolega

 

Wie geht das mit dem Geschäft an Bord?

Dieses Thema beschäftigt wahrscheinlich die meisten Hunde- und Bootsbesitzer. Die Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, weil jeder Hund einen anderen Rhythmus hat. Im Normalfall werden die meisten Hunde einen 4-5 stündigen Tagestörn locker überstehen, ohne unterwegs ihr Geschäft zu verrichten. Voraussetzung hierfür ist natürlich eine ausgiebige Gassirunde vor dem Ablegen, bei der sich der Vierbeiner vollständig „entleeren“ kann. Es ist aber ratsam, diesen Spaziergang nicht mit wildem Tollen und anstrengenden Spielen zu verbinden, Bälle zu werfen oder mit dem Hund schwimmen zu gehen. Denn das macht sie meistens durstig und so trinken sie vor dem Törn sehr viel, was zu Folge hat, dass die Blase dann früher drückt.

Meistens klappt es so ganz gut von Hafen zu Hafen und der Hund hält ohne Probleme durch. Sollte man einen Ankerplatz aufsuchen, rät sich ein Landgang mit dem Dingi, um dem Hund seinen Spaziergang und seine Geschäfte zu ermöglichen.

 

Hund im Dingi
Mit dem Schlauchboot zum Gassi-Landgang. ©Stephan Boden

 

Anders sieht es auf Langfahrt aus. Hier gibt es verschiedene Ansätze. Manchen Hunden kann man zum Beispiel ein Stück Teppich an Deck legen und ihnen dort einen Platz zum Lösen anbieten. Andere mögen das gar nicht und verrichten ihr Geschäft lieber im selbstlenzenden Cockpit, andere können nur im Salon. Da muss man herausfinden, wie die Vorlieben des Hundes sind. Es gibt sogar Hunde, die auf Katzenklos gehen. Auch hier gilt natürlich, dass es von Vorteil ist, den Hund bereits als Welpen zu bekommen, denn in diesem Falle kann man ihm auch Kommandos beibringen, damit er vom Skipper kontrolliert sein Geschäft verrichten kann.  Joanna Barck und Marcel Dolega haben für Nico feste Zeiten festgelegt, man denen er an der Leine aufs Vorschiff geführt wird, wo er dann beide Geschäfte verrichtet. Wichtig in diesem Falle ist das feste Ritual, bestehend aus der Leine und den Uhrzeiten. Die meisten Hunde verrichten ihr Geschäft niemals in ihrem eigenen Bereich. Daher sind dann klare Zeichen sehr gut geeignet, dem Hund zu vermitteln: „Jetzt darfst/sollst Du!“ Manche Hunde sprechen darauf sehr gut an. Wichtig ist es in jedem Fall, den Hund gut zu beobachten und ihm dabei zu helfen, seine eigenen Schranken im Bezug aufs Geschäft zu überwinden. Joanna Barck bestätigt das: „Wir hatten mit Nico sehr viel Theater und haben annährend alles ausprobiert, vom Kunstrasen bis echten Rasen etc. Es war ein langer Weg und wir sind froh, dass es jetzt so gut klappt. Aber immer noch ungern.“

Nicht jeder Hund lässt sich jedoch beibringen, an bestimmten Stellen zu machen oder auf bestimmte Unterlagen. In diesem Falle hilft leider nur ein ausreichendes Lager an Putzmitteln.

 

Werden Hunde seekrank?

Auch Hunde können – wenn auch eher selten – von Übelkeit und Erbrechen betroffen sein. Grund dafür ist das durch Seegang irritierte Gleichgewichtsorgan und falsche Sinneswahrnehmungen. In diesem Falle hilft es häufig, die Mahlzeiten auf mehrere kleinere Portionen auf den Tag zu verteilen. Auch ist der Aufenthalt – sofern sicher – im Cockpit oft eine Lösung, die Gleichgewichtswahrnehmung ausgeglichen zu halten.

Oftmals ist der Grund für das Erbrechen, vor allem bei rauhen Bedingungen, ein anderer: Wassermangel. Erbricht der Hund nur Schaum, lässt das auf eine Dehydrierung schließen. Bei starker Krängung oder Seegang trauen sich Hunde oftmals nicht mehr von ihrem sichern Platz und suchen den Wassernapf nicht mehr auf. Herrchen und Frauchen haben dann meist genug im Cockpit zu tun und achten nicht drauf. Sollte der Hund dann ungern trinken, rät sich manchmal, ihm Wasser mit einer großen Spritze zu verabreichen.

Es gibt auch spezielle Wassernäpfe, die auch bei Schräglage oder eine stark in den Wellen stampfenden Yacht nicht auslaufen. Denn manchmal findet der Hund nach Überfahrten bei unruhiger See einfach kein Wasser mehr in seinem Napf vor.

 

Hund an Bord mit Napf
Wasser sollte immer zur Verfügung stehen. ©Grunwald/Klinke

 

Wie sichert man den Hund an Bord?

Auch wenn der Hund „Seebeine“ hat und sich geschickt an Bord bewegt, sollten Hunde auf See eher nicht auf dem Deck herumlaufen. Es kann immer mal wieder zu Unachtsamkeiten kommen und schon geht der Vierbeiner über Bord. Das Cockpit ist ein sicherer Platz, weil man den Hund immer im Blick hat. Notfalls lässt sich der Hund auch mit einer Leine sichern. Was in jedem Falle ein Muss ist: Eine Rettungsweste. Sollte ein Hund mal über Bord gehen, kann man ihn an der Schlaufe am Rücken stets gut greifen oder sichern. Und sollte das Hund-über-Bord-Manöver länger dauern, führen die Rettungswesten dazu, dass der Hund länger schwimmen kann und nicht so schnell erschöpft ist.

Hund mit Rettungsweste
Eine Rettungsweste ist Pflicht. Auch im Hafen. ©Stephan Boden

 

Fazit:

Wenn man mit Bedacht, Ruhe und Geduld an die Sache herangeht, steht einem Bootsurlaub mit Hund oder gar Hunden nichts im Wege. Die meisten Hunde werden eine tolle und aufregende Zeit an Bord verbringen. Es gibt jedoch – wie auch bei Menschen – Hunde, die Angst haben oder einfach den Aufenthalt auf einer Yacht nicht mögen, selbst wenn man sich noch so viel Mühe gegeben hat. In diesen Fällen sollte man den Vierbeiner nicht dazu zwingen, sondern während des Urlaubes besser zu Freunden, Familienangehörigen oder in eine gute Hundepension zu bringen.

 

Bordhund Nico
Bordhund Nico auf Weltumsegelung. ©Barck/Dolega

 

 

 

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