Betrugsfall: Fake-Website vermietet Hausboote an der Müritz

Waren Müritz

Zahlreiche Geschädigte in Deutschland fielen auf den Betrug einer falschen Hausboot-Vermietung herein

Urlaub auf dem Wasser boomt. Nicht nur seit Corona sind Charter-Hausboote oft sehr schwer oder mit langen Vorlaufzeiten zu bekommen. Fast alle Vermieter berichten von einer sehr guten Buchungsslage, bis in das nächste Jahr hinein. Offenbar wurde die derzeit sehr große Nachfrage für Hausboote von Betrügern ausgenutzt. Nachdem in den vergangenen Tagen zahlreiche Anzeigen in den Dienststellen der Polizei Neubrandenburg und Neuruppin eingingen, fiel der Betrug auf. Unter der – mittlerweile abgeschalteten – Website www.dein-hausbooturlaub.de wurden von dem gleichnamigen Unternehmen Hausboote an zahlreichen, beliebten Standorten in Deutschland angeboten, viele davon an der Müritz. Das Unternehmen indes, so stellte sich nun heraus, ist nicht existent.

Hausboot
Hausboot (Symbolbild)

Dumpingpreise, falsche Hausboote, falsche Häfen, falsche Angaben

Auffällig waren bereits die angebotenen Preise: 129 Euro pro Übernachtung für ein Hausboot für 6 Personen? Die Preise unterboten die üblichen Marktpreise um ein Vielfaches. Viele Interessierte schlugen bei diesen konkurrenzlosen Offerten zu. Nach der Anzahlungsleistung (um 600 Euro) war das Unternehmen dann plötzlich jedoch nicht mehr erreichbar. Auch Ferienhäuser sollen über die Webseite vermietet worden sein.

Die betrügerische Seite diesem Fall offenbar mit besonders krimineller Energie vor: Die Angaben auf der Webseite wurden teilweise einfach von existierenden und seriösen Anbietern kopiert. Einige Geschädigte suchten schließlich unter der angegebenen Adresse vergeblich ihr gemietetes Boot, eine Urlauberin fand ihr Ferienhaus nicht. Mittlerweile liegen zehn Strafanzeigen vor, unter anderem auch von einem Bootsbesitzer, dessen Boot auf der Plattform zur Vermietung angeboten wurde.

hausbootverleih betrug
Seriöse Optik: Die mittlerweile abgeschaltete Website. Screenshot.

Vorsicht bei auffällig günstigen Angeboten

Dieser Fall zeigt: Bei auffällig günstigen Preisen, die wie in diesem Fall ungewöhnlich deutlich unter Marktwert liegen, sollten Interessierte vor einer Buchung den Anbieter genauer unter die Lupe nehmen. Sind beispielsweise auf Seiten wie Google keine Kundenbewertungen zu finden, kann das ein Hinweis sein, dass es das Unternehmen erst seit Kurzem gibt- oder wie in diesem Fall –  gar nicht gibt. Übrigens: Kundenmeinungen auf der Anbieter-Webseite selbst zählen nicht darunter, da diese im Nu selbst geschrieben werden können. Im Fall der Betrugsseite führte der Link „Kundenbewertungen“ zu einer nicht existierenden Seite. Wer über ein Social-Media-Konto verfügt, kann auch dort nach dem Unternehmen suchen und sich informieren. Viele Anbieter sind auch über häufig über andere Portale bzw. Vermittlungen buchbar, auch da lohnt sich ein genauerer Blick. In jedem Fall sollte vor einer Anzahlung genau geprüft werden, an welches Unternehmen bezahlt werden soll und welche Zahlungsmöglichkeiten es gibt. Ein Blick ins Impressum ist darüber hinaus in jedem Fall notwendig. Im vorliegenden Fall wurde zum Beispiel eine 0800er Telefonnummer angegeben, die bei seriösen, regionalen Anbietern durchaus ungewöhnlich ist. Die im Impressum enthaltenen Unternehmensinfos lassen sich dazu auch noch auf vielen externen Seiten prüfen, wie zum Beispiel auf northdata.de oder firmenwissen.de. Zumindest dort sollte das Unternehmen auffindbar sein.

Der optische Eindruck einer Webseite indes ist kein Hinweis auf die Seriösität eines Unternehmens. Mit Baukastensystemen sind optisch ansprechende Seiten auch für Laien schnell umsetzbar.

Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht entweder über bereits bekannte und seit Jahren tätige Anbieter oder über Vergleichs-Portale wie dem ADAC Partner CharterCheck.