Ankermanöver

Das Einfahren des Ankers geschieht in fünf Schritten – immer schön langsam, damit die Flunken fassen können und nicht über den Grund gerissen werden.

Ankern - Schritt für Schritt

  • In dem Moment, in dem das Schiff keine Fahrt mehr durchs Wasser macht, gibt der Rudergänger das Kommando: „Fallen Anker“. Die Crew am Spill löst die Bremse und lässt den Anker ausrauschen bis er den Grund erreicht hat. Anschließend stoppt sie das weitere Fieren und signalisiert dies durch ein vorher abgestimmtes Handzeichen.
  • Jetzt legt der Rudergänger den Hebel auf langsam zurück und sobald das Boot wieder Fahrt durchs Wasser macht, fiert die Crew am Spill gleichmäßig mit, aber nur soviel, wie sich das Schiff „holt“.
  • Während das Schiff langsam Fahrt über den Achtersteven macht, ruft der Rudergänger laufend die Länge aus, zum Beispiel: „zehn Meter sind durch, fünfzehn Meter”. Soll das Schiff an 30 Metern Kette liegen, kuppelt der Rudergänger nun aus und gibt bei 30 Metern das Kommando: „Fest!“

Tipp: Mit dem Fallen des Ankers nicht zu viel Kette (Leine) ausrauschen lassen. Sie legt sich sonst über den Anker und es besteht die Gefahr, dass eine Bucht an seinem Kreuz hängen bleibt und so das Eingraben verhindert.

  • Während die Bremse der Ankerwinsch angezogen wird, ruckt das Schiff sanft mit der Restfahrt in den Anker. Hat er gefasst, törnt der Vorsteven ein: Der mehr oder weniger quer zur Zugrichtung liegende Vorsteven pendelt in Richtung Anker
  • Jetzt gibt der Rudergänger kurz voll zurück, bis der Vorsteven in Richtung Anker geschwungen ist. Gleichzeitig legt die Crew auf dem Vorschiff die Hand auf die Kette (Leine), sobald sie steif kommt. Rutscht das Grundgeschirr, ist dies deutlich durch Vibrieren zu fühlen.

Tipp: Wenn der Anker nicht greift, törnt in Böen oder auffrischendem Wind der Steven nicht mehr ein, sondern bleibt schräg zur Zugrichtung der Kette. Außerdem vibriert die Ankerkette beziehungsweise -leine.

Wie viel Kette sollte man geben?

Der Zugwinkel moderner Yachtanker sollte acht Grad nicht überschreiten, damit er hohem Winddruck gewachsen ist und während des Schwojens nicht ausbricht. Mit einer Kettenlänge, die in etwa dem Siebenfachen der Ankertiefe entspricht, wird diese Zugrichtung in der Regel erreicht. In dauerhaft ruhiger Wetterlage reicht auch die fünf- oder nur dreifache Länge der Wassertiefe – vor allem dann, wenn der Schwojkreis begrenzt gehalten werden muss.

Leine oder Kette?

Ganz klar: Eine lange und schwere Ankerkette ist gegenüber einer Leine mit Kettenvorlauf in jeder Hinsicht von Vorteil. Durch ihr Eigengewicht bildet sie noch bei frischem Wind unter Wasser eine Bucht, die im Seegang das strapazierende Einrucken verhindert und die Zugrichtung auf den Ankerschaft weitgehend parallel zum Grund hält. Je schwerer eine Kette, desto günstiger wirken sich diese Eigenschaften aus und umso später ruckt das Schiff ein.

Anker verkatten

Wenn es richtig stürmt oder man auf Nummer sicher gehen möchte, hilft es zwei Anker zu verkatten. Dabei wird der Zweitanker an die Vorderseite des Hauptankers geschäkelt. Beim Ankermanöver lassen Sie ihn erst von Hand hinunter, bevor dann, bei mäßiger Fahrt über das Heck, der Hauptanker folgt. Mit gebotener Vorsicht eingefahren, halten so verkattete Anker selbst auf schwierigem Ankergrund verlässlich.

Ankern in Tidengewässern

In Tidengewässern kommt man um einen zweiten nicht herum, da ein einzelner Anker beim Kentern des Stroms aus dem Grund gerissen werden könnte. Deshalb sollte das Schiff mit einem zweiten Anker vermurt werden. Bei auflaufendem Strom, wird Hauptanker am besten gegen den Strom ausgebracht, etwa die Hälfte der Kettenlänge auslaufen lassen und dann den Anker in den Grund fahren. Erst jetzt wird volle Kettenlänge gesteckt und der Zweitanker in der entgegengesetzten Richtung, aus der der Ebbstrom kommen wird, ausgebracht. Kentert der Strom, törnt das Schiff in den Zweitanker ein. Spätestens jetzt sollten Sie diesen in den Grund fahren.

Zweitanker ausbringen

Ob man bei viel Wind und schwierigen Bedingungen einen zweiten Anker setzen soll, daran scheiden sich noch heute die Geister. Es gibt sowohl Argumente dafür als auch dagegen. Einig ist man sich nur, dass die Anker dann in einem Winkel von etwa 30 Grad ausgebracht werden sollten, um optimalen Halt zu gewährleisten. Der Zweitanker sollte allerdings unbedingt ausgebracht werden, wenn der Schwojkreis beschränkt ist.

Ankerboje und Sorgleine

Bei großen Ankertiefen oder Verdacht auf faulen Grund sollte immer mit Ankerboje oder Sorgleine geankert werden. So bleibt die Position des Ankers mit einer Boje immer im Blickfeld und der Anker kann an der Tripleine meist recht zuverlässig entgegen der Zugrichtung geslippt werden. Gleiches gilt für die Sorgleine.
Die Boje hat den Nachteil, dass sie bei dem heutigen Verkehr in den Ankerbuchten leicht in einer Schraube landen kann; gegen die Sorgleine spricht, dass auf Charterschiffen nicht immer eine mit der nötigen Länge vorhanden ist. Immer darauf achten, dass die Sorgleine länger als die gesteckte Kette ist, sonst reißt die Leine den Anker aus dem Grund! Trotzdem: Im Falle des Falles bewahren Sorgleine und Ankerboje Boot und Crew vor einer misslichen Lage.

Grafik zum Ankern mit einer Sorgleine.
Immer gut, wenn das Wasser so tief ist, dass Sie Ihren Anker im Notfall nicht mehr erreichen: die Ankerboje mit einer Sorgleine.
Grafik zum setzen einer Ankerboje mit Sorgleine und Fender.
Besonders für Tidengewässer und Strömung geeignet: Das kurze, mit einem Gewicht beschwerte Ende der Sorgleine führt durch einen Block, der am unteren Ende des Fenders/der Boje angebracht ist. So bleibt die Leine immer über dem Anker.

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