Antifouling: Alles über den Schutz vor Bewuchs am Boot

Antifouling schützt Boote effektiv vor Bewuchs. Unser Ratgeber mit den wichtigsten Infos zu Arten, Vorteilen und Anwendung von Antifouling.

Antifouling ist eine Beschichtung, welche den Rumpf eines Bootes effektiv vor Bewuchs durch Mikroorganismen, wie Algen, Muscheln oder Seepocken schützt. In unserem Ratgeber erfährst du, welche Arten von Antifouling es gibt, warum sich das Auftragen von Antifouling lohnt, wie Antifouling fachgerecht aufgetragen wird und viele weitere Tipps zum Thema.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Antifouling?

Als Antifouling wird eine Beschichtung für Bootsrümpfe bzw. Unterwasserschiffe bezeichnet, die das Wachstum und die Ansiedlung von Meeresorganismen wie Algen, Muscheln und Seepocken verhindert. Diese Organismen können sich im Wasser am Unterwasserschiff des Bootes ansiedeln und zu erheblichen Problemen führen.

Ein mit Bewuchs bedeckter Rumpf hat mehrere negative Auswirkungen. Dazu gehören:

  • Erhöhter Strömungswiderstand im Wasser und verringerte Geschwindigkeit des Bootes
  • Höherer Treibstoffverbrauch
  • Verringerte Segeleigenschaften

Außerdem kann die dauerhafte Ansiedlung dieser Organismen zu Schäden am Unterwasserschiff, wie zum Beispiel dem Gelcoat führen und strukturelle Schäden mit sich bringen.

Antifouling-Beschichtungen enthalten verschiedene Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Weise gegen den Bewuchs wirken.

Es gibt klassische biozidhaltige Beschichtungen, die aktiv schädliche Organismen abtöten, sowie moderne umweltfreundliche Alternativen, die durch eine extrem glatte Oberfläche Bewuchs vermindern. Hierzu zählen Antifouling-Folien und silikonbasierte Coatings.

Welche Arten von Antifouling es gibt

Antifoulings gibt es in verschiedenen Ausführungen. Dazu gehören:

  • Selbstpolierende (erodierende) Antifoulings bzw. „Weichantifouling“
  • Hartantifoulings
  • Umweltfreundliche Alternativen als Folien oder Coatings

Welche Art von Antifouling die richtige ist, hängt von Faktoren wie Bootstyp, Gewässer und Nutzung ab.

Eine stets aktuelle Übersichtskarte, die den Bewuchsdruck und die Häufigkeit von Mikroorganismen darstellt, wird im Bewuchsatlas des Bundesumweltamtes dargestellt.

Selbstpolierende (erodierende) Antifoulings oder Weichantifoulings

Diese Antifouling-Farbbeschichtungen enthalten bioaktive Substanzen, die sich während der Fahrt langsam abtragen und so kontinuierlich eine frische Schutzschicht freilegen.

Sie sind besonders für Segelboote oder langsam fahrende Motorboote geeignet, die regelmäßig genutzt werden. Es sollte jeweils auf die Zulassung geachtet werden, da sich aus Umweltschutzgründen die erlaubten enthaltenen Stoffe sehr häufig und in den Regionen unterschiedlich ändern.

Boote mit Liegeplatz in Dänemark zum Beispiel dürfen seit 2025 nicht mehr mit boizidhaltigen Antifoulings vor Bewuchs geschützt werden.

Hartantifoulings

Diese Variante bildet eine dauerhafte, robuste Schutzschicht, die nicht erodiert. Sie eignet sich besonders für schnelle Boote oder Boote, die oft aus dem Wasser genommen werden, z. B. Trailerboote oder Regattayachten. Die Schicht sollte jedes Jahr erneuert werden.

Umweltfreundliche Alternativen: Folien oder Coatings

Dazu zählen kupferfreie, silikon- oder teflonbasierte Beschichtungen. Diese verhindern den Bewuchs, indem sie eine extrem glatte Oberfläche erzeugen, an der sich Organismen nur schwer festsetzen können. Diese Beschichtungen gibt es als Folien oder als sogenannte Coatings.

Antifoulingfolie aus Silikon
Umweltschonende Alternative: Silikon-Folierung. © antifoulingfolien.de

Die Vorteile von Antifouling für Bootsbesitzer

Boote, die einen festen Liegeplatz haben, bzw. längere Zeit im Wasser verbleiben, sollten unbedingt mit einem Bewuchsschutz versehen werden. Antifouling bietet eine Reihe von entscheidenden Vorteilen für Bootsbesitzer, wie

  • erhöhte Effizienz
  • längere Lebensdauer des Bootes
  • weniger Wartung und Reinigung
  • Erhalt der Manövrierfähigkeit

Erhöhte Effizienz

Ein sauberer, bewuchsfreier Bootsrumpf sorgt für eine bessere Gleitfähigkeit im Wasser und für weniger Wasser-Widerstand. Starker Bewuchs kann dazu führen, dass sich Boote nur noch schwerfällig und sehr langsam bewegen lassen.

Segelboote verlieren ihre Segeleigenschaften, bei Motorbooten erhöht sich der Benzin- oder Dieselverbrauch um ein Vielfaches, wenn das Unterwasserschiff mit Muscheln und Pocken übersäht ist. Je glatter ein Unterwasserschiff, desto effizienter fährt ein Boot.

Längere Lebensdauer des Bootes

Der Bewuchs kann auf lange Sicht Schäden an der Oberfläche des Rumpfs verursachen, bis hin zu Beschädigungen des Laminates bei GFK-Booten. Ein effektives Antifouling schützt vor Korrosion, Osmose und Materialermüdung.

Weniger Wartung und Reinigung

Ohne Antifouling muss der Bootsrumpf regelmäßig manuell gereinigt werden, was zeit- und kostenaufwendig ist. Durch eine wirksame Beschichtung reduziert sich dieser Aufwand erheblich.

Erhalt der Manövrierfähigkeit

Starker Bewuchs kann die Steuerbarkeit eines Bootes beeinträchtigen und zu einem unsicheren Fahrverhalten führen. In extremen Fällen kann starker Bewuchs sehr gefährlich sein.

So wird Antifouling fachgerecht aufgetragen

Um Antifouling fachgerecht aufzutragen, sind mehrere Schritte notwendig.

Vorbereitung des Unterwasserschiffs

Das Unterwasserschiff sollte vor dem Auftragen gründlich gereinigt und alte Farbreste sowie Ablagerungen entfernt werden. Falls notwendig, einen Primer auftragen, insbesondere wenn das Boot bereits mehrfach beschichtet wurde oder die Oberfläche beschädigt ist.

Bei sehr vielen nicht bestehenden aber unwirksamen Schichten sollte das gesamte Unterwasserschiff abgezogen und bis aufs Gelcoat geschliffen werden. Beim Neuaufbau der Unterwasserbeschichtung rät es sich bei GFK, zunächst ein paar (5-7) Lagen Epoxiprimer zu streichen, die als Wasserdampfsperre dient und Osmose vorbeugt. Danach kann der Unterwasseranstrich mit Antifouling oder Coating beginnen.

Der Untergrund muss unbedingt trocken und fettfrei sein, um eine optimale Haftung der neuen Schicht zu gewährleisten.

Auftragen von Antifouling

  • Das Antifouling sorgfältig gemäß Herstellerangaben aufrühren. Evtl. auf vom Hersteller vorgegebene Primer achten
  • Die Beschichtung mit einer Rolle oder einem Pinsel gleichmäßig auftragen. Bei größeren Flächen kann auch eine Sprühpistole verwendet werden. Vor allem bei Hart-Antifouling werden damit glattere Flächen erstellt
  • Abhängig von der Antifouling-Art sind ein bis zwei Anstriche erforderlich
  • Bei Weich-Antifouling sollten an stark beanspruchten Stellen, an denen viel Strömung anliegt (Bugbereich, Ruder-und Kiel Vorderseite), mehrere Schichten aufgetragen werden, weil sich sonst das gesamte Material dort abtragen kann.
  • Die empfohlene Trocknungszeit einhalten, bevor das Boot wieder zu Wasser gelassen wird, um eine optimale Schutzwirkung zu gewährleisten
  • Weichantifouling am besten erst im Frühjahr streichen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit im Winterlager können sich bereits die Wirkstoffe über die Standzeit lösen.

Häufige Fehler und Tipps fürs Auftragen von Antifouling

  • Falsche Wahl der Beschichtung: Antifouling-Produkte sind speziell für unterschiedliche Gewässer konzipiert. Während in Süßwasser meist weniger aggressive Beschichtungen ausreichen, benötigen Boote im Salzwasser einen stärkeren Schutz.
  • Nicht ausreichende Schichtstärke: Eine zu dünn aufgetragene Beschichtung kann schneller abgetragen werden und bietet möglicherweise nicht den gewünschten Schutz.
  • Unzureichende Vorbereitung: Eine schlecht gereinigte oder nicht grundierte Oberfläche kann dazu führen, dass sich das Antifouling ablöst oder nicht optimal haftet.
  • Zu frühes Zuwasserlassen: Wird das Boot ins Wasser gelassen, bevor das Antifouling vollständig ausgehärtet ist, kann die Schutzwirkung beeinträchtigt werden.
Bewuchs am Unterwasserschiff
Bewuchs am Unterwasserschiff bereits nach wenigen Wochen. Foto: Stephan Boden

Antifouling unter Umweltschutzaspekten

Wurde früher relativ gedankenlos Antifouling verwendet, ist heute die Umweltunverträglichkeit vor allem von Bioziden bekannt. Deshalb regulieren die Gesetzgeber immer härter und restriktiver. Aber auch die Eigenverantwortung von Bootsbesitzern ist beim Thema Gewässerschutz gestiegen.

Tipps zur Verringerung der Umweltbelastung

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie sich die Belastung von Antifouling minimieren lässt:

  • Umweltfreundliche Alternativen verwenden: Moderne, kupferfreie und silikonbasierte Lösungen sind eine gute Wahl für umweltbewusste Bootsbesitzer. Ebenso Folierungen und Coatings.
  • Antifouling nur dann erneuern, wenn es notwendig ist: Statt jedes Jahr eine neue Schicht aufzutragen, kann manchmal auch eine gründliche Reinigung ausreichen.
  • Fachgerechte Entsorgung: Schleifstaub, Farbreste und Pinsel sollten nicht einfach in die Umwelt gelangen, sondern ordnungsgemäß entsorgt werden. In vielen Häfen führen die Behörden in den letzten Jahren immer mehr Kontrollen durch. Die Strafen können empfindlich hoch sein.
  • Mechanische Alternativen nutzen: Neben speziellen Folien gibt es auch Bürsten- oder Tauchroboter, die den Bewuchs ohne Chemikalien entfernen.

Antifouling: Bestehende Verbote in Deutschland

​In Deutschland sind bestimmte Antifouling-Wirkstoffe aufgrund ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt verboten. Dazu gehören insbesondere:​

  • Tributylzinn (TBT): Seit 1999 untersagt.​
  • Diuron: Seit 2008 verboten.​
  • Cybutryn (Handelsname Irgarol®): Seit dem 31. Januar 2017 nicht mehr zugelassen. ​

Restbestände dieser Produkte dürfen nicht mehr verwendet und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Bootseigner sollten sicherstellen, dass ihre Boote keine Beschichtungen mit diesen Wirkstoffen aufweisen. ​

Ab dem 1. Januar 2025  sind zusätzliche Regelungen in Kraft getreten:​

Verkaufseinschränkungen

Biozidhaltige Antifouling-Produkte dürfen nur noch nach persönlicher Beratung durch geschultes Personal verkauft werden; Selbstbedienung ist untersagt. ​

Nachweispflicht

Käufer müssen gegebenenfalls ihre Sachkunde nachweisen, beispielsweise durch einen Sportbootführerschein.