App-Navigation mit Tablet und Handy auf Booten

Seit einigen Jahren haben sich Tablets und Smartphones als Helfer zur Navigation an Bord etabliert. Die Geräte werden immer leistungsfähiger, die Navigationssoftware immer besser. Vor allem auf kleineren Booten und Yachten liegen die Vorteile auf der Hand: Es ist keine aufwändige und platzraubende Installation von großen Plottern notwendig und Kosten spart diese Variante der Seenavigation auch.

Ein Smartphone hat heute nahezu jeder und auch Tablets sind in vielen Haushalten zu finden. Dazu kommt, dass immer mehr Hersteller von professionellen Navigationsgeräten dazu übergehen, Mobiltelefone und Co. in ihre Systeme mit einbinden zu können. Es gibt allerdings einiges bei der Nutzung als Navigationsgeräte zu beachten. Hier sind einige Tipps zusammengestellt, um sicher und komfortabel mit Mobiltelefon und Tablet von A nach B zu kommen, oder gar den gesamten Urlaubstörn zu organisieren.

Beachtet werden sollte vorweg: Sowohl Handys als auch Tablets sind vorrangig meistens nicht für den Gebrauch an Bord gedacht. Es bedarf ein wenig Peripherie und Zubehör, um sie sicher und geschützt einsetzen zu können. Auch sollte man stets eine BackUp-Lösung dabei haben, um bei technischen Problemen oder gar Ausfällen weiterhin sicher navigieren zu können. Für längere Seereisen empfehlen sich immer professionelle, fest installierte Geräte, denen Wind, Wasser nichts ausmachen und die gegen Überbordfallen gesichert sind. Der Wochenendausflug, die abendliche Spitztour oder auch der zweiwöchige Urlaubstörn dagegen kann mittlerweile mit Smartphones und Tablets bewerkstelligt werden.

Welche Geräte eignen sich zur Navigation an Bord?

Apple: Navigation an Bord mit iPad & iPhone

Im Prinzip alle. Es gibt kaum noch Smartphones und Tablets, die keinen GPS-Empfänger eingebaut haben. Es gibt aber dennoch dabei Ausnahmen: Manche – meistens preiswerten Modelle – navigieren lediglich über eine Mobilfunkverbindung. Abgesehen davon, dass man auf See oft gar kein Netz hat, verbraucht das Datenvolumen und kann im Ausland auch – Stichwort: Roaming – schnell teuer werden.

Auf Produkthinweisen sollte also darauf geachtet werden, dass ein GPS-Modul im Gerät verbaut ist. Vor allem bei den iPads von Apple kommt es oft zu Irritationen: Die preiswerteren WLAN-Geräte haben kein GPS und können nur bei einer aktiven Internetverbindung ihre Position bestimmen. Sobald man den Hafen verlassen hat, ist kein Fix mehr verfügbar. GPS-Navigation dagegen können nur die teureren Geräte, die einen Simkarten-Slot verfügen und Mobilfunkfähig sind. Viele Nutzer schrecken davor ab, weil sie glauben, dass man für die Navigation eine teure Mobilfunkverbindung braucht. Man kann sie aber unterwegs getrost abschalten, weil das iPad rein über GPS navigiert.

Der Grund: Apple verbaut Kombi-Module, bei denen sich auf dem Sim-Karten-Bauteil gleichzeitig der GPS Empfänger befindet. Das macht beim sogenannten A-GPS (assisted GPS) Sinn, bei dem – falls Häuser, Tunnel oder Berge die Satelliten abdecken – die Mobilfunkverbindung dem GPS assistierend zur Seite steht und die Positionsermittlung übernimmt. Auf See jedoch gibt es weder Häuser noch Tunnel und so kann man getrost auch mit inaktiver Mobilfunkverbindung navigieren.

Android: Navigation an Bord mit Tablet & Smartphone

Android-Geräte stellen die Anbieter von Navigations-Apps oft vor Probleme. Denn im Gegensatz zu Apple sind die Systeme je nach Hersteller sehr unterschiedlich. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das GPS-Signal innerhalb des Systems abgegriffen wird. Man sollte vorm Kauf also entweder auf die Produktempfehlungen und Kombabilitätshinweise der Apps achten oder eine Faustregel in die Kaufentscheidung einfliessen lassen: Die namhaften Hersteller wie Samsung, Sony, Huawei und Co. bieten in aller Regel kombatible Hardware an. Auch hier sollte man jedoch vor allem bei preiswerteren Modellen auf das Onboard-GPS achten.

Egal für welches Modell man sich entscheidet, sollte man auf genügend internen Speicher achten, denn die digitalen Karten, vor allem Rasterkarten, benötigen schnell mal ein paar Gigabyte.

Stromversorgung Tablet & Handy an Bord

Betriebssystem, GPS-Navigation, grafische Oberfläche und ein heller Bildschirm sind wahre Stromfresser. Die Akkus vieler Mobiltelefone bzw. Tablets halten einen Tag auf See oft nicht durch. Abzuraten ist, das Handy unterwegs im Standby in der Hosentasche zu haben, denn wenn man auf der App etwas nachsehen will, sind Tablets und Handys oft sehr störrisch, wenn man kalte und nasse Finger hat. Je nach Gerät und App kann es auch eine Weile dauern, bis die Position nach dem Schlafmodus wieder gefunden wird. Oft sind es wichtige Minuten, die dann im Blindflug vergehen können. Daher empfiehlt sich eine externe Stromversorgung, die es ermöglicht, das Gerät während des Törns mit voller Helligkeit (Ablesbarkeit) durcharbeiten zu lassen und so stets seine Position ablesen zu können. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

Stromversorgung Handy & Tablet an Bord per Kabel vom Bordnetz

Es gibt mittlerweile viele Hersteller, bei denen es USB-Buchsen für den Einbau, z.B. im Cockpit, gibt, und die vom Bordnetz aus mit Strom versorgt werden. Dazu benötigt man allerdings eine entsprechende Installation und eine Verbraucherbatterie. Diese Lösung kann man sicher als komfortabelste ansehen. Abgesehen von den Kosten haben manche Boote jedoch gar keine Möglichkeit zum Einbau oder verfügen über kein Bordnetz oder nur über eine Starterbatterie, die man für solche Verbraucher möglichst nicht nutzen sollte. Aber auch da gibt es Lösungen:

Stromversorgung Handy & Tablet an Bord mit USB-Powerbanks

Es gibt sie als kleine Sticks für die Hosentasche oder als größere Packs mit sehr viel Kapazität. USB Powerbanks liefern ausreichend Strom für das Tablet oder das Handy. Es empfihlt sich immer, eine möglichst große Kapazität zu nehmen, um auch mal ein paar Tage vor Anker ohne Landstrom verbringen zu können. Powerbanks mit 50.000 mAh oder mehr gibt es mittlerweile fast überall auch günstig zu kaufen. Tipp: Manche dieser mobilen Kraftwerke verfügen über Karabiner oder Ösen, an denen man sie auch bei Seegang sicher an Bord befestigen kann.

Es gibt sogar Modelle mit aufbebrachten Solarmodulen. Von diesen kleinen Paneelen darf man jedoch keine Wunderdinge erwarten. In der Regel laden sie den Akku nur sehr langsam über Tage auf. Bei starker Soonneneinstrahlung können sie die Lebensdauer des Akkus jedoch merklich verlängern.

Stromversorgung Handy & Tablet an Bord mit USB-Solar-Panels

Tablet an Bord eines Jollenkreuzers mit Navigations-App und Solarpanel zur Stromversorgung. Tablet mit Navigations-App und Solarpanel zur Stromversorgung an Bord eines Jollenkreuzers .

Faltbare Solarpaneele mit USB-Ausgängen findet man überwiegend im Outdoor-Bereich. Urbsprünglich waren Sie dazu gedacht, auf Wanderrucksäcken oder an Zelten befestigt zu werden und dort Strom zu generieren. Diese Panels kann man natürlich auch auf Booten benutzen und dort mit Ösen festbändseln.

Es haben sich in der Praxis Lösungen bewährt, die mindestens zwei oder besser drei Panels haben. Sie liefern auch bei bedecktem Himmel ausreichend Strom. Perfekt sind Panels, die sogar zwei USB-Ausgänge besitzen. So kann man bei guten Wetter das Tablet unterwegs laden und – falls schlechtes Wetter kommt oder eine Nachtfahrt ansteht – sogar noch die USB-Powerbank voll machen.

Ratsam sind die Panels, die über eine Lade-LED-Anzeige verfügen. Damit geht man sicher, dass auch wirklich Strom ans Navigerät geliefert wird.

Wohin mit den Tablets und Handys an Bord?

Ein fester, schattiger und geschützter Platz ist immer von Vorteil. Vor allem direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden. Zum einen kann man die spiegelnden Displays dann oft nicht mehr ablesen, zum anderen werden die Geräte häufig sehr warm und schalten sich ab. Daher ist ein Platz z.B unter einer Sprayhood ratsam. Dort sind Tablet und Co. auch gleichzeitig vor Spritzwasser geschützt.

Wie aber befestigt man sie? Hier haben sich Lösungen aus dem Automobilhandel bewährt. Auf glatten GFK-Flächen kann man gut mit Saugnapfhalterungen arbeiten, die an die Größe des Geräts anpassbar sind, flexibel eingesetzt werden können und die man – wenn zum Beispiel nach einem Kurswechsel starkes Sonnenlicht einstrahlt – sich schnell an einer anderen geschützten Stelle anbringen lassen

Im Bootszubehör-Handel gibt es mittlerweile auch viele Angebote, die sich auf die Anbringung an Bord spezialisiert haben. Nicht ratsam sind Lösungen, die man an den Winschen anbringen kann. Denn dort sind sie der Gefahr ausgesetzt, bei einem Manöver angestoßen zu werden und selten gegen Licht und Wasser geschützt.

Wasserdichte Verpackungen und Hüllen für Handy & Tablet an Bord

Fast jeder Hersteller namhafter Handys und Tablets bietet auch Outdoor-Cases an, in denen die Helfer gegen Wasser und Beschädigungen durch Stöße geschützt sind. Bedenken sollte man dabei jedoch, dass diese Cases oft sehr teuer sind und bei einem Modellwechsel oft unbrauchbar werden. Außerdem bieten nur wenige Gehäuse die Möglichkeit, das Gerät im Betrieb zu laden, weil eine Öffnung fehlt.
Als kostengünstigere Lösung haben sich sogenannte Aquapacks bewährt. Das sind wasserdichte Taschen, die es in allen denkbaren Größen und Varianten gibt. Kommt ein neues Tablet an Bord, so kann man die Tasche weiterhin nutzen. Sofern es trocken ist, kann man die Taschen auch offen lassen und so ein Kabel für die Stromversorgung einführen.
Tipp: Nutzt man eine größere Größe, als man eigentlich benötigt, passt oft auch eine USB-Powerbank mit in die Tasche, so dass die Stromversorgung auch im geschlossenen und wasserdichten Zustand erhalten ist.

Fazit
Mit wenigen Handgriffen und günstigem Zubehör steht einer sicheren und komfortablen Navigation mit Handy und Tablet nichts im Wege. Voraussetzung ist jedoch immer, dass man stets einen aktuellen Papier-Seekartensatz an Bord hat. Denn Technik kann aus verschiedenen Gründen jederzeit ausfallen.

Zum Autor:

Stephan Boden, Buchautor und Segler, bereiste mit einer kleinen Varianta 18 von 2011 bis 2015 jeweils mehrere Monate die Ostsee. Seitdem machte er seine gesamte Navigation mit Tablet und Handy. Auf Bootsmessen hält er häufig Vorträge über dieses Thema und gab bereits auch Kurse.

Seine Revierführer Bücher sind häufig in den Bestseller-Listen zu finden. Auf seiner Seite www.bodensbuecher.com bietet er die Bücher auch mit persönlicher Widmung an. Spezielles Angebot für ADAC-Skipper: Mit dem Gutscheincode “ADAC Skipper” versendet er die Bücher versandkostenfrei.

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