(Einhand) Längsseits An- und Ablegen

Wieder zurück im Hafen, wollen wir uns nun noch mit zwei Varianten des längsseits An- und Ablegens befassen. Denn auch dieses vermeintlich sehr einfache Hafenmanöver kann zu unerwarteten Schwierigkeiten führen:

Wie lege ich längsseits an bei Anfahrt vorwärts?

Unsere Leinen und Fender sind klar und auch über den Wind haben wir uns hinreichend informiert. Er bläst in der beschriebenen Situation mit etwa 10 bis 12 Knoten vom Steg weg. Das Anlegen wird damit tendenziell etwas schwieriger, da uns die Brise sobald keine Fahrt mehr im Boot ist (Stichwort: Fahrt) anfängt vom Steg wegzublasen. Bei der Anfahrt zum Anleger müssen wir daher einige Dinge beachten:

  • Zum einen sollten wir nicht zu langsam fahren, um gegen den Wind sicher und stabil manövrieren zu können.
  • Darüber hinaus ist es wichtig, während der Anfahrt so lange wie möglich mit dem Bug frontal im Wind zu bleiben. Auch so soll ein Vertreiben des Bootes nach Lee vermieden werden.
  • Außerdem wählen wir für das Anlegen in dieser Situation unsere Steuerbordseite aus. Den so wird das Heck bei CARPE DIEMS linksdrehender Schraube beim Aufstoppen zusätzlich durch den Radeffekt nach rechts versetzt und unterstützt damit die Bewegung zum Steg hin. Man spricht in diesem Zusammenhang übrigens auch oft von der „Schokoladenseite“ des Bootes.
  • Kurz bevor wir den Steg erreichen, drehen wir bei und geben mit der Maschine zur Verlangmung unserer Fahrt rückwärts Gas.
  • Sobald das Boot nun längsseits zum Steg fährt, legen wir die Achterleine über die Klampe am Steg. Das Boot macht dabei nach wie vor ein wenig Fahrt voraus.
  • Als Nächstes kuppeln wir die Maschine nun erneut vorwärts ein.
  • Die Restfahrt stoppen wir anschließend aus der Hand bzw. über die achtere Bootsklampe auf. Dort wir die Leine sobald das Boot steht auch zügig belegt.
  • Das Boot dampft nun mit etwas Vorwärtsfahrt in die Achterleine ein (Stichwort: Leinenarbeit) und zieht sich bereits an den Steg heran. Je stärker der Wind vom Steg wegbläst, umso mehr Gas muss man ggf. geben. Zusätzlich kann man mit etwas Ruderlage zum Steg hin dafür sorgen, dass unser Boot nicht vom Wind vertrieben wird.
  • Als Letztes kümmern wir uns in aller Ruhe um die Vorleine sowie evtl. notwendige Springleinen.

Einhand-Tipps von Guido Dwersteg: längsseits anlegen.

Wie lege ich mit dem Boots Längsseite an - Anfahrt rückwärts?

Sollte es mal etwas kräftiger vom Steg wegblasen, bietet sich die folgende Variante an.

  • Dabei fahren wir den Steg rückwärts an und versuchen jetzt das Heck des Bootes genau im Wind zu halten.
  • Kurz bevor wir den Steg erreichen verlangsamen wir unsere Geschwindigkeit nun so weit, dass wir nur noch geringfügig in Fahrt sind.
  • Dann nehmen wir die zum Wurf vorbereitete stegseitige Achterleine und werfen diese über die Klampe an Land.
  • Bevor es nun hinter uns zu eng wird, stoppen wir anschließend die Fahrt auf und kuppeln die Maschine bereits vorwärts ein.
  • Während das Boot nun beginnt langsam Vorwärtsfahrt aufzunehmen, belegen wir die Achterleine auf der entsprechenden Bootsklampe.
  • Nun können wir das Boot mit Vorwärtsgas und Ruderlage langsam an den Steg heranziehen.
  • Stehen wir längsseits an der Pier, bringen wir nun auch die übrigen Leinen über. Geschafft !

Einhand-Tipps von Guido Dwersteg: längsseits anlegen.

Wie lege ich mit dem Boot bei ablandigem Wind längsseits ab?

Längsseits ablegen bei ablandigen Wind: Durch den nach wie vor ablandig wehenden Wind ist das Ablege-Manöver denkbar einfach.

  • Die Maschine läuft und alle Festmacherleinen liegen auf „Slip“. Soll heißen, alle Leinen können von Bord aus bedient und weggenommen werden (Stichwort: Leinenarbeit).
  • Als Erstes lösen wir nun die Vorleine.
  • Der Bug beginnt danach sofort Richtung Lee abzutreiben, also entfernt sich bereits vom Steg.
  • Dach werfen wir auch die Achterleine los, sodass nun auch das Heck frei ist und sich ebenfalls vom Steg enfernt.
  • Das Boot kann nun mit Maschinenwirkung und entsprechender Ruderlage vom Steg weg manövriert werden.
  • Auch dabei achten wir natürlich auf das ausschwenkende Heck.
  • WICHTIG !! Sollten vor oder hinter uns andere Boot liegen, ist außerdem darauf zu achten, dass unser Boot nicht auch nach vorne oder hinten vertrieben wird und so eine Kollision droht.
  • Um hier auf Nummer sicher zu gehen, kann man vor dem Loswerfen der Vorleine etwas Vorwärtsgas geben und so in die noch belegte Achterleine eindampfen.
  • Das Boot zieht sich so bis zum erneuten Auskuppeln der Maschine an den Steg heran und bleibt so stabil stehen, bis wir uns auch um die Achterleine kümmern können.

Einhand-Tipps von Guido Dwersteg: längsseits ablegen.

Wie lege ich mit dem Boot bei auflandigem Wind längsseits ab?

Längsseits ablegen bei auflandigem Wind: Bei auflandig wehendem Wind wird das Ablegen natürlich ungleich schwerer. Während wir uns beim Anlegen jetzt von der Brise einfach an den Steg heranpusten lassen, müssen wir beim Ablegen mit einer Achterspring arbeiten:

  • Dazu legen wir die Achterleine zur Spring und fendern zusätzlich das Heck gut ab.
  • Sobald wir nun zum Ablegen bereits sind, nehmen wir auch hier die Vorleine weg und begeben uns zurück zum Steuerstand.
  • Je nach Einfallswinkel des Windes sowie des Platzangebotes am Steg, muss man auch eir aufpassen nicht auf andere Boote getrieben zu werden.
  • Am Steuerstand kuppeln wir nun die Maschine rückwärts ein und geben etwas Gas. Das Ruder steht dabei mittschiffs.
  • Das Boot dampft nun rückwärts im die Achterspring ein und zieht sich mit dem Heck an Steg (Stichwort: Leinenarbeit). Daher ist es bei diesem Manöver besonders wichtig, dass Heck gut abzufendern.
  • Der Bug zieht sich derweil langsam gegen den Wind vom Steg weg.
  • Sobald der Bug weit genug vom Steg und etwaigen anderen Booten entfernt ist, nehmen wir Vorwärtsfahrt auf und werfen dabei möglichst zügig die Achterspring los.
  • WICHTIG !! Dieser Wechsel von Rückwärts- in Vorwärtsfahrt muss recht flott vonstatten gehen, damit uns der Wind nicht wieder zurück an den Steg drückt (Stichwort: Fahrt). Ich empfehle daher die Achterspring während des Eindampfens nicht komplett auf der Klampe zu belegen, sondern vielmehr mit zwei Kreuzschlägen auf Standby zu halten.
  • Sobald das Boot nun Vorwärtsfahrt aufgenommen hat, können wir aus dem Hafen heraus manövrieren.

Einhand-Tipps von Guido Dwersteg: längsseits ablegen bei auflandigem Wind.

Wie kann ich mit dem Boot an einem Fingersteg längsseits An- oder Ablegen?

(Einhand) Längsseits An- und Ablegen mit Fingersteg: Kommen wir nun zu meinem letzten Manöver-Tipp. Denn neben der Box mit Heckdalben und dem klassischen Steg, gibt es gerade in Gezeitenrevieren noch eine weitere Anlege-Variante. Dabei befindet sich jeweils zu einer Seite des Liegeplatzes ein sogenannter Fingersteg. Oft handelt es sich dabei übrigens um Schwimmstege, die mit den Gezeiten auf und ab wandern.

  • Die Anfahrt sowie die Vorbereitungen zum Anlegen mit Fingersteg unterscheiden sich nicht von den bisherigen Manövern. Mit einer Ausnahme: Denn neben den üblichen Vor- und Achterleinen, machen wir nun auch zwei Leinen auf den mittleren Klampen des Bootes klar. Die Fender hängen wegen des Anlegens an einem Schwimmsteg außerdem etwas niedriger.
  • Wie auch schon beim Anlegen in der Box, fahren wir den Liegeplatz vorzugsweise gegen den Wind an.
  • Wenn möglich, solltet ihr euch außerdem einen Platz suchen, bei dem euch der Wind tendenziell an den Fingersteg heran bläst.
  • Sobald wir unsere Parkposition erreicht haben, stoppen wir mit der Maschine auf und steigen anschließend möglichst schnell auf den seitlichen Fingersteg über. Dies ist insoweit eine Ausnahme von der zuvor behandelten Regel, wonach wir alle Leinenmanöver möglichst von Bord aus durchführen.
  • Während des Übersteigens auf den Fingersteg nehmen wir bereits die entsprechende Leine auf der Mittelklampe zur Hand.
  • Abhängig vom genauen Einfallswinkel des Windes, legt ihr mit dieser Leine nun entweder eine Vor- oder Achterspring, um das Boot so grob am Fingersteg zu fixieren.
  • Welche Spring ihr legt, hängt dabei von der Richtung ab, in die das Boot vom Wind vertrieben wird. Wird es nach vorne getrieben legen wir eine Vorspring und umgekehrt.
  • Danach kümmern wir uns um die Vorleinen. Diese liegen ja bereits vorbereitet am Bug und sollten so klariert sein, dass ihr sie vom Steg aus greifen und an Land belegen könnt. Auch hier belegen wir zuerst die Luv- und anschließend die Leeleine.
  • Zu guter Letzt bringen wir auch noch die hintere fingerstegseitige Leine aus und befestigen diese am äußeren Ende des Schwimmstegs.
  • Das Boot ist nun in alle Richtungen sicher fixiert und ihr könnt euch dem Landgang widmen.

Einhand-Tipps von Guido Dwersteg: längsseits anlegen am Fingersteg.

Wie lege ich mit dem Boot von einem Fingersteg ab?

  • Auch für das Ablegen vom Fingersteg nutzen wir eine Springleine. Diese führen wir von der mittleren Klampe des Bootes zum äußeren Ende des Schwimmstegs und zurück an Bord (Stichwort: Leinenarbeit), also eine Vorspring.
  • Darüber hinaus sorgen wir dafür, dass das Boot bei diesem Manöver gut und möglichst über die komplette Länge gegen den Fingersteg abgefendert ist.
  • Als nächstes dampfen wir mit der Maschine vorwärts in die Vorspring auf der Mittelklampe ein.
  • Das Boot beginnt nun sich an den Fingersteg heranzuziehen. Die Leine auf der hinteren Klampe verhindert dabei, dass sich der Bug zu nah an den Steg heranzieht.
  • Nun beginnen wir die Vorleinen wegzunehmen. Als erstes die fingerstegseitige Vorleine und anschließend auch die andere Seite.
  • Das Boot steht durch das Eindampfen in die Vorspring dabei nach wie vor sicher und stabil.
  • Bevor wir nun endlich losfahren können, müssen wir natürlich auch die achtere Leine entfernen. Dabei ist zu beobachten, wie sich das Boot beim Lösen der Leine verhält. Je nach Wind- und Gas-Stärke zieht sich der Bug beim Lösen der Leine mehr oder weniger stark an den Fingersteg heran. Das ist aber kein Problem, da wir ja längsseits gut abgefendert sind.
  • Sollte das Boot dennoch zu schräg stehen, kann man dem mit etwas Ruderlage entgegenwirken.
  • Obwohl das Boot jetzt nur noch von der Vorspring auf der Mittelklampe gehalten wird, stehen wir noch immer sicher an unserem Platz.
  • Zum eigentlichen Ablegen wechseln wir nun von Vorwärts- in Rückwärtsgas und legen das Ruder mittschiffs.
  • Das Boot nimmt nun langsam Fahrt auf und beginnt rückwärts aus der Box zu laufen.
  • Die Spannung auf der Vorspring löst sich dabei und kann jetzt einfach von der Klampe des Fingerstegs herunter genommen werden. Dazu müsst ihr natürlich kurz den Steuerstand verlassen, was gerade anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist aber mit zunehmender Erfahrung kein Problem mehr darstellt.
  • Sobald nun auch die Vorspring geborgen ist, manövrieren wir rückwärts von unserem Liegeplatz in die Gasse (Stichwort: Ruderlage und Rückwärtsfahrt) und anschließend heraus aus dem Hafen.

Einhand-Tipps von Guido Dwersteg: längsseits ablegen am Fingersteg.

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