Einen Liegeplatz für das eigene Boot zu finden, ist nicht gerade ein einfaches Unterfangen. Wir bieten einen Überblick über die aktuelle Situation und geben Tipps für eine erfolgreiche Liegeplatzsuche.
Einen Liegeplatz für das eigene Boot zu finden ist ein Dauerthema. Bootseigner, die auf der Suche nach einem Sommerliegeplatz in den deutschen Häfen nachfragen, bekommen seit geraumer Zeit immer wieder enttäuschende Antworten á la "Unsere Warteliste ist bereits sehr lang" oder "Tut mir leid, es ist alles belegt". Auch im Ausland, etwa im Mittelmeer, sind Liegeplätze rar oder nahezu unbezahlbar.
Warum es so schwierig ist, einen Liegeplatz zu finden und was Skipper tun sollten, wenn die Suche noch kein Ergebnis gebracht hat und für die nahende Saison keine Box und kein Steg in Aussicht sind, klären wir hier.
Warum es so schwer ist, einen Liegeplatz zu finden
Je nach Region gibt es unterschiedliche Gründe, die die Suche nach einem Liegeplatz erschweren können. Dazu gehören vor allem die hohe Nachfrage nach Liegeplätzen oder ein durch unvorhergesehene Situationen verringertes Angebot.
Die aktuelle Situation in Deutschland
In Deutschland hat sich die Lage nach der angespannten Situation infolge des Pandemie-Booms und der schweren Ostseesturmflut im Jahr 2023 inzwischen in vielen Regionen wieder etwas entspannt. Zahlreiche beschädigte Stege, Molen und Hafenanlagen wurden repariert oder vollständig erneuert, sodass vielerorts wieder mehr Kapazitäten zur Verfügung stehen.
Dennoch bleibt die Suche nach einem festen Liegeplatz in beliebten Revieren oft schwierig. Die Zahl der Boote bleibt fast unverändert hoch. Hinzu kommt, dass manche Häfen ihre Steganlagen an die immer breiter und größer werdenden Boote anpassen. Dafür werden Boxengrößen verändert und teilweise Dalben versetzt oder ganz gezogen, um breitere Liegeplätze zu schaffen. Wo früher mehrere kleinere Yachten Platz fanden, stehen in manchen Häfen heute entsprechend weniger Liegeplätze zur Verfügung. Die absolute Zahl der verfügbaren Liegeplätze reduziert sich dadurch mancherorts dauerhaft.
Vor allem in den bekannten und beliebten Hotspot-Häfen entlang der Küste bleibt die Knappheit daher weiterhin spürbar, auch wenn sich die Gesamtsituation im Vergleich zu den vergangenen Jahren etwas verbessert hat.
Liegeplatzsuche im Mittelmeer
Auch im gesamten Mittelmeer sind Liegeplätze vielerorts Mangelware. Vor allem in den bekannten Hotspots wie Balearen, Kroatien und Co. ist die Nachfrage nach Liegeplätzen besonders hoch. Freie Plätze sind hier oft nur sehr schwer oder wenn, dann nur für sehr viel Geld zu bekommen.
Bootsliegeplatz finden: Tipps für die Suche
Trotz schwieriger Situation gibt es dennoch einige Tipps, die bei der Liegeplatzsuche helfen können.
Abseits der bekannten und beliebten Orte suchen
In Deutschland fragen die meisten Bootsbesitzer in Häfen nach, die sich in der Nähe von beliebten Orten an Küsten und Binnenrevieren befinden. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, kurzfristig Liegeplätze in den bekannten Häfen in Kiel, Flensburg oder Potsdam zu finden. Dort ist in der Regel alles ausgebucht und die Wartelisten bereits lang.
Eine höhere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich nach einem Platz Ausschau zu halten, bieten eher abseits gelegene Häfen, die dazu mit Bahn oder Auto nicht so gut und so schnell erreichbar sind. Hier gibt es stellenweise noch Plätze. Es ist sicherlich besser, mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln eine halbe Stunde länger zum Boot zu benötigen, als gar nichts zu finden.
Auch im Mittelmeer bieten die vielen Reviere, die etwas abseits der üblichen und bekanntesten Küsten liegen, die besten Aussichten auf einen Erfolg. Hier gibt es teilweise noch viele, auch günstige Liegeplätze und guten Service. Ein Beispiel für ein solches Revier ist die Marca Fermana an der Adria. Dieser Küstenabschnitt in Italien ist nicht überlaufen, viele Marinas haben noch Kapazitäten und die Lage ist ideal, um von hier Beispielsweise nach Kroatien zu segeln.
Die Strategie, nicht in den bekanntesten und bestgelegenen Häfen zu suchen, zahlt sich nahezu weltweit aus. Auch in den Niederlanden, Dänemark und in weiter entfernten Revieren gibt es abseits der beliebtesten Küstenabschnitte zahlreiche unbekanntere Marinas und Häfen, die über keine langen Wartelisten verfügen. In jedem Fall lohnt es sich, abseits des Mainstreams zu suchen.
In beliebten Revieren, wie an der Côte d’Azur, ist die Liegeplatzsuche schwierig.
Vereinshäfen und kleine Anlagen anfragen
Während die großen Marinas und kommunalen Häfen oft hoffnungslos ausgebucht sind, finden sich gerade bei kleineren Vereinshäfen oftmals noch Liegeplätze. Dazu sind sie häufig auch noch wesentlich günstiger. Manche Hafenbetreiber verlangen mit der Liegeplatzvergabe eine Mitgliedschaft, die aber in der Regel einfach zu bekommen ist. Hier gilt: Eher an den abgelegeneren Orten suchen als in den großen und bekannten Marinas und Häfen vergeblich nachzufragen.
Im Binnenbereich gibt es häufig auch viele kleinere Privatbetreiber, bei denen ein Versuch sich durchaus lohnen kann.
Beim Bootskauf auf mögliche Liegeplatzübernahme achten
Um einen Liegeplatz sollte man sich im Idealfall schon vor dem geplanten Bootskauf kümmern. Wer sich für dieses Jahr noch ein gebrauchtes Boot anschaffen möchte, sollte in der Angebotsbeschreibung näher hinsehen oder beim Verkäufer nachfragen: Nicht selten besteht die Möglichkeit, in Absprache mit dem Hafenbetreiber einen bereits gebuchten oder bestehenden Liegeplatz übernehmen zu können. Viele Neubesitzer merken erst nach abgeschlossenem Kauf, dass die Liegeplatzsuche manchmal nahezu aussichtslos ist.
Entscheidend für eine erfolgreiche Liegeplatzsuche ist häufig auch die Bootsgröße und vor allem bei Segelbooten und -yachten der Tiefgang. Segelboote mit aufholbarem Schwert, Hub- oder Schwenkkiel haben eher eine Chance, in manchmal abgelegenen Ecken des Hafens mit wenig Wassertiefe noch einen Platz zu bekommen. Beim Bootskauf kann sich also auch lohnen, auf flexiblen Tiefgang zu achten.
Hilfe bei der Liegeplatzsuche: Die ADAC Hafendatenbank & Bootsbörse
Je mehr Häfen kontaktiert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, einen Platz zu finden. Es ist also oft notwendig, tiefergehend nach Häfen zu suchen. Die Schwierigkeit besteht für viele Suchende indes, überhaupt eine Übersicht über alle Häfen in einer bestimmten Region zu erhalten. Der ADAC bietet sowohl im ADAC Skipper-Portal als auch in der ADAC Skipper App Services, die bei der Liegeplatzsuche helfen können.
Hafendatenbank im ADAC Skipper-Portal
Mit der ADAC-Hafendatenbank wird die Suche erheblich einfacher.
Über die Karte kann man bequem das bevorzugte Revier suchen und sich alle in unserer Datenbank enthaltenen Häfen und Marinas anzeigen lassen.
Alternativ lassen sich die Marinas im gewünschten Revier auch über unsere Revieransicht aufrufen.