Mit dem Boot ins Mittelmeer: Auf dem Rhein-Marne-Kanal durch das Elsass

Es gibt mehrere Varianten, um mit dem Boot ins Mittelmeer zu gelangen. Während die Westroute ins Mittelmeer in ihrem klassischen Verlauf über Rhein, Maas, Saône und Rhône ins Mittelmeer führt, gibt es auch andere reizvolle Strecken.

Neben der Alternativroute über Mosel und Saar ins Mittelmeer ist insbesondere auch die Durchquerung des Elsass über den Rhein-Marne-Kanal ein lohnender Weg in den Süden. Mit Einstieg in Straßburg ist letztere Variante die wohl spektakulärste Strecke und bietet zahlreiche bauliche Highlights – allen voran das imposante Schiffshebewerk von Arzviller.

Alles Wissenswerte zu dieser Route ins Mittelmeer haben wir nachfolgend zusammengefasst.

Rhein-Marne-Kanal von Straßburg nach Nancy: Allgemeine Informationen

Allgemeine Informationen

Frankreich
Distanz154 km
Schleusen70
Fahrtzeit42 h
GewässerCanal de la Marne au Rhin

Schleusenlänge, max. Schiffsbreite, Mindestdurchfahrtshöhe, Tiefgang

Schleusenlängemax. SchiffsbreiteMindestdurchfahrtshöhe bei HSWmaximal zulässiger Tiefgang
Rhein-Marne-Kanal39 m5,00 m3,60 m
Hebebrücken sind geschlossen von 12:00 – 12:30 Uhr
1,80 m
Max. Geschwindigkeit: 6 km/h
Vorbeifahren an stillliegenden Booten: 3 km/h

Wie werden die Schleusen bedient?

In der Region Straßburg werden die Schleusen von Schleusenwärtern überwacht. Die individuelle Schaltung der Schleusen erfolgt allerdings über eine Fernbedienung, die der Wärter an der ersten Schleuse aushändigt. Diese Fernbedienung wird für den gesamten Kanal genutzt.

Auf der Website des Französischen Flussverwaltungssytem VNF werden der Umgang mit der Fernbedienung und das korrekte Schleusen in der Region beschrieben.

Betriebszeiten der Schleusen

In der Hochsaison (April – September) sind die Betriebszeiten der Schleusen von 6:30 Uhr – 19:30 Uhr. Wer innerhalb einer Schleusenkette erkennt, dass das gewünschte Ziel nicht erreicht wird und über Nacht bleibt, muss sich Abmelden und am nächsten Tag wieder anmelden.

Straßburg bis Lutzelbourg: Der Routenverlauf im Detail

Ausgangspunkt der Route über den Rhein-Marne-Kanal nach Nancy ist Straßburg. Dort angekommen, steht man vor der Entscheidung, ob gleich auf dem Rhein-Marne Kanal in Richtung Nancy gefahren wird oder der Stadt noch ein Besuch abgestattet werden soll. Allerdings ist es nicht ganz einfach, hier einen geeigneten Liegeplatz zu finden. Die beiden Häfen im Osten der Stadt sind klein und nur mit viel Glück erhascht man einen Platz zum vorübergehenden Liegen.

Strassbourg – stock.adobe.com/ xbrchx

Im Rhein-Marne-Kanal

Insofern nehmen wir Kurs auf den bei Bootfahrern sehr beliebten Kanal, der durch den Naturpark Lothringen, dem Vogesengebirge und elsässischen Ebene führt. Nachdem die erste Schleuse Ecluse Nord beim Port du Rhin durchfahren ist, wird dem Kanal bis zur Écluse N° 51 de Schiltigheim gefolgt. Hier beginnt der 313 km lange Rhein-Marne-Kanal, der seinen Ursprung im Département Marne, benannt nach dem Fluss Marne, im Westen findet. Insofern wird auf dieser Fahrt hinsichtlich der Kilometrierung des Kanals rückwärts gezählt und sie beginnt bei PK 310,6.

Bis zum Schiffshebewerk in Arzviller sind 32 Schleusen zu durchlaufen. Das Land ist noch relativ flach, der Kanalverlauf kerzengerade und die Schleusen weisen noch größere Abstände auf. Immer wieder sind an beiden Ufern einzelne Anlegestellen zu sehen allerdings ohne große Versorgungsmöglichkeiten. Unser erster Anleger ist bereits von Weitem mit bloßem Auge am Silo eines Landwirtschaftsbetriebs erkennbar und befindet sich direkt  in der kleinen Ortschaft Waltenheim-sur-Zorn. Hier gibt es keinerlei Bunkermöglichkeiten. Wer dringend Einkaufsmöglichkeiten sucht, wird im benachbarten, nördlich gelegenen und ein Kilometer entfernten Mommenheim fündig, muss sich aber dorthin mit Taxi oder Fahrrad bemühen.

Steinbourg

An den vier Fingerstegen im Port du plaisance de Steinbourg finden Gästelieger ihren Platz. Wasser und Strom stehen zur Verfügung, Restmüllentsorgung ist möglich. Spätestens hier spürt man die „Bergauffahrt“. Die Gegend wird langsam hügeliger und im Hintergrund ist bereits das Vogesen Mittelgebirge erkennbar.

Chateau Rohan mit Marina Saverne – imago images/Thierry Grun

Saverne

Bereits am Fuße des Vogesengebirges liegt die Marina Saverne mit Wasser- und Elektroanschluss sowie Sanitäranlagen. Auch hier belegt ein größerer Charterbootanbieter einen Teil des Hafens, so dass es zur Hochsaison schon mal eng werden kann. Die Boote sollten dann achtern angelegt werden. Auf jeden Fall erhält man vom Hafen einen traumhaften Blick auf das Château des Rohan – auch Versailles des Elsass genannt – und seine Gärten.

In dem ca. 11.000 Einwohner zählenden Städtchen ist stets was los. Viele Restaurants, Cafes und Livebands in den Straßen laden zu einem längeren Aufenthalt ein. Die Touristikinformation befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hafens. Ein Schwimmbad mit Freibad ist ca. 1,5 km entfernt. Geschleust wird mit der Écluse N° 30 – 31 inmitten der Altstadt und parallel zum Fluss Zorn geht die Reise weiter.

Lutzelbourg – imago images/Volker Preusser

Lutzelbourg

Mit der Anlegestelle in Lutzelbourg befinden wir uns bereits inmitten der Vogesen. Da hier eine Charterbasis für Hausboote stationiert ist, kann es eng werden auf dem Kanal. Die Verleihboote liegen im Doppelpack. Am Wochenende wird es turbulent.

Für das „schönste Dorf der Region“, wie loutzelbourg.fr schreibt, finden sich nur wenige Restaurants. Eine schöne Übersicht über das Gelände verschafft aber eine Wanderung zu den Überresten des Châteaus Lutzelbourg. Das nur noch 3 km Luftlinie und zwei Schleusen entferne Schiffshebewerk erblickt man jedoch nicht.

Lutzelbourg bis Nancy: Der Routenverlauf im Detail

Nur noch eine Schleuse Gîte Écluse 18 nachdem das Viadukt für die Eisenbahn durchfahren wurde und man erreicht nach knapp einem Kilometer bei PK 255,3 das Sammelbecken des Schiffshebewerks Saint-Louis/Arzviller.

Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller – stock.adobe.com/ Jan

Das Schiffshebewerk Arzviller

Imposant erhebt sich diese gigantische Hebeanlage. Eine gewaltige Konstruktion zur Beförderung von Booten, deren Funktionsweise nicht all zu häufig zu sehen ist. In einen Trog aus Beton, der eine Länge von 41 m aufweist, fahren die Boote ein und werden schließlich mittels Rollentechnik mit Gegengewichten über eine schräge Rampe aus Stahl und Beton etwa 44 m nach oben befördert. Durch den Bau und Inbetriebnahme dieser besonderen Anlage wurden 17 Schleusen ersetzt. Das Hebewerk feierte 2019 sein 50-jähriges Jubiläum. Mit Ein-und Ausfahrt und der Beförderungszeit müssen ca. 40 Minuten kalkuliert werden.

Am oberen Punkt dieser Schleuse befindet sich das kleine Museum Sophie-Marie in Form einer Péniche und klärt mit Originalfotografien vom Bau, mit Plänen und Beschreibungen über die Funktionsweise des Hebewerks auf.

Tunnel von Arzviller und Niederviller

Nach 3 km folgt mit dem Tunnel von Arzviller die nächste Herausforderung. Fährt man am Osteingang des Tunnels noch in eine einzelne Röhre ein, so wird man an der westlichen Ausfahrt von einer zweiten Röhre überrascht, die für die Bahnverbindung Paris – Straßburg zur Verfügung steht.

Bevor man den Tunnel erreicht unterfährt man eine Stange für die Höhenkontrolle. Im Tunnel selbst gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 4 km/h. Es versteht sich, dass im Tunnel nicht angehalten werden darf. Der Mindestabstand von Boot zu Boot beträgt 50 m. Früher wurde hier noch getreidelt. Anfangs mit Pferden, im Anschluss mit Dampflokomotiven, die – abgestellt an den Ufern des Kanals – als Erinnerungsstücke an vergangene Zeiten zu sehen sind. Die Länge des Tunnels beträgt 2,3 km.

Kaum herausgefahren aus dem Arzviller Tunnel ist in einer Entfernung von knapp 770 m bereits die Röhre des Tunnel Niderviller erkennbar, dessen Länge 475 m beträgt.

Wie funktioniert die Tunneleinfahrt?

Die beiden Tunnels können nicht – wie sonst üblich – per Handstange oder Funksender angesteuert werden, sondern verfügen über eine sogenannte „Zone de Détection“ ähnlich der Kontaktschienen an den Haltelinien von Ampeln im KfZ-Bereich. Bis zum schwarzen Pfeil des am Ufer angebrachten Schilds der VNF vorfahren, dadurch wird das Erkennungssystem aktiviert. Jetzt nur noch auf das Grün-Signal warten und losfahren. In der Hochsaison kann die Wartezeit schon einmal länger sein.

Niderviller – ddp images/ Bringard Denis

Niderviller

Im Port Fluvial von Niderviller wird der Kanal schön breit. Viel Platz am Beerenbach-Anleger. Ein Stück weiter kanalabwärts bei PK 245,6 ist schon das Logo von Kuhnle Tours und dem Yachthafen von Niderviller erkennbar. Dieser ADAC Stützpunkt bietet mehrere Gastliegeplätze, komfortable Sanitäranlagen. WiFi ist auf dem gesamten Marinagelände verfügbar. Auch eine Tankstelle für Diesel-Treibstoff ist vorhanden. Gaststätte, Imbiss und Supermarkt befinden sich in unmittelbarer Hafennähe.

Hesse

In Hesse befindet sich der nächste Charterbootverleih LeBoat mit großem und gut ausgestatteten Yachthafen. Auch hier besteht Tankmöglichkeit. Nach weiteren 1,5 km Fahrt überquert man den Fluss Saar mittels Schiffsbrücke. Hier wird es sehr eng. Auf den Gegenverkehr achten.

Weiter geht es auf dem Kanal zur nächsten Bootsanlegestelle Xouaxange: Nicht viel los aber nett gelegen. Im gleichnamigen Örtchen befindet sich fußläufig ein gutes Restaurant.

Die letzten Kilometer nach Nancy

Bei Flusskilometer 228 führt von rechts kommend der Saarkanal in den Rhein-Marne-Kanal. Dieser Zusammenfluss befindet sich inmitten der Pays des étangs, einem im Mittelalter für die Fischzucht geschaffenen Seen- und Teichlandschaft. Ab hier beginnt die Nummerierung der Schleusen in Richtung Westen wieder von vorne (No 1). Auf dem kommenden Abschnitt sind 17 Schleusen bis zum Port d´Einville zu bewältigen. Für diese 36 km ist mit gut 8 h Gesamtfahrtzeit zu rechnen. Wer bei den Schleusen gut durchkommt, kann auch gleich Nancy in Angriff nehmen. Bis zum östlichen Verbindungskanal (Canal de Jonction de Nancy) kurz vor Nancy sind 20 Schleusen zu absolvieren. Mit einer geschätzten Fahrtzeit von 13 Stunden ist zu rechnen.

Port de plaisance Nancy Saint Georges – Destination Nancy/Régine Datin

Außerhalb von Nancy befinden sich nur kleinere Anleger ohne jegliche Versorgungsmöglichkeit. Für einen sehr zu empfehlenden Besuch der Stadt kann der Stadthafen angelaufen werden. Hierfür ist noch eine letzte Schleuse zu meistern. Nach 2,4 km erreicht man schließlich den Port de plaisance Nancy Saint Georges. Hier liegt das Boot sehr zentral in der Stadt – Voranmeldung erwünscht. Bis zum Stanislas Platz und dem umgebenden historischen Zentrum sind es gerade einmal 14 Gehminuten.

Wer von Nancy weiter in Richtung Mittelmeer fahren möchte, kann ab Nancy wieder dem klassischen Streckenverlauf folgen: