Den richtigen Ankerplatz finden

Ankerplatz finden

Die Suche eines günstigen Platzes lässt sich erleichtern, wenn man sich vorher mit Fernglas und einer detaillierten Seekarte ein möglichst genaues Bild über die Beschaffenheit der Küste macht. Wichtige Gegebenheiten wie Wassertiefen in Ufernähe, Landschutz durch Baumgruppen, Hügel oder Kliffs zu den vorherrschenden oder nach dem Wetterbericht zu erwartenden Winden können so schon vor dem Anlaufen und in Ruhe ermittelt werden. Außerdem sollten Winddreher, mit denen zum Beispiel beim Aufziehen einer Gewitterfront oder in labiler Wetterlage zu rechnen ist, berücksichtigt werden. Ein Blick zum Himmel, auf das Barometer und den Seegang genügt meist schon, um die Entwicklung des Wetters ausreichend genau einschätzen zu können. Einige Wetter-Apps zeigen außerdem ein Regenradar an, mit dem sich Regen- oder Gewitterfronten bereits in einigen Seemeilen Entfernung ausmachen lassen.

Einsame Ankerbucht

Hat sich die Crew auf Grund dieser Informationen für einen Platz entschieden, steuert sie ihn mit langsamer Fahrt an und behält dabei die Wassertiefe im Auge. Sind keine anderen Ankerlieger in der Nähe, fällt der Anker, wenn die gewünschte Wassertiefe und der richtige Abstand zum Ufer erreicht sind.

Belebter Ankerplatz

Anders verhält es sich, wenn in der Nähe bereits andere Yachten vor Anker liegen. Dann sollte erst einmal der gewählte Bereich mit langsamer Fahrt durchs Wasser abgefahren werden, um die Abstände zu den Nachbarn richtig einschätzen zu können – was aus großer Distanz nicht möglich ist. Fällt der Anker zu nahe an einer Yacht, kann nicht genügend Leine oder Kette gesteckt werden. Es besteht dann die Gefahr, dass der Anker in zunehmendem Wind und Seegang slippt und die Kette des Nachbarn fischt. Hat man jedoch ausreichend gesteckt, vergrößert sich der Schwojkreis entsprechend und es besteht die Gefahr einer Kollision.

Schwojkreise einschätzen

Denn jedes vor Anker liegende Schiff verhält sich anders. Leichte, hochbordige Kurzkieler neigen zum Hin- und Herfahren, während schwere Yachten mit relativ langem Kiel ihre Position kaum verändern. Ausgesprochen „schlechte Karten“ hat man, wenn schlechtes Wetter aufzieht. Gerät das Boot dann ins Treiben, hängt man entweder im Grundgeschirr des Nachbarn fest, bringt ihn und andere in Gefahr oder driftet auf den nächsten Sand, weil sich in der Hektik außerdem die Leine des Beibootes in der Schraube vertörnt hat. Meist spielt sich das Ganze dann auch noch in dunkler Nacht und bei heulendem Wind ab – Murphys Law lässt grüßen.

Segelyacht einsam vor Anker

Segelyacht vor der Steilküste von San Pietro.

Auskundschaften

Das langsame Abfahren des Bereiches um den vorgesehenen Ankerplatz hat noch einen weiteren Vorteil: Die Crew kann bei einigermaßen klarem Wasser und genügend Licht die Art des Grundes ausmachen. In Ufernähe wechseln sich häufig helle Flächen mit dunklen ab und hell bedeutet Sandgrund, ideal für jeden Ankertyp. Ist der Grund jedoch gleichmäßig dunkel, dann handelt es sich meist um Schlick, mit denen die meisten Anker noch recht gut zurechtkommen oder Gras, auf denen kaum ein Haken zuverlässig festkommen kann und den man deshalb meiden sollte.

Tipp: Gut bewährt hat sich mit dem leichten Draggen (Schirmanker) des Dingis Bodenproben zu nehmen, da in seinen löffelartigen Flunken ebenfalls genügend hängen bleibt, um den Grund beurteilen zu können. Dieser Anker ist außerdem ein nützliches Hilfsmittel, um das mit dem Nachbarn vertörnte Grundgeschirr aufzufischen und zu klarieren.

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