Wetter-Apps auf See. Praxistipps zur Benutzung.

Gibt es "die beste Wetter-App"?

Wie wird das Wetter, wie der Wind? Nahezu jeder Skipper steht jeden Tag vor dieser Frage. Warten Motorbootfahrer, die auf See unterwegs sind, lieber auf schwache Winde und wenig Welle, freut sich der Segler auf eine kräftige Brise, die das Boot vorantreibt. Abends in den Häfen an den Stegen kommt es dann immer wieder zu Gesprächen und Vergleichen, wo über die verschiedenen Wetter-Apps diskutiert wird und sie verglichen werden. Welche ist die Beste? Welche hatte heute recht? Diese Frage kann jedoch so pauschal nicht beantwortet werden. Denn auch wenn die – vor allem kurzfristigen – Vorhersagen so gut wie noch nie waren, kommt es immer wieder zu Abweichungen. Vor allem bei den mittel- und langfristigen Vorhersagen. Doch selnst auch bei den kurzfristigen Wetter- und Windmeldungen gibt es nicht die generell bessere oder schlechtere App, sondern ja nach Großweterlage Berechnungsmodelle, die mal gut, mal weniger gut liegen. Exakter sind in der Regel jedoch die Dienste, die den jeweiligen Standort höher Auflösen. Siehe hier auch den Hinweis bei den Wind-Apps dieses Artikels.

Daher gibt es nicht die „beste Wetter-App“, sondern nur Unterschiede in den Berechnungen und dem Fokus, was vorwiegend angezeigt wird.

Der Mix machts

Wetterapps und Windapps Wetterapps und Windapps

Unter Sportbootfahrern und Seeleuten gibt es eine alte Faustregel, deren Richtigkeit sich im Alltag auf See immer wieder beweist: „Sagen alle Dienste das gleiche Wetter und Wind voraus, wird es vermutlich so kommen. Sagen alle was anderes, weiß niemand so recht, was kommt.“ Oder anders gesagt: es gibt stabile Wetterlagen und und kompliziertere Situationen, wenn Hochs und Tiefs um die Vorherrschaft ringen. Und es gibt verschiedene Apps, die ihren Fokus sehr unterschiedlich setzen: Apps wir Windfinder und Windy versuchen, ein sehr detailliertes Lagebild im Bezug auf den Wind darzustellen, während reine Wetter-Apps wie Weather Pro oder Wetter.com eher Temperaturen und allgemeine Wetterlagen anzuzeigen und den Wind eher stiefmütterlich behandeln. Dennoch sind Wetter-Apps nicht nur für „Landratten“ nützlich, weil sie helfen können, die gesamte Lage besser einzuschätzen.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, mehrere Apps zu benutzen, sie miteinander zu vergleichen und aus allen verfügbaren Informationen ein möglichst klares Bild von der kommenden, kurzfristigen Lage zu bekommen und unterwegs nicht überrascht zu werden.

Woher der Wind weht

Vor allem unter Seglern sind Wind-Vorhersagen sehr beliebt. Bekannte Anbieter in diesem Bereich sind z.B. Windfinder, Windy oder Windyty. Bei letzteren kommt es wegen der etwas unglücklichen Ähnlichkeit der Namen häufig zu Verwechslungen. Unabhängig davon gibt es diese drei Apps in den Basisversionen kostenlos.

Vor allem beim Windfinder kommt es hin und wieder bei den Anwendern zu Irritationen. Die Abweichungen der Windvorhersagen zwischen der kostenlosen App und der Pro-Version, welche „Vorhersage“ bzw. „Superforecast“ heißen, sind teilweise enorm. Der Grund liegt an den verschiedenen Auflösungen und Vorhersagemodellen. Während die Vorhersage der kostenlosen Variante auf das weltweite GFS-Modell zurückgreift und die horizontale Auflösung 13 Kilometer beträgt, löst der Superforecast feiner auf (7 Kilometer) und nutzt verschiedene Dienste und Berechnungsmodelle, in welche auch regionale Einflüsse Berücksichtigung finden. Dadurch kann es zu Unterschieden kommen.

Die genannten Wind-Apps zeigen über den Wind hinaus, je nachdem ob die kostenlose Variante genutzt wird oder weitere In-App-Käufe getätigt wurden, auch Wellenstärken, – richtungen und Tiden an. Vor allem Windy hat sich über den Wind hinaus auf Wellen und Gezeiten spezialisiert und zeigt die jeweiligen Richtungen auch in einer Animation sehr anschaulich an. Das reine Wetter indes, also Bewölkung, Regen und Sonne, werden in diesen Wind-Apps meistens nur recht spärlich behandelt.

Windfinder Vergleich Vorhersage und Superforecast Windfinder Vergleich Vorhersage und Superforecast

Wie das Wetter wird

Weather Pro Screenshot Weather Pro Screenshot

Im Gegensatz zu den Wind-Spezialisten zeigen die Wetter-Apps das, was die meisten Anwender interessiert, die nicht auf See unterwegs sind: das Wetter. Hier liegt der Fokus in erster Linie auf Temperaturen, Niederschläge und der Bewölkung bzw. der Sonnenstunden. Das bedeutet allerdings nicht, dass solche Apps nicht für Bootssportler geeignet sind, denn welche Crew ist nicht lieber in der warmen Sonne statt im Regen unterwegs? Darüber hinaus lässt sich oftmals in diesen Apps besser und schneller erkennen, wenn Wetterlagen vorhergesagt werden, die jeder, der auf See ist fürchtet, zum Beispiel Gewitter. Daher macht es durchaus Sinn, für die Beurteilung der Großwetterlage für den anstehenden Tagestörn auch solche wetter-Apps zu rate zu ziehen.

Wetter-Apps gibt es zuhauf. In der Regel sind die bereits in den Betriebssystemen Standard-Wetter-Apps und Widgets auf Apple- und Android-Geräten bereits zufriedenstellend und zeigen automatisch den Standort an. Aber es gibt unzählige Freeware zum Download, gleichzeitig auch viele Apps, die über eine ganze Reihe von Spezialfunktionen verfügen, meistens gegen eine Nutzungsgebühr. Beispielhaft hierfür ist die App „Weather Pro“, die über In-App-Käufe sehr vielfältig erweitert werden kann.

Warnungen und Radar

Auch wenn für den nächsten Tag Sonne satt und leichter Westwind mit 3 Beaufort vorhergesagt werden, kann es immer anders kommen. Vor allem Sturmfronten oder schwere Gewitter werden oftmals erst kurz vorher angekündigt. Um solche Wetterlagen nicht zu „übersehen“, lohnt sich auch der Blick auf sogenannte Warn-Apps, wie Nina, Katwarn oder die Wetter-Warn-App des Deutschen Wetterdienstes DWD. Diese Apps haben den Vorteil, dass sie nicht aufgerufen werden müssen, um eine entsprechende Warnung zu erhalten. Vor allem Nina und Katwarn warnen – entsprechende Einstellungen vorausgesetzt – oft mit schrillem Ton und unübersehbarer On-Screen-Meldung auf dem Smartphone. Das kann sehr nützlich sein, um solchen Ereignissen aus dem Wege zu gehen und nicht unterwegs von einer schweren, durchrauschenden Front erwischt zu werden.

In diesem Zuge soll auch die Regen-Radar-App erwähnt werden. Sie zeigt sehr anschaulich und einige Stunden im Voraus, ob eine Regen- oder Gewitterfront auf dem Weg durchrauscht und wo diese voraussichtlich ihre Bahnen ziehen wird. Erfahrungsgemäß arbeitet diese App meistens erstaunlich genau. Deshalb ist es sicherlich nicht verkehrt, vor dem Ablegen noch einmal das Befahrensgebiet zu überprüfen. Auch die Regenradar-App verfügt über eine Warnfunktion.

Tipp: Stellt man in den Einstellungen von Regen-Radar auf die Option „Wetter-Radar“ um, werden Radar-Karten aus der ganzen Welt angezeigt und nicht nur aus Mitteleuropa. In der Wetter-Ansicht kann nach Wind, Regen und weiteren Optionen angezeigt werden.

 

Regenradar Screenshot Sizilien Regenradar Screenshot Sizilien

Regionale Angebote

In vielen Ländern stellen die meteorologischen Institute eigene Dienste zur Verfügung. Manche dieser Dienste gibt es als App fürs Smartphone, andere sind nur über den Browser zu benutzen, wie zum Beispiel auf der Website des Kroatischen DHMZ, auf welcher Hinweise für Sportboote (in englischer Sprache verfügbar) gegeben werden, oder das Mistral-Diagramm der französischen MeteoGroup.

Es macht durchaus Sinn, sich über die im jeweiligen Land verfügbaren Apps und Webapps zu informieren.

Vigilance Météo Mistral Diagramm

Mistral Diagramm