Dinghy Transport: Wohin mit dem Beiboot?

Das Beiboot - der ständige Begleiter

Genauso vielfältig wie die Schreibweise von Beibooten sind deren Einsatzbereiche auf Segelyachten und Motorbooten. Laut Duden gibt es zwei korrekte Bezeichnungen: „Dinghy“ als die aus dem Englischen stammende Originalbezeichnung oder dem Deutschen „Dingi“. Die Varianta „Dinghi“ als häufig verwandter Mix aus beiden Bezeichnungen ist als offizielle Schreibweise in der Rechtschreibung nicht anerkannt. Egal, wie das Beiboot aber bezeichnet wird: am Ankerplatz, in der Badebucht, in der Marina und auch während des Törns sind Dinghys kaum wegzudenken. Vor allem Blauwassersegeln ist ohne Beiboot nicht denkbar. Meistens werden als Dinghys Schlauchboote genutzt, es kommen aber auch faltbare Lösungen, wie die sogenannten Banana-Boats zum Einsatz. Hier gehts zu unserem Schlauchboot Ratgeber.

Oft stellt sich jedoch die Frage, wo das Dinghy und oftmals auch der Motor unterwegs gelagert werden kann, ohne das es stört, die Sicherheit gefährdet und dennoch möglichst unkompliziert wieder zum Einsatz gebracht werden kann. Wohin also unterwegs mit dem Dinghy.

 

Titelbild: Jens Brambusch, Brambusch macht Blau: Zum Youtube Kanal

dinghy ankerplatz

Nachschleppen des Beiboots

Vor allem auf kleineren Booten und Yachten werden Dinghis oftmals an einer Leine nachgeschleppt, weil es keinen oder kaum Platz gibt, um das Beiboot zu verstauen oder zu lagern. Nichts spricht auf den ersten Blick dagegen, bei windarmen Bedingungen ohne Seeegang auf nur kleinen Touren, zum Beispiel von Bucht zu Bucht oder von Hafen zu Hafen, das Beiboot an einem Tau hinterherzuziehen, allerdings solltest Du auch dabei einige Punkte beachten:

 

  • Die Schleppleine sollte schwimmfähig sein. Ansonsten kann es bei Manövern unter Maschine passieren, dass die Leine sich im Propeller verfängt. Außerdem ist es immer von Vorteil zu wissen, wo sich die Leine befindet, denn auch am Ruderblatt oder anderen Anhängen wie Windsteueranlage kann die Schleppleine Probleme verursachen.

 

  • Schleppen kosten stets Geschwindigkeit. Bei wenig Wind unter Segeln kann ein nachgeschlepptes Beiboot schon den ein oder anderen Knoten Fahrt kosten. Bei Motorfahrt entsprechend Treibstoff.

 

  • Bei Hafenmanövern kann das am Heck gezogene Beiboot sehr störend wirken, vor allem bei Rückwärtsfahrten und angehängten Ruderblättern oder Außenbordmotoren. Außerdem verfangen sich die Beiboote beim Ausparken schnell an Heckdalben oder Nachbarliegern. Deshalb sollte bei Manövern stets ein Crewmitglied für die Kontrolle des Dinghys eingeteilt werden.

 

  • Sollte das Wetter umschlagen, wie zum Beispiel durch eine heranrauschende Front, und viel Wind bringen, sind vor allem leichte Schlauchboote eine Gefahr, weil sie vom Starkwind leicht umgeworfen und umhergewirbelt werden können, brechende Wellen können ins Beiboot einsteigen. Außerdem wirken dann stärkere Zerrkräfte, die sich aufs Steuern der Yacht auswirken können. Bei unsicherer Wetterlage sollte das Beiboot daher immer sicher verstaut werden. Bei einer kurzfristigen Wetteränderung kann es auch durchaus von Vorteil sein, das Beiboot längsseits zu schleppen.

 

  • Die Länge der Schleppleine beeinflusst das Fahrverhalten des nachgeschleppten Beiboots erheblich. Je nach Bauform und Wellenamplitude zerren die Beiboot mal mehr, mal weniger am Schiffsheck. Nach dem Losfahren sollte die beste Länge ermittelt werden, in dem Du mal mehr, mal weniger Leine gibst und das Beiboote eine Weile beobachtest.

 

  • Am Ankerplatz sollte das Beiboot möglichst längsseits mitgeführt und eng am Rumpf vertäut werden. So beeinflusst es nicht zu sehr den Schwojkreis, kommt nicht unkontrolloert beim schwojen an den eigenen Rumpf und andere Boote, die am Heck passieren, laufen – vor allem in der Dunkelheit – nicht Gefahr, in die Leine zu geraten.

 

  • Bevor Du mit nachgeschlepptem Dinghy in einen Hafen einfährst, solltest Du die Leine einholen und das Beiboot näher ans Heck ziehen. Je nach Bauart und Heck des Schiffes kann das Dinghy auch für die Hafenmanöver ein Stück auf die badeplattform gezogen werden.

 

  • Merke: Niemals das Dinghy mit Außenborder nachschleppen. Der hochgeklappte Motor entwickelt bei Seegang sehr starke Kräfte, für die viele Heckspiegel von Schlauchbooten nicht ausgelegt sind.

 

Auch wenn es vor allem zur Urlaubssaison zum täglichen Bild gehört: das Nachschleppen von Dinghys sollte immer eine Ausnahme bleiben, weil es dabei sehr häufig auch zu Problemen kommt. oft wird das Beiboot aus reiner Bequemlichkeit mitgeschleppt, weil Vielen das Ent- und Belüften zu mühselig ist. Bei unsicherer Wetterlage, Starkwind und Seegang solltest Du allerdings vorm Ablegen das Schlauchboot entlüften, verpacken und sicher verstauen.

Tipp: Mittlerweile gibt es leistungsstarke elektrische Luftpumpen, die auch mit Akkus betrieben werden können und sowohl be- als auch entlüften. Damit wird der Transport und vor allem das Verstauen für die Tagesetappe des Schlauchbootes einfacher und ohne Anstrengung erledigt.

Dingi Nachschleppen

Verstauen auf dem Aufbau, Deck oder Vorschiff.

Wenn genügend Platz vorhanden ist, kannst Du das Beiboot auch an Deck, auf dem Vorschiff oder auf dem Aufbau transportieren. Auch hier sollten einige Punkte beachtet werden.

 

  • Das Boot stehts gut verzurren. Schiffsbewegungen, Krängung und Windböen haben schon so manches Schlauchboot vom Deck fliegen lassen. Außerdem kann es bei zu locker verzurrten Schlauchbooten zu Schamfilstellen und Beschädigungen am Rumpf kommen.

 

  • Das Boot immer umgedreht an Deck lagern. Starke Regenfälle und über Deck kommende Wellen können das Boot während des Törns mit Wasser vollaufen lassen.

 

  • Beim Verstauen an Deck immer darauf achten, dass alle Leinen, wie Schoten oder die Leinen der Rollreffanlage sauber laufen und nicht vom Beiboot eingeklemmt oder so beeinträchtigt werden, dass sie schwergängig werden. Auch sollte darauf geachtet werden, dass zum Beispiel die Schoten der Vorsegel sich nicht am Beiboot verfangen können. Das gleiche gilt natürlich auch, wenn das Beiboot auf dem Kajütaufbau gelagert wird. Hier sollte es niemals auf Beschlägen wie Umlenkrollen oder Schienen gelagert werden.

 

  • Das Beiboot so an Deck lagern, dass keine Stolperfalle bei Manövern entstehen können und es noch ausreichend Platz auf dem Laufdeck gibt, um zum Beispiel schnell, sicher und ohne Hürden zum Vorschiff gehen zu können.

 

  • Wird das Beiboot aufrecht seitliche, zum Beispiel an der Reling transportiert, hat das sehr starken Einfluss auf das Handling des Schiffes bei bereits mäßigem Wind. Vor allem bei Hafenmanövern mit Wind von der Seite solltest Du darauf achten, dass das Schiff schneller seitlich vertreibt.

 

 

Dinghy und Davits
Bildquelle: Jens Brambusch, Brambusch macht blau

Die Königslösung: Davits

Die wohl komfortabelste Lösung stellen sogenannte Davits dar. Davits haben ihren Ursprung als Aussetzvorrichtung von Rettungsbooten. Auf Segelyachten und Motorbooten sind diese am Heck zu finden, um dort das Beiboot bequem hieven und transportieren zu können. Davits sind in aller Regel aus Edelstahlgestängen gebaut und eignen sich dazu noch als geräteträger oder für das Anbringen von Photovoltaik-Paneelen. Besonders bequem wird die Sache, wenn das Beiboot mithilfe einer Talje fast mühelos gehoben und ausgesetzt werden kann. Davits finden sich meistens auf Motoryachten und Segelyachten mit Mittelcockpit. Aber auch hier gibt es ein paar Punkte, die Du beachten solltest:

 

  • Der Aufbau am Heck – zumal noch mit Beiboot – hat Auswirkungen auf das Schiffshandling. Das Gewicht steigt achtern erheblich an, außerdem hat auch der Wind mehr Angriffsfläche.

 

  • Das Beiboot sollte gegen schaukeln gesichert werden. Vor allem bei rollender See von achtern kann das an den Davits hängende Schlauchboot stark aufschwingen und gegen das Gestänge oder den Aufbau der Davits schlagen. Es sollte also eine entsprechende Fixiervorrichtung vorhanden sein, oder eine Sicherung mit Leinen oder Gurten vorgenommen werden.

 

  • Auch wenn es bequem ist: der Außenbordmotor sollte nicht in den Davits am Boot hängend transportiert werden. Als ideale Lagerung des Motors hat sich ein Motorspiegel (zum Beispiel aus Delrin oder Holz) am Heck, zum Beispiel dem Heckkorb herausgestellt. Um auch schwere Außenborder bequem an Bord hieven zu können, eignet sich ein Ausleger (Kran) mit einer Talje, der an den stabilen Davits angebracht wird.
Beiboot am Ankerplatz