Worauf man bei Apps an Bord achten sollte

Durchblicken durch den App-Dschungel

Es gibt in den App-Stores eine schier unendliche Auswahl an Programmen, die das Leben an Bord erleichtern sollen. Manche gibt es kostenlos, für andere muss man bezahlen und wieder andere bekommt man nur über sogenannte Abo-Modelle, bei denen man eine jährliche oder monatliche Gebühr entrichtet. Auch sind viele Programme als kostenlose Light- oder als Bezahl/Vollversion erhältlich. Die Light-Versionen (in den App Stores oft auch als „Lite“ betitelt), bieten entweder nicht den vollen Nutzungsumfang oder blenden Werbung ein, um finanziert zu werden.

Wetter- und Navi-Apps sind die wohl am häufigsten genutzten Helfer an Bord. Allein in dieser Kategorie gibt es die unterschiedlichsten Apps und zahlreiche Anbieter, deren Produkte sich in Art und Umfang teilweise erheblich unterscheiden. Darüber hinaus gibt es noch diverse andere Programme, die nützlich sind, sein können oder sich im Gebrauch als unnütz erweisen. Und selbst in den Nischenkategorien gibt es wiederum zig Versionen, Anbieter und Alternativen. Und ganz zum Schluss kommt die Frage, für welches Betriebssystem welche App besser ist oder auf welchem Gerät (Tablet, Smartphone, Notebook) sie besser funktioniert, denn die Unterschiede zwischen den großen Plattformen Android und iOs sind teilweise erheblich. Dazu kommt: Manche Programme gibt es nur für bestimmte Plattformen.

Wir haben uns auf dem Markt umgesehen und helfen, durch den regelrechten Dschungel in den Stores durchzublicken.

boote apps screen Apps für den Bordgebrauch

Wo Geld ausgeben Sinn macht.

Tablet mit Navigations-App an Bord eines Kleinkreuzers. Tablet mit Navigations-App

Fast von allen Apps, die für den Bordgebrauch sinnvoll sind, gibt es Bezahlversionen oder kostenlose Alternativen. Ob sich eine Gebühr lohnt hängt von mehreren Faktoren ab. So stellt sich zunächst die Frage: braucht man die App wirklich? Gibt es gar kostenlose Alternativen mit dem gleichen Nutzwert? Für eine Navi-App zum Beispiel lohnt sich ein Bezahl-Abo, wenn die Karten dadurch stets auf dem aktuellen Stand sind, die zu befahrenen Reviere abgedeckt (oder erhältlich) sind und die App über die notwendigen Funktionen verfügt, die man an Bord benötigt. Der Marktführer Navionics zum Beispiel bietet für seine „Boating Meer und Seen-App“ ein Bezahlmodell an, in dem man jährlich für die Reviere seiner Wahl eine Gebühr entrichtet und die Kartendaten somit stets auf dem neusten Stand hält. Man bezahlt also lediglich für das Revier, in dem man unterwegs sein möchte.

Auch hier gibt es mit Open Sea Map eine kostenlose Variante, die man sich aufs Handy laden kann. Aber bereits da wird es kompliziert, denn Open Sea Map ist auf Android und Apple auf teilweise unterschiedlichen Apps erhältlich. Ein einheitliches Nutzungsprogramm gibt es soweit nicht und die Anwendungen sind häufig nicht gerade intuitiv. Vor allem aber fehlt Open Sea Map eines, was für Bootssportler jedoch fast immer von erheblicher Wichtigkeit ist: Die Wassertiefen. Über Crowdsourcing wird zwar bereits seit längerem versucht, Wassertiefen von den Anwendern scannen zu lassen, jedoch sind bis heute keine flächendeckenden Informationen erhältlich.

Sind stets aktuelle Papierkartensätze an Bord, was sich immer empfiehlt, kann ein Blick auf den Beipackzettel der Kartensätze Geld sparen. Denn die beiden Seekarten-Verlage Delius-Klasing und NV (Nautische Veröffentlichungen) bieten den Käufern ihrer Kartensätze jeweils für den Geltungszeitraum der Papierkarten auch die kostenlose Nutzung der digitalen Ausgaben an. Während die App „Yacht-Navigator“ von Delius-Klasing lediglich die notwendigsten Funktionen beinhaltet, bietet die NV-Chart-App zum Beispiel die Möglichkeit, zwischen Raster- und Vektorkarten umschalten zu können, was ein Alleinstellungsmerkmal ist. Sogar AiS-Daten können in der App angezeigt werden.

Anders verhält es sich beispielweise bei Wetter Apps. Wurde bis vor einigen Jahren fast nur die App Windfinder (kostenlos) oder Windfinder Pro (inkl. höher aufgelöstem Super-Forecast, einmalige Kaufgebühr) genutzt, kam plötzlich mit der App „Windy“ ein neuer Player auf den Markt, dessen Funktionsumfang sehr groß und völlig kostenlos ist. Sinnbildlich für das oftmals undurchsichtige Überangebot ist, dass es gleich zwei verschiedene „Windy“-Apps von zwei unterschiedlichen Anbietern gibt – die eine kostenlos, die andere als Bezahlapp. Die hervorragende, kostenlose Variante erkennt man am Zusatz „tv“ und an dem roten Logo. (Hier erhältlich für Android oder für iOs)

Für Apps mit hoher Relevanz, wie Navigation oder Wetter, lohnt es sich durchaus, hochwertige Bezahlapps zu kaufen. Hingegen gibt es andere Anwendungen, wie zum Beispiel Knoten-Apps, die man auch als kostenlose Varianten erhält und bei denen Unsauberkeiten in Inhalt und Programmierung nicht sonderlich ins Gewicht fallen, sprich keine verheerenden Folgen haben.

In anderen Fällen lohnt es sich, zunächst die kostenlose Variante herunterzuladen und in der Praxis zu sehen, ob man einen erweiterten, kostenpflichtigen Funktionsumfang überhaupt benötigt. Die Ankerwachen-App „Anchor Watch“  (Android) zum Beispiel verfügt in der Free-Version bereits über die für die meisten Nutzer ausreichenden Funktionen und blendet Werbeanzeigen ein. Bezahlt man die Vollversion, kann man einen erweiterten Umfang nutzen, wie zum Beispiel SMS-Alarm, und wird nicht mehr von Werbeeinblendungen gestört. Solche Light-Versionen lassen sich fast immer vollständig und zeitlich uneingeschränkt nutzen. Reichen die Funktionen dann nicht, kann man sich entweder in einem neuen Download oder per In-App-Kauf die Vollversion runterladen, bzw. zusätzliche Inhalte freischalten.

Nicht immer ist auf der ersten Blick erkennbar, ob eine App auch wirklich frei nutzbar ist. Manche Anbieter schreiben davon, dass die Anwendung „völlig kostenlos“ nutzbar sein. Das trifft häufig auch nur auf die App zu, nicht aber die Inhalte. Andere Apps sind wiederum nur für einen kurzen Testzeitraum kostenlos und müssen danach kostenpflichtig freigeschaltet werden. Ob man später bezahlen muss oder nicht, sieht man in den Produktbeschreibungen. „In-App-Käufe erforderlich“ bedeutet, dass man irgendwann an einem Punkt ankommt, an dem man bezahlen muss, „In-App-Käufe möglich“ bedeutet, dass man erweiterte Inhalte kaufen kann. Nur noch selten wird angeboten, die App kostenlos zu nutzen, wenn man mit Werbeeinblendungen einverstanden ist.

Manche Apps bieten bereits in der kostenlosen Version Inhalte, die bei anderen Anbietern Geld kosten. Die Sportboot-See und -Binnen Ausbildungsapp „SBF Videokurs“ zum Beispiel bietet in der kostenlosen Variante bereits einen gut gemachten Fragentrainer, der eine große Hilfe zur Prüfungsvorbereitung ist.

iOs? Android? Beides!

Navi Apps im Appstore Navi Apps im Appstore

Es kann immer mal wieder vorkommen, dass ein Wechsel des Betriebsystemes vorgenommen werden soll oder gar muss. Auch wenn man derzeit einen Wechsel von Apple auf Google oder andersherum gar nicht in Betracht zieht. Gründe können zum Beispiel der neue Handyvertrag sein, ein neues Firmenhandy, dem man seine privaten Geräte gern anpassen möchte oder einfach, weil einem ein neues Smartphone sehr gut gefällt. Hat man vorher beim Kauf von Apps nicht darauf geachtet, plattformunabhängige Angebote zu nutzen, kann solch ein Umstieg sehr teuer und zeitaufwändig werden. Hatte man vor einigen Jahren noch mehrere Kartengebiete von Navionics für sein iPhone gekauft und stieg auf ein Android-Handy um, musste man die App und ihre Inhalte für das neue Betriebssystem erneut kaufen.

Die Navi App iSailor von Transas unterstützt Android Handys beispielsweise gar nicht mehr. Steigt man also irgendwann in Zukunft von Apple-Geräten auf Android um, kann man die App nicht mehr nutzen, verliert alle Tracks, gespeicherten Routen und muss sich an die Bedienung einer neuen App gewöhnen. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man sich von einem Betriebssystem abhängig macht.

Moderne Apps, die Abonnements anbieten, setzen daher heute auf usergebundene und unabhängige Accounts. Dort wird in der App ein Kundenkonto angelegt, aus welchem heraus die gekauften Inhalte per Login auf jedem anderen Gerät genutzt werden können. Apps, die auch erlauben, gleichzeitig über einen User auf mehreren Geräten laufen zu können, haben weitere Vorteile. Mit Navionics lassen sich zum Beispiel die Routen für den nächsten Sommertörn auf dem Samsung-Android-Handy anlegen, speichern und später an Bord z. B. auf einem Apple iPad weiter nutzen. Das geht auch sogar mit einem PC.

Man sollte immer daran denken, dass man manche Apps, wie zum Beispiel Navigationsanwendungen, eine sehr lange Zeit nutzen wird. In dieser Zeit konfiguriert man sich die App ständig nach seinen Wünschen zusammen, bindet das System vielleicht sogar in sein bestehendes Bordsystem ein und tätigt weitere In-App Käufe. Daher sollte man sich darüber bereits vor dem Kauf Gedanken machen, um später von Kosten und Aufwand überrascht zu werden. Außerdem hat ein Wechsel auf eine andere App auch oft den Nachteil, dass man auf liebgewonnene Features, die gewohnte grafische Aufmachung und die bekannten Menüpunkte verzichten muss. Dann kann es stressig werden, wenn man in der neuen App auf See nicht auf Anhieb die Funktion findet, die man gerade braucht.

Rezensionen und Support

Eine gute Hilfe, für welche App man sich entscheidet, geben die App-Stores oftmals selbst. Denn dort sind viele Informationen enthalten, anhand derer man sich ein Bild machen kann, wie z.B. die Bewertungen anderer Nutzer. Man sollte jedoch nicht einfach nur die durchschnittlich vergebenen Punkte oder Sternchen beachten, sondern sich auch die Texte dazu durchlesen. Oftmals kritisieren User zum Beispiel eine fehlerhafte Funktion, die man selbst gar nicht benötigen wird oder berichten darüber, wie die App auf einem bestimmten Gerät läuft oder unter welcher OS-Version es zu Problemen kommen kann. Darüber hinaus zeigt auch die Zahl der Nutzer, die in den Stores meistens aufgeführt ist, ob eine App vertrauenswürdig ist.

Ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt ist der Support. Bereits in der Produktbeschreibung sind oft die Links zum Hersteller gelistet. Ein Blick auf die Website lohnt sich immer, um zum Beispiel nachzusehen, wie der Support erreichbar ist oder ob es überhaupt einen direkten Kontakt gibt. Oftmals erkannt man es auch schon daran, dass kritische Rezensionen vom Hersteller beantwortet werden. Solche Hersteller kümmern sich dann hinterher in der Regel auch um ihre Nutzer.

 

Ohne Netz nichts los

Tablet an Bord eines Jollenkreuzers mit Navigations-App und Solarpanel zur Stromversorgung. Tablet mit Navigations-App und Solarpanel zur Stromversorgung an Bord eines Jollenkreuzers .

Auch in küstennahen Gewässern ist nicht immer garantiert, dass man eine Netzabdeckung hat. Daher sollte man bei Apps, die man unterwegs nutzen möchte, darauf achten, dass sie über eine Offline-Funktion verfügen. Natürlich sind zum Beispiel Wetter-Apps ohne Verbindung niemals nutzbar, schließlich brauchen sie frische Daten. Es gibt aber auch Apps, wie Ankerwachen oder Navigationsapps, die man sehr wohl nutzen muss und will, wenn kein Mobilfunk zur Verfügung steht oder durch Roaming sehr teuer wird. Hier sollte man sicherstellen, dass die App auch ohne vorherigen Login, der oftmals eine Verbindung zum Server des Anbieters benötigt, ohne Probleme startet. Manche bieten auch an, die Inhalte für die Offline-Nutzung vorher herunter zu laden.

Tipp: Holt man sich morgens das Wetter aufs Handy, kann ein Screenshot der Anzeige helfen, die Daten später auf See in seiner Bildergalerie noch einmal ansehen zu können, wenn man offline ist.

Da nahezu alle Apps, die man an Bord benutzen möchte, auf den Standort zurückgreifen, muss das Endgerät natürlich einen GPS Empfänger eingebaut haben. Die preiswerteren iPads (WLAN-Modelle) zum Beispiel können nur eine Standortbestimmung vornehmen, wenn eine Internetverbindung greifbar ist. Verlässt man den Hafen und das Wlan-Netz, tappen sie im Dunklen. Nur die iPad-Modelle mit Simkartenslot haben auch ein Onboard GPS. Sie brauchen jedoch für die Navigation keine Sim-Card – der Grund ist, das Apple Kombimodule verbaut, auf denen im Sim-Bauteil auch der GPS Empfänger sitzt.

Was braucht man?

vessel finder Free App: Vesselfinder

Die Frage, welche Apps man überhaupt benötigt, hängt natürlich stark von den individuellen Ansprüchen ab. Unterschiedliche Fahrtengebiete, Törns und Boote stellen andere Ansprüche an den Skipper, der sich mit den entsprechenden Anwendungen Unterstützung aufs Handy holt. Auch die Ausstattung des Bootes gibt oftmals vor, welche Apps man sich aufs Handy lädt. Hat man ein Navisystem an Bord, welches eine App Einbindung ermöglicht, ist die Entscheidung natürlich schon längst gefallen.

Achten sollte man auch darauf, sich sein Smartphone oder Tablet nicht mit Anwendungen zu überladen. Viele dieser Apps arbeiten oft im Hintergrund weiter und tracken zum Beispiel den Fahrtweg ständig mit oder nutzen dauerhaft Blueetooth. In diesem Falle ist der Akku dann bereits nach einer kurzen Nutzungszeit am Ende.

Hier ein paar Tipps für sinnvolle Apps, die für iOs und Android erhältlich sind:

 

Navigation

Wetter

Weitere nützliche und kostenlose Apps

 

Weitere Tipps für Apps, Bücher und Filme in der ADAC Bordbibliothek

 

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