Der Rhein-Marne-Kanal gehört zu den abwechslungsreichsten Binnenrevieren Frankreichs. Der "Canal de la Marne au Rhin" verbindet den Rhein bei Straßburg mit dem französischen Binnenwasserstraßennetz. Auf seiner historischen Strecke von Vitry-le-François bis Straßburg durchquert er das Elsass, die Vogesen und Lothringen. Für die Sportschifffahrt wird der westliche Abschnitt heute teilweise über die kanalisierte Mosel geführt.
Die Wasserstraße führt durch ruhige Flusslandschaften, dichte Wälder, kleine Dörfer und historische Städte. Gleichzeitig zählt sie zu den technisch interessantesten Kanälen Europas: Zahlreiche Schleusen, Tunnel und das spektakuläre Schiffshebewerk von Saint-Louis/Arzviller machen jede Reise zu einem besonderen Erlebnis.
Der Kanal wurde zwischen 1838 und 1853 gebaut, um eine schiffbare Verbindung zwischen dem Rhein und dem französischen Binnenwasserstraßennetz zu schaffen. Heute spielt die Berufsschifffahrt nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird der Rhein-Marne-Kanal vor allem von Hausbooten, Motorbooten und vereinzelt auch von kleineren Segelbooten mit gelegtem Mast genutzt.
Eine besondere Bedeutung hat der Kanal als Teil der französischen Nord-Süd-Wasserstraße. Gemeinsam mit dem Canal des Vosges, der Saône und der Rhône bildet er eine durchgehende Binnenverbindung vom Rhein bis ans Mittelmeer. Viele Langfahrt-Skipper nutzen diese Route, um ihre Yacht ohne lange Seepassage durch Ärmelkanal, Biskaya und entlang der Iberischen Halbinsel ins Mittelmeer zu überführen. Damit gehört der Rhein-Marne-Kanal zu den wichtigsten Transitwasserstraßen für Freizeitskipper in Europa.
Natur, Kultur und entspannte Fahrt
Das Revier eignet sich hervorragend für entspannte Törns. Die Höchstgeschwindigkeit liegt meist bei 6 bis 8 km/h, sodass genügend Zeit bleibt, die Landschaft und die zahlreichen Orte entlang der Strecke zu entdecken. Besonders reizvoll sind die Fachwerkstädte im Elsass, die waldreichen Vogesen sowie die historische Bischofsstadt Toul mit ihren mächtigen Festungsanlagen.
Strömung und Wellengang spielen praktisch keine Rolle. Stattdessen bestimmen gemütliche Fahrtage, zahlreiche Schleusen und reizvolle Liegeplätze den Rhythmus der Reise. Wer den Rhein-Marne-Kanal befährt, erlebt Frankreich aus einer Perspektive, die Straßenreisenden meist verborgen bleibt.
Landschaftlich reizvolle Tour
Der Charakter des Reviers verändert sich entlang der Strecke mehrfach. Im Westen prägen offene Landschaften, kleine Ortschaften und lange ruhige Kanalabschnitte die Fahrt. Rund um Toul und Nancy erreicht die Wasserstraße ein stärker besiedeltes Gebiet, bevor sie weiter östlich wieder durch ländliche Regionen führt.
Besonders reizvoll ist der Abschnitt durch die Vogesen. Hier verläuft der Kanal teilweise durch enge, bewaldete Täler und passiert Orte wie Lutzelbourg und Saverne. Weiter östlich öffnet sich die Landschaft zur elsässischen Ebene, bevor der Kanal Straßburg und den Rhein erreicht.
Die geringe Strömung erleichtert die Fahrt. Der Tagesrhythmus wird vor allem von den Schleusen, den jeweiligen Betriebszeiten und den möglichen Liegeplätzen bestimmt. Auf den Kanalabschnitten gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h. In besonders engen Bereichen, an beweglichen Brücken und in Tunneln können niedrigere Geschwindigkeiten vorgeschrieben sein.
Highlight unterwegs: Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller
Das bekannteste Bauwerk des Rhein-Marne-Kanals ist das Schiffshebewerk von Saint-Louis/Arzviller. Der 1969 eröffnete Schrägaufzug ersetzte eine frühere Schleusentreppe mit 17 Schleusen, deren Passage nahezu einen ganzen Tag dauern konnte.
Das Hebewerk überwindet einen Höhenunterschied von 44,55 Metern. Die Schiffe fahren in einen mit Wasser gefüllten Trog, der quer zur Fahrtrichtung auf einer geneigten Ebene bewegt wird. Die eigentliche Fahrt des Trogs dauert nur etwa vier Minuten; für die gesamte Passage einschließlich Ein- und Ausfahrt muss mehr Zeit eingeplant werden.
Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist die große Schleuse von Réchicourt-le-Château. Sie ersetzt sechs frühere Schleusen und überwindet je nach Wasserstand einen Höhenunterschied von mehr als 15 Metern. Damit gilt sie als höchste Schleuse Frankreichs im Freycinet-Format.
Vier Tunnel entlang der Strecke
Der Rhein-Marne-Kanal führt insgesamt durch vier Kanaltunnel. Im Westen liegen die Tunnel von Mauvages und Foug, weiter östlich folgen die Tunnel von Niderviller und Arzviller in den Vogesen. Besonders die beiden östlichen Tunnel zählen zu den landschaftlichen und technischen Höhepunkten des Reviers. Für alle Tunnel gelten besondere Verkehrsregeln und teilweise Einbahnverkehr mit Signalanlagen. Vor der Einfahrt sollten Skipper deshalb die aktuelle Beschilderung sowie die Hinweise von Voies navigables de France (VNF) beachten.
- Tunnel de Mauvages – westlich von Toul (ca. 4.877 m), einer der längsten schiffbaren Kanaltunnel Frankreichs.
- Tunnel de Foug – bei Toul (ca. 866 m).
- Tunnel de Niderviller – östlich von Sarrebourg (ca. 475 m).
- Tunnel d'Arzviller – unmittelbar neben dem Schiffshebewerk (ca. 2.306 m)
Infrastruktur und Liegeplätze
Entlang des Kanals gibt es kommunale Haltestellen, kleinere Häfen und mehrere Charterbasen. Besonders im touristisch stärker erschlossenen östlichen Abschnitt ist die Infrastruktur auf Hausboot- und Freizeitschifffahrt eingestellt. Liegeplätze finden sich unter anderem in oder bei größeren Orten wie Toul, Nancy, Saverne und Straßburg.
Die Ausstattung der einzelnen Halteplätze unterscheidet sich allerdings deutlich. Nicht überall stehen Strom, Wasser, Sanitäranlagen oder eine Möglichkeit zur Kraftstoffversorgung zur Verfügung. Auch Einkaufsmöglichkeiten können besonders auf ländlichen Abschnitten mehrere Kilometer auseinanderliegen. Eine vorausschauende Planung der Vorräte und Tagesetappen ist deshalb empfehlenswert.
Der Kanal in der Kurzübersicht
- Rund 313 Kilometer lang
- Verbindung zwischen Straßburg und Toul
- Teil der Binnenwasserstraße vom Rhein zum Mittelmeer
- Über 150 Schleusen
- Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller als technisches Highlight
- Drei Kanaltunnel
- Kaum Strömung und ruhige Fahrbedingungen
- Ideal für Hausboote, Motorboote und Yachten mit gelegtem Mast
- Gute Infrastruktur mit zahlreichen Anlegern und Charterbasen
- Maximal zulässiger Tiefgang: 1,80 m
- Lichte Höhe: 3,50 m (teilweise 3,60 m angegeben, VNF rechnet heute überwiegend mit 3,60 m an den Bauwerken)
- Maximale Breite: 5,05 m
Für wen eignet sich das Revier?
Der Rhein-Marne-Kanal ist ideal für Genießer. Wer keine langen Tagesetappen plant und stattdessen historische Städte, Natur und französische Lebensart erleben möchte, findet hier eines der schönsten Binnenreviere Europas. Durch die geringe Verkehrsdichte und die ruhigen Wasserverhältnisse eignet sich das Revier auch hervorragend für Einsteiger oder Crews ohne große Kanalerfahrung. Gleichzeitig sorgen die zahlreichen Schleusen, Tunnel und das eindrucksvolle Schiffshebewerk dafür, dass auch erfahrene Skipper auf ihrer Reise immer wieder nautisch interessante und technisch außergewöhnliche Bauwerke erleben. Besonders für Langfahrt-Skipper ist der Kanal zudem ein wichtiger Abschnitt auf der klassischen Binnenroute vom Rhein bis ins Mittelmeer.