Zurück

Kapitän werden: Der Weg zum Kapitänspatent

Um Kapitän eines Seeschiffes zu werden, sind einige Hürden zu überwinden. Foto: © Stephan Boden

Wie wird man Kapitän? Alles zu Ausbildung, Studium, Kapitänspatent, Aufgaben und dem Weg vom nautischen Offizier zum Schiffsführer.

Für viele ist es ein Traumberuf: Als Kapitän ein Schiff zu führen. Tatsächlich gehört der Beruf zu den anspruchsvollsten Laufbahnen in der Schifffahrt. Bis zum endgültigen Befähigungszeugnis, im Sprachgebrauch “Kapitänspatent” genannt, sind mehrere Jahre Ausbildung, praktische Erfahrung und zahlreiche Qualifikationen erforderlich. Der Weg führt über Studium oder Berufsausbildung, lange Einsatzzeiten an Bord und international anerkannte Qualifikationen.

 

Was ist ein Kapitän?

Ein Kapitän ist der verantwortliche Schiffsführer eines Seeschiffes. Er trägt die Verantwortung für:

  • den sicheren Betrieb des Schiffes
  • die Besatzung
  • die Passagiere
  • die Ladung
  • die Einhaltung nationaler und internationaler Vorschriften

 

Gleichzeitig ist er Vorgesetzter der gesamten Besatzung und Ansprechpartner für Behörden, Lotsen und Hafenbetriebe.

 

Der Einstieg in den Beruf

Einer der häufigsten Wege führt über ein Nautikstudium. Daneben gibt es in Deutschland auch Fachschulausbildungen für Seeleute mit entsprechender Berufserfahrung. Entsprechende Studiengänge werden in Deutschland unter anderem an den Hochschulen in Bremen, Elsfleth, Emden/Leer, Flensburg und Wismar angeboten. Je nach Hochschule tragen sie Bezeichnungen wie Nautik, Seeverkehr oder Schiffsbetrieb.

Zum Studium gehören Fächer wie Navigation, Meteorologie, Seerecht, Schiffsbetrieb, Ladungssicherung, Sicherheitsmanagement und Personalführung. Ein wichtiger Teil der Ausbildung sind außerdem mehrmonatige Praxisphasen an Bord. Hier sammeln die angehenden Nautiker erste Erfahrungen im Bordalltag und lernen die Abläufe auf See kennen.

Neben dem Studium gibt es auch Ausbildungswege in der Seeschifffahrt, die über Berufserfahrung und anschließende Weiterqualifizierungen ebenfalls zum Kapitänspatent beziehungsweise zu den erforderlichen Befähigungszeugnissen führen können.

Angehende Schiffskapitäne können mehrere Ausbildungswege beschreiten. Foto: © Stephan Boden

 

Welche Voraussetzungen müssen Bewerber erfüllen?

Für ein Nautikstudium benötigen Bewerber in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung. Welche Abschlüsse anerkannt werden, richtet sich nach den Zulassungsbedingungen der jeweiligen Hochschule.

Außerdem müssen angehende Nautiker ihre Seediensttauglichkeit ärztlich nachweisen. Englisch ist die internationale Arbeitssprache in der Seeschifffahrt und daher ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.

 

Vom Offizier zum Kapitän

Nach Abschluss der Ausbildung übernimmt niemand sofort das Kommando über ein Schiff. Die Laufbahn beginnt als nautischer Offizier. Mit zunehmender Berufserfahrung, den vorgeschriebenen Seefahrtzeiten und weiteren Qualifikationen folgen die nächsten Karriereschritte bis zum Ersten Offizier, der ein Stellvertreter des Kapitäns ist, ähnlich einem Co-Piloten in der Luftfahrt.

Erst wenn alle fachlichen Voraussetzungen erfüllt sind und die erforderliche praktische Zeit auf See nachgewiesen wurde, kann das entsprechende Befähigungszeugnis für den Einsatz als Kapitän erworben werden.

 

Was ist das Kapitänspatent?

Der Begriff „Kapitänspatent“ ist bis heute weit verbreitet und wird auch von vielen Seeleuten noch verwendet. Offiziell spricht man heute jedoch von Befähigungszeugnissen, die nach den Vorgaben des internationalen STCW-Übereinkommens (Standards of Training, Certification and Watchkeeping) ausgestellt werden.

Diese Befähigungszeugnisse legen fest, für welche Funktionen, Schiffstypen und Fahrtgebiete ein Nautiker eingesetzt werden darf. Mit zunehmender Berufserfahrung und erworbenen Qualifikationen können höhere Befähigungszeugnisse absolviert werden. Die höchsten Befähigungszeugnisse erfüllen die gesetzlichen Voraussetzungen, um als Kapitän auf Seeschiffen ohne Beschränkung hinsichtlich Fahrtgebiet oder Schiffsgröße eingesetzt werden zu können.

Für das Führen eines Seeschiffs ist ein entprechendes Befähigungszeugnis erforderlich. Foto: © Stephan Boden

 

Welche Aufgaben hat ein Kapitän?

Der Kapitän ist mehr als “nur” der Schiffsführer. Er plant Routen, trägt die Verantwortung für die Sicherheit an Bord, koordiniert die Zusammenarbeit mit Hafenbehörden und Lotsen und sorgt dafür, dass nationale und internationale Vorschriften eingehalten werden.

Zu seinen Aufgaben gehören außerdem:

  • sichere Navigation des Schiffes
  • Führung der Besatzung
  • Verantwortung für Passagiere und Ladung
  • Organisation des Bordbetriebs
  • Entscheidungen in Not- und Gefahrensituationen
  • Kommunikation mit Behörden und anderen Schiffen

 

Gerade auf modernen Handelsschiffen nimmt auch der organisatorische und administrative Teil der Arbeit einen immer größeren Stellenwert ein. Kapitäne sind somit auch eine Art Manager zur See.

 

Wie lange dauert der Weg zum Kapitän?

Das Studium dauert in der Regel sieben bis acht Semester. Anschließend folgen mehrere Jahre Berufspraxis als nautischer Offizier sowie weitere vorgeschriebene Seefahrtzeiten und Qualifizierungen.

Bis zur Übernahme des ersten Kommandos vergehen deshalb meist acht bis zehn Jahre.

Um das Kommando eines Schiffes zu übernehmen, müssen mehrere Jahre Berufspraxis gesammelt werden. Foto: © Stephan Boden

Kapitän, Schiffsführer oder Skipper: Wo liegt der Unterschied?

So unterscheiden sich Kapitän, Schiffsführer und Skipper:

Der Kapitän ist der verantwortliche Schiffsführer eines Seeschiffes und verfügt über die dafür erforderlichen staatlichen Befähigungszeugnisse.

Häufig gestellte Fragen

Das Einkommen hängt von der Reederei, dem Schiffstyp, dem Fahrtgebiet und der Berufserfahrung ab. Entsprechend groß sind die Unterschiede. Eine pauschale Aussage zur Höhe des Gehalts ist deshalb nicht möglich.

Das könnte Sie auch interessieren