Dass eine Panne selten allein kommt, hat unser Community-Mitglied Ekkes bei einem Törn in Kroatien erlebt: Wolkenbruch, Flaute und Flicken - irgendwo zwischen Korčula und Mljet.
Ein Törn entlang der Küste von Dalmatien gehört für viele Skipper zu den schönsten Erlebnissen im Mittelmeer. Doch manchmal kann auch die Adria unberechenbar sein. Was als entspannte Passage von Korčula nach Mljet geplant war, entwickelte sich für unser Community-Mitglied Ekkes und seine Crew auf ihrer Bavaria 46 zu einem lehrreichen Tag voller unerwarteter Ereignisse. Ein Erfahrungsbericht aus der ADAC Skipper Community.
Wolkenbruch auf Korčula
Kroatien, Frühherbst. Die Saison neigt sich dem Ende, und wir wollen mit der gecharterten 46-Fuß Bavaria aus der ACI Marina Korčula nach Mljet, in die Okuklje-Bucht.Alles ist zum Auslaufen bereit. Eingepackt in Ölzeug und Rettungswesten steht die Crew auf Position – verteilt an Leinen und Ruder, wartend auf das letzte Kommando. Ölzeug, weil der Wetterbericht Starkregen mit Fünferwind, später Bft. NE 3–4, angekündigt hat. Und Warten, weil wir die einsetzende Bö lieber vorbeiziehen lassen wollen, um in der engen Mooring-Gasse des Hafens keine unnötigen Probleme heraufzubeschwören.
Und so kommt es denn auch – mit Macht. Mehrmals müssen wir den Wassersack aus dem durchhängenden Bimini herausdrücken. Die Sicht reicht kaum bis zum gegenüberliegenden Steg. Der Regen prasselt so heftig, dass selbst das Ölzeug an seine Grenzen kommt. Der Spuk dauert vielleicht 15 Minuten – doch wenn man in Warteposition steht, kann das verdammt lang sein.
Von der Flaute zum perfekten Segeln
Um 10:45 Uhr ist der Wolkenbruch mit einem Schlag vorbei. Die Böen verschwinden, eine fast gespenstische Flaute legt sich über die Marina. Rasch die Leinen los – hinaus auf das spiegelglatte Wasser.
Weit voraus kräuselt sich die Oberfläche, kaum wahrnehmbar. Kurz darauf setzen wir Groß und Genua voll. Zunächst bewegt sich die Yacht nur zögernd, dann nimmt sie gut Fahrt auf. Segeln – endlich!
Gewitter und schlechte Sicht: Segeln im Sturm
Der Wind frischt stetig auf. „Wenn du das erste Mal ans Reffen denkst – dann reffe!“, kommt mir der alte Spruch in den Sinn. Der Himmel zieht sich bedrohlich zu, und mit dem herannahenden Gewitter setzt starker Regen ein.
Es ist 14:30 Uhr, wir befinden uns auf Position 42° 52,8' N, 017° 20,1' E. Von Halbwind an den Wind zu gehen und das Groß auf Reff 2 zu verkleinern, gelingt zügig. Regen und Wind legen noch einmal zu. Die Sicht sinkt auf zwei Schiffslängen. Während ein Crewmitglied die Genua fiert, versucht der Co-Skipper, sie einzuholen. Die Maschine hilft mir am Ruder, den Bug in der aufgepeitschten See im richtigen Winkel zum Wind zu halten.
Unbändige Genua: Segelschaden im Unwetter
Dann rauscht die Vorschot dem Crewmitglied von der Winsch und aus der Hand – und ist nicht mehr zu bändigen. Gleichzeitig höre ich aus meinem Handfunkgerät, das in der Brusttasche meiner Segeljacke steckt, eine Frauenstimme: panisch, fremd, nicht zu verstehen. Wir können nur hoffen, dass die Sicht bald besser wird, um Ausschau zu halten.
Doch unser unmittelbares Problem ist die Genua: das wild schlagende Achterliek, die verdrillten Schoten. Zentimeter um Zentimeter gelingt es dem Co, das 64-Quadratmeter-Segel zu bändigen. Das Schlagen hat jedoch Spuren hinterlassen – an zwei Stellen ist das Achterliek eingerissen und flattert weiter im Wind.
Anlegen in der Okulkje-Bucht: Missgeschick beim Mooring
Wie mit einem Schalter ausgeknipst, ist der Wind plötzlich weg. Die See beruhigt sich allmählich, und in kaum einer halben Stunde ist der ganze Spuk vorbei. Den Rest des Weges bis zur Zielbucht laufen wir unter Maschine. Noch im Hafen will ich mit Panzerband – Segelreparatur-Tape ist nicht in meinem Notwerkzeug – das Segel notdürftig flicken.
Doch es kommt wieder etwas dazwischen. Das rückwärtige Anlegen am Mooringplatz vor dem Restaurant in der Okuklje läuft zunächst sauber ab. Die Achterleinen sind über, die Pilotleine wandert zum Vorschiff, die Mooring wird durchgeholt.
Doch was reitet den „Mariniero“? Er zieht die Pilotleine unter dem Rumpf auf die andere Seite des Rumpfes, hinter dem Kiel quer rüber – mit dem Ergebnis, dass sie zwischen Rumpf und Oberkante des Ruders eingeklemmt wird. Und weg ist der "Helfer".
Reparaturen auf Mljet
Prima. Die Sonne steht schon flach, und es wird Zeit, in Aktion zu treten. Die Reihenfolge ist klar: Das Ruder geht vor – wegen der Manövrierfähigkeit und der gefährdeten Schraube. Das Segel muss zunächst warten.
Also schnell die Schwimmbrille geholt, ab ins Wasser – das Ruder befreien. Geht zum Glück schnell. Dann die Genua ausrollen, das Fall lösen, den Vorliek-Keder aus dem Rollprofil ziehen, die Rissstellen reinigen, Tape zuschneiden, festdrücken – und wieder rauf mit dem Lappen, Fall durchsetzen. Was in Sekunden erzählt ist, dauert real eine gute Dreiviertelstunde.
Manche Lektionen lernt man erst dann, wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant. Deshalb stellen wir in unserer Rubrik Flauten, Pech & Pannen regelmäßig ausgewählte Geschichten aus unserer Skipper Community vor - zur Inspiration, als Unterhaltung und vor allem, um wertvolle Lernmomente mit euch zu teilen. Du hast selbst auch ein Missgeschick erlebt, das du uns nicht vorenthalten möchtest? Dann schreibe uns an sportschifffahrt@adac.de und mit etwas Glück veröffentlichen wir auch dein Erlebnis.
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