Nicht immer läuft beim Bootfahren alles so, wie geplant. Doch auch Pannen an Bord können wertvolle Lektionen fürs Leben sein. Die folgenden Beiträge aus unserer Community verdeutlichen, wie lehrreich auch die Missgeschicke im Bordalltag sein können.
Manche Lektionen lernt man beim Bootfahren erst dann, wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant. Deshalb haben wir euch in unserem Online-Panel, dem ADAC Skipper Club nach euren Missgeschicken, Pannen und lehrreichen Momenten an Bord gefragt. Die Resonanz war überwältigend: Von humorvollen Anekdoten bis zu Situationen, aus denen man nur dank klarem Kopf und guter Seemannschaft herauskommt, habt ihr uns eine Fülle an Geschichten geschickt.
Nachfolgend stellen wir euch sieben besonders lehrreiche Erlebnisberichte aus unserer Community vor. Sie zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich aus Routine echte Herausforderungen entwickeln können – und warum Erfahrung, Ruhe und eine Portion Humor an Bord oft Gold wert sind.
Die Dieselpest hat zugeschlagen
Ich hatte circa eine Woche vor meinem Missgeschick darüber nachgedacht, ob ich den Dieselfilter während der Winterzeit erneuern soll. Dann kam das Ende der Saison und ich musste mein Boot zum Hafen verbringen, um dort per Kran ins Winterlager zu können. Bei der Anfahrt auf die Hafeneinfahrt hatte ich ganz spaßige Windverhältnisse. Circa 25 Knoten und in Böen sogar 30.
200 Meter vor der Hafeneinfahrt versagte der Diesel. Zwar trieb ich mit meiner 33-Fuß-Segelyacht direkt auf die Hafeneinfahrt zu, jedoch lief ich Gefahr, dass ich in seichte Gewässer abtreibe und dann festsitze. Glücklicherweise trieb ich auf eine Dalbe zu und konnte mein Schiff so sichern, dass man mich vom Hafen aus einschleppen konnte. Was war die Ursache? Dieselpest! Ich ärgere mich heute noch, denn das Ganze hat viel Zeit, Nerven und auch Geld gekostet. Hätte alles nicht sein müssen. Oh Mann.
DGzRS sei Dank
Wir waren mit unserem Sportkutter “Seehund“ in den Wattengebieten unterwegs. Als wir trocken fielen, haben wir noch unseren Anker ausgebracht (getragen), um bei auflaufendem Wasser nicht weiter aufs Trockene versetzt zu werden. Mit dem Aufholen unseres Ankers gab es mit der manuellen Ankerwinsch ein paar Probleme, sodass wir die Ankerkette über Hand an Bord holen mussten.
Bei diesem Manöver geriet ich mit dem Mittelfinger zwischen Kettennuss und Ankerkette. Das war nicht nur schmerzlich, sondern ich habe mich für so viel Dusseligkeit von mir auch geschämt. Die restliche Crew (Frauen und Kinder) bekam diesen Anker aber alleine nicht geborgen. Zufällig patroullierte ein Rettungskreuzer im Prilfahrwasser, den ich dann um Assistenshilfe bat. Die Crew des Rettungskreuzers hat geholfen. In einem folgenden Brief der DGzRS bat sie dann um eine Spende in Höhe von 50 DM, die ich gerne entrichtet habe.
Wieder im Hafen angelangt begab ich mich mit meinem verletzten Finger in ärztliche Behandlung. Das erste Glied vom Mittelfinger war gebrochen, was mich eine lange Zeit erheblich beeinträchtigte. In einem späteren Gespräch mit der Crew des Rettungskreuzers sagte man mir, hätte ich erwähnt, dass ich mich dermaßen und auf diese Weise verletzt habe, wäre die Hilfestellung evtl. sogar kostenfrei verlaufen.
Die Geschichte vom Stahlverdränger "Diesel"
Hallo, ich bin "Diesel", ein alter Stahlverdränger den mein Besitzer Stefan vor dem Verschrotten gerettet hat. Sein Plan war, mit mir die Donau runter bis zum Schwarzen Meer zu fahren. Das war schon das erste Problem! Aufgrund der aktuellen Lage in der Ukraine hat sich mein Kapitän kurzfristig entschieden, mit mir Richtung Mittelmeer aufzubrechen. Nach monatelanger Sanierung an mir war schon die Wasserung das erste Malheur.
Ein übersehenes, undichtes Ventil ließ mich fast auf den Grund des Main sinken. Quasi in letzter Sekunde wurde ich an Land gezogen. Ok, nach Trocknen, Ölwechsel, Abdichten des Ventils und erneutem Slippen stand der Bootstaufe nichts mehr im Wege. Nachdem Sibylle, Stefans Frau, nach mehreren Versuchen nicht die Sektflasche an mir zerschellen konnte, hat sie mir den Inhalt so drüber geschüttet. Das war wohl schon ein schlechtes Omen?
An diesem Wochenende, Ende März, drehten wir etliche Runden auf dem Main in Höhe Höchst mit Freunden und Verwandten. Den offiziellen Starttermin hat Stefan noch um einen Tag nach hinten verschoben. Es wäre der erste April gewesen. Sollte mit mir irgendetwas sein, hätte uns das wahrscheinlich niemand geglaubt, meinte Stefan. Ein toller Start, bei herrlichem Wetter, mit dem Marsch „Anker gelichtet“ legten wir ab.
Die Ausfahrt war ein Bilderbuchmanöver. Der Kapitän und seine zwei Begleiter, Smutje Tom und Bootsmaat Jürgen, waren bester Laune bis wir an der Schleuse Eddersheim ankamen um mit einem lauten Knall abrupt zum stehen kamen. Motorschaden! Wie es weitergeht und ich knapp 3000 Flusskilometer mit knapp 300 Schleusen geschafft habe erzähle ich euch das nächste Mal. Eure M.S. Diesel
Unschöner Zwischenfall in der Schleusenkammer
Die Enge einer Schleusenkammer sorgt immer für eine gewisse Anspannung. Man ist auf engstem Raum mit anderen Booten, das Wasser gurgelt und steigt oder fällt, und jeder ist darauf bedacht, seine Position zu halten und die Wände nicht zu berühren. An diesem Tag war es nicht anders, bis sich plötzlich ein kleineres, schnittiges Sportboot dazu entschloss, die Wartezeit für ein riskantes Überholmanöver zu nutzen. Es schob sich knapp an meiner Seite vorbei, was auf so begrenztem Raum schon an sich ein grober Verstoß gegen jede Seemannschaft ist.
Ich konzentrierte mich darauf, mein Boot stabil zu halten und den Kurs beizubehalten, während wir uns langsam der Ausfahrt näherten. Kurz bevor wir die Kammer verlassen konnten, passierte es: Das Sportboot zog zu knapp herüber. Ob es an der Strömung lag oder ein reiner Fahrfehler war – es gab einen hässlichen Ruck und das unverkennbare, kratzende Geräusch von GFK auf GFK. Wir hatten eine Berührung gehabt.
Noch bevor ich die Situation vollständig erfassen konnte, brach auf dem anderen Boot ein wahrer Sturm los. Der Fahrer sprang auf, gestikulierte wild und brüllte laut über das Wasser, was mir einfallen würde, einfach meinen Kurs zu halten. Ich war perplex – natürlich hatte ich meinen Kurs gehalten, alles andere wäre in dieser Situation fahrlässig und gefährlich gewesen. In diesem Moment knarrte der Lautsprecher der Schleuse zum Leben. Die klare, autoritäre Stimme des Schleusenwärters hallte von den nassen Betonwänden wider: “An das Sportboot! Ein Überholmanöver in der Kammer ist unmöglich und absolut verboten! Sie haben sich grob falsch verhalten!“
Man sollte meinen, eine solche offizielle Zurechtweisung würde zur Deeskalation führen. Doch das Gegenteil war der Fall. Der Mann schien nun völlig die Fassung zu verlieren. Er schüttelte die Faust nicht nur in meine Richtung, sondern auch wild gestikulierend hoch zur Kanzel des Schleusenwärters. Ein Schwall von üblen Beschimpfungen traf nun uns beide, den Schleusenwärter und mich. Er schien sich im absoluten Recht zu sehen und nicht den geringsten Funken Einsicht zu zeigen. Der Schleusenwärter fackelte nicht lange. Die nächste Durchsage kam prompt und unmissverständlich: “Die Situation ist aufgenommen. Die Wasserschutzpolizei wird über diesen Vorfall informiert.“
Das war das Stichwort. Als hätte man einen Schalter umgelegt, sprang der Mann zurück an sein Steuer, legte den Hebel buchstäblich auf den Tisch und gab Vollgas. Das kleine Boot schoss mit aufheulendem Motor aus der sich gerade öffnenden Schleuse und verschwand mit hoher Geschwindigkeit. Fassungslos blickte ich ihm nach und versuchte noch, ein Kennzeichen zu erkennen. Aber da war nichts. Kein offizielles Kennzeichen, nur ein provokant wirkender Name prangte in glänzenden Lettern am Heck. Diese Information reichte leider nicht aus. Wie sich später herausstellte, blieb die Suche nach dem Boot und seinem rücksichtslosen Fahrer erfolglos. Und so blieb ich zurück – mit dem Ärger, der Fassungslosigkeit über so viel Dreistigkeit und einem unschönen Schaden an meinem Boot, auf dem ich nun sitzen blieb.
Stolz auf Holz
Ich habe mein erstes Boot gekauft und vollkommen unterschätzt, wie lange der Einbau eines Motors dauert. Das Boot wurde im Dezember gekauft, im Juli sollte es damit in den ersten Bootsurlaub gehen. Die Reise war gebucht. Da das Boot beim Kauf komplet leer war, wollte ich im neuen Jahr anfangen mit der Ausstattung und der Motorisierung. Ich habe im Februar einen Händler für Außenborder kontaktiert und mich beraten lassen. Er wollte das Boot aber vorher sehen. Der Termin fand dann im März statt, weil ich vorher keine Zeit hatte. Nachdem klar war, welcher Außenborder passt, musste dieser bestellt werden.
Aus 6 Wochen Lieferzeit wurden dann 8. Irgendwann war alles eingebaut, ich konnte Ende Mai zur Probefahrt aufbrechen. Da ich allerdings eine Schaluppe mit Motorschacht habe, ging der Motor auf stehenden Gewässern darin immer wieder aus. Wir waren zunächst ratlos. Es folgten viele Versuche, Erhöhen der Leerlaufdrehzahl etc. was alles nicht zu einer Verbesserung führte. Erst ein Tipp einer komplett bootsunerfahrenen Freundin “der klingt wie mein altes Moped, als es abgesoffen ist“, führte zur Lösung. Der Motor erstickte im Schacht an den eigenen Abgasen.
Mit einem Holzkeil im Deckel blieb er dann an. Das hatten wir dann kurz vor Abfahrt in den Urlaub gelernt. Freitags mussten wir dann noch zur Einlaufinspektion, um 18 Uhr wurde das Boot abgeholt, Samstag ging es um 5 Uhr morgens mit dem Gespann los auf die 700 km lange Strecke. Das war übrigens erst das dritte Mal in meinem Leben, dass ich einen Anhänger fahren musste. Wir sind ohne Pause durchgefahren im strömenden Regen. Vor Ort waren wir schnell eine kleine Berühmtheit: Die Schaluppe mit dem Holzkeil. Denn für eine saubere Lösung, wie Hilfsauspuff oder ein zusätzliches Gebläse, war keine Zeit. Also tuckerte ein “gepfähltes“ Boot über die Seenplatte. Aus den Lautsprechern klang dann “unser“ Lied: Ich und mein Holz von den 257ers.
Grenzerfahrung im "Schluchter"
Vorletztes Jahr haben wir am Ende unserer Sommersaison die Entscheidung getroffen, in einem Rutsch von Norderney nach Lauwersoog zu fahren. Nach Begutachtung von Strömung, Wind und Tiede haben wir uns entschieden, nachts loszufahren. Dummerweise auch die Entscheidung nicht über das "dove tief", sondern über den "Schluchter" zu fahren, um ein paar Seemeilen zu sparen. Das Wetter war gut wir hatten ungefähr 1 m Welle und die Nacht war klar.
Wir haben die Betonung gut erkannt und waren mitten im Fahrwasser. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Das Echolot ging rapide nach unten von rechts überspülte uns eine Welle und es knallte zweimal heftig. Geistesgegenwärtig hab ich nach Backbord abgesteuert, was die richtige Entscheidung war, weil wir wieder ins Tief kamen, aber der Schreck saß in den Knochen.
Es waren nur drei Sekunden, aber es hätte böse ausgehen können. Den Rest der Fahrt haben wir dann ohne Probleme weiter fortgesetzt. Wir haben der Versicherung vorsichtshalber diese Situation gemeldet. Beim Kranen ist äußerlich nichts aufgefallen außer ein paar Kratzer am Kiel. Wir haben dann erfahren, dass circa zwei Wochen später ein polnisches Seegelboot aus Seenot gerettet werden musste und auch ansonsten hat der Schluchter keinen guten Ruf. Wir werden dort nie wieder durchfahren.
Am Anfang der nächsten Saison wurde beim Kranen doch festgestellt, dass der Kiel locker war. Wir haben eine Albin Ballad, also keine Kiel Bolzen, sondern einen einen Laminat-Kiel. Dieser hatte definitiv viele Risse. Unsere Versicherung war auch nach einem Jahr noch so kulant, diesen Schaden nachträglich unserer Grundberührung im Schluchter zuzuschreiben und hat die Reparatur übernommen.
In Gedanken versunken bei der Kanaldurchfahrt
Wir waren festgemacht am Wartekai am Kanal von Ozor in Kroatien. Unserer zweiter Bootsmann war an Land zum Anlegen der Leinen und ein Matrose an der Bordwand zum Sichern. Als wir das Signal zur Einfahrt erhielten, war unser “Leichtmatrose“ so sehr in Gedanken versunken, dass ihm die Leine durch die Hände glitt. Unser Charterboot (50 Fuß) suchte sich bei starker Strömung Richtung Mali Loŝijn den Weg durch die enge Schleuse und unser zweiter Bootsmann an Land konnte uns nur noch winken.
Nach der Durchfahrt und dem Festmachen an einer nahen Boje war dann genug Ruhe eingekehrt, um mit dem Dinghi unseren verärgerten Bootsman an einer ufernahen Bar mit Pivo und Gelato vom Festland zu befreien. Somit war ein versöhnliches Ende für die Kanaldurchfahrt gefunden.
Ein Trailer macht sich selbstständig
Hatte mir ein Boot samt Trailer gekauft und der Verkäufer hat es freundlicherweise an meinen Wagen angehängt. Als ich losfuhr merkte ich beim ersten Bremsen, dass die Hängerkupplung nicht arretiert war und der Trailer sich selbstständig macht. Er bog Gott sei Dank leicht nach rechts ab und kam in einem ungezäunten Vorgarten zum Stehen. Glück im Unglück, bis auf den abgerissen Leuchtenstecker gab es weder am Trailer noch am Boot und auch am Vorgarten keine Schäden. Von dort direkt zur nächsten Werkstatt und neuen Stecker gekauft und montiert. Lesson learned: Trailer immer selbst anhängen und nochmals vor Start kontrollieren!
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