Ungarn

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Obwohl Ungarn keinen Zugang zum Meer besitzt, bietet es mit seinen großen Seen, weitläufigen Flusslandschaften und einer gut entwickelten Wassersportinfrastruktur ausgezeichnete Bedingungen für Segler, Motorbootfahrer, Kanuten und Hausbooturlauber. Im Mittelpunkt steht dabei der Balaton (Plattensee), der als größter Binnensee Mitteleuropas seit Jahrzehnten eines der bedeutendsten Wassersportzentren der Region ist. Daneben gewinnen auch der Velencer See, der Neusiedler See im Grenzgebiet zu Österreich sowie die Donau als internationales Wasserstraßensystem zunehmend an Bedeutung.

Balaton (Plattensee)

Der Balaton ist das mit Abstand wichtigste Wassersportrevier Ungarns. Mit einer Fläche von rund 600 Quadratkilometern und einer Länge von etwa 77 Kilometern bietet er vielfältige Möglichkeiten für Segler und Motorbootfahrer. Charakteristisch sind die vergleichsweise geringen Wassertiefen. Im Durchschnitt ist der See nur etwa drei bis vier Meter tief, wodurch sich das Wasser im Sommer schnell erwärmt und bereits früh in der Saison angenehme Temperaturen erreicht.

Der Norduferbereich gilt unter Seglern als besonders attraktiv. Hier fällt das Gelände der Ausläufer des Bakony-Gebirges sanft zum Wasser ab und bietet landschaftlich reizvolle Kulissen. Gleichzeitig sorgen die höheren Uferbereiche und die Topografie für lokal unterschiedliche Windverhältnisse, die sportliches Segeln ermöglichen. Zentren des Wassersports sind insbesondere Balatonfüred, Tihany und Keszthely. Balatonfüred gilt als traditionsreichster Segelort Ungarns und ist Austragungsort zahlreicher Regatten.

Das Südufer zeichnet sich dagegen durch besonders flache Uferzonen, breite Strände und familienfreundliche Bedingungen aus. Orte wie Siófok, Balatonföldvár oder Fonyód verfügen über moderne Marinas, Gastliegeplätze und umfassende touristische Infrastruktur. Aufgrund der geringen Wassertiefe können sich bei Gewittern jedoch innerhalb kurzer Zeit hohe und steile Wellen aufbauen. Das auf dem Balaton etablierte Sturmwarnsystem mit Lichtsignalen an Land und auf dem Wasser besitzt daher große Bedeutung und sollte von allen Wassersportlern beachtet werden.

Tihany und die Balaton-Halbinsel

Ein landschaftlicher Höhepunkt des Reviers ist die Halbinsel Tihany. Sie ragt weit in den See hinein und teilt den Balaton an seiner schmalsten Stelle. Die markante Benediktinerabtei auf dem Hügel ist bereits von weitem sichtbar und zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen des Landes. Die Umgebung bietet zahlreiche geschützte Buchten und attraktive Ansteuerungsmöglichkeiten für Segler. Gleichzeitig entstehen durch die Verengung des Sees und die Geländestruktur häufig besondere Windbedingungen, die das Gebiet seglerisch interessant machen.

Keszthelyer Bucht

Am westlichen Ende des Balatons liegt die Keszthelyer Bucht. Sie gehört zu den ruhigeren Bereichen des Sees und eignet sich besonders für entspannte Törns. Die historische Stadt Keszthely mit ihrem Schloss und ihrer maritimen Infrastruktur ist ein beliebter Ausgangspunkt für Segelreisen. Die Nähe zum Naturschutzgebiet Kis-Balaton verleiht diesem Teil des Reviers einen besonderen landschaftlichen Reiz.

Velencer See

Nur etwa 50 Kilometer südwestlich von Budapest liegt der Velencer See. Mit seiner überschaubaren Größe und den meist moderaten Windverhältnissen eignet er sich besonders für Tagesausflüge, Segelausbildung sowie den Freizeit- und Familiensport. Mehrere Segelclubs und Wassersportzentren haben sich an seinen Ufern angesiedelt. Aufgrund seiner geringen Tiefe erwärmt sich das Wasser ähnlich schnell wie am Balaton.

Neusiedler See

Der Neusiedler See wird gemeinsam von Österreich und Ungarn genutzt und zählt zu den größten Steppenseen Europas. Der ungarische Teil des Sees liegt im Nordwesten des Landes. Das Revier ist besonders bei Seglern, Windsurfern und Kitesurfern beliebt. Charakteristisch sind die geringe Wassertiefe, ausgedehnte Schilfgürtel und häufige thermische Winde. Zahlreiche Häfen und Wassersportanlagen befinden sich im Bereich von Fertőrákos und weiteren Orten am ungarischen Ostufer.

Donau

Die Donau durchquert Ungarn auf einer Länge von rund 420 Kilometern und verbindet das Land mit zahlreichen europäischen Wassersportrevieren. Besonders reizvoll ist der Abschnitt des sogenannten Donauknies nördlich von Budapest. Hier windet sich der Fluss zwischen bewaldeten Hügeln und historischen Städten wie Esztergom, Visegrád und Szentendre. Die Region gilt als eine der schönsten Flusslandschaften Mitteleuropas.

Budapest selbst bietet mit seinen Brücken, historischen Uferanlagen und markanten Bauwerken eindrucksvolle Perspektiven vom Wasser aus. Die Donau wird allerdings intensiv von der Berufsschifffahrt genutzt. Sportbootfahrer müssen daher die Verkehrsvorschriften und Begegnungsregeln sorgfältig beachten.

Theiß (Tisza)

Die Theiß im Osten des Landes entwickelt sich zunehmend zu einem interessanten Revier für Natur- und Hausbooturlauber. Besonders der künstlich geschaffene Theiß-See (Tisza-tó) mit seinen verzweigten Wasserarmen, Inseln und Feuchtgebieten bietet ruhige Fahrgebiete fernab des touristischen Trubels. Das Gebiet zählt zu den bedeutendsten Vogel- und Naturschutzregionen Ungarns und eignet sich hervorragend für entspannte Bootstouren sowie für die Kombination aus Wassersport und Naturbeobachtung.

Reviercharakter

Ungarn ist vor allem ein Binnenrevier für Segler, Motorbootfahrer und Hausbooturlauber, die geschützte Gewässer, kurze Distanzen und eine gute Infrastruktur schätzen. Der Balaton bildet dabei das Zentrum des Wassersports und bietet die größte Auswahl an Häfen, Marinas, Charterangeboten und Wassersportschulen. Ergänzt wird das Angebot durch die Donau als internationales Flussrevier sowie mehrere Seen mit unterschiedlichen landschaftlichen und nautischen Eigenschaften. Die vergleichsweise kurzen Anreisewege aus Deutschland, Österreich und der Schweiz machen Ungarn zu einem attraktiven Ziel für Wassersporturlauber, die ein vielseitiges Binnenrevier mit ausgeprägter Segeltradition suchen.

Marinas in diesem Revier

Wissenswertes

Einreise

Ungarn ist Mitglied der Europäischen Union und Teil des Schengen-Raums.

Für die Einreise benötigen deutsche Staatsangehörige:

  • einem gültigen Reisepass oder
  • Personalausweis
  • Kinder benötigen ein eigenes gültiges Ausweisdokument

Trotz des Schengen-Abkommens können insbesondere an den Grenzen zu Österreich, der Slowakei oder Slowenien zeitweise Personenkontrollen stattfinden. Reisende sollten daher jederzeit ein gültiges Ausweisdokument mitführen.

Für Staatsangehörige anderer Länder können abweichende Einreise- und Visabestimmungen gelten.

Dokumente an Bord

Für ausländische Sportboote sollten die Originaldokumente des Bootes jederzeit an Bord mitgeführt werden. Dazu gehören insbesondere:

  • Registrierungsnachweis des Bootes
  • Eigentumsnachweis oder Nutzungsberechtigung
  • Versicherungsnachweis
  • gegebenenfalls Funkzeugnisse
  • Personaldokumente der Crew

Als international anerkannter Registrierungsnachweis eignet sich beispielsweise der ADAC Internationale Bootsschein (IBS).

Führerscheine und Befähigungsnachweise

Für Sportboote gelten die Vorschriften des Flaggenstaates. Amtliche deutsche Sportbootführerscheine werden bei vorübergehendem Aufenthalt grundsätzlich anerkannt.

Auf der Donau gelten zusätzlich die Bestimmungen der Donauschifffahrtspolizeiverordnung sowie nationale Vorschriften für die Binnenschifffahrt. Skipper sollten den für ihr Boot und Fahrtgebiet erforderlichen Befähigungsnachweis mitführen.

UKW Funk

Wird eine UKW-Sprechfunkanlage betrieben, muss ein entsprechendes Funkbetriebszeugnis vorhanden sein. Die Funkanlage muss entsprechend den Vorschriften des Flaggenstaates registriert sein. Für deutsche Sportboote genügt die in Deutschland erteilte Frequenzzuteilung.

Sicherheitsausrüstung

Der Schiffsführer ist dafür verantwortlich, dass sich das Boot in einem sicheren und betriebsbereiten Zustand befindet und eine dem Fahrtgebiet sowie der Bootsgröße angemessene Sicherheitsausrüstung mitgeführt wird.

Eine sinnvolle, auf Bootsgröße und Fahrtgebiet abgestimmte Sicherheitsausrüstung dient der Sicherheit der gesamten Besatzung. Orientierung bietet die Übersicht „Empfohlene Mindest- und Sicherheitsausrüstung für Boote und Yachten“.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Balaton. Aufgrund der geringen Wassertiefe können sich bei Gewittern innerhalb kurzer Zeit gefährliche Wellen aufbauen. Das dort installierte Sturmwarnsystem mit optischen Warnsignalen ist unbedingt zu beachten.

Registrierung von Sportbooten

Für ausländische Sportboote wird die gültige Registrierung des Heimatlandes anerkannt. Die Registrierungsurkunde sollte im Original an Bord mitgeführt werden.

Als Registrierungsnachweis eignet sich beispielsweise der Internationale Bootsschein (IBS) des ADAC.

Umwelt- und Naturschutz

In zahlreichen Bereichen der ungarischen Seen und Flusslandschaften gelten besondere Natur- und Landschaftsschutzbestimmungen. Dies betrifft insbesondere die Schilfgürtel am Balaton und Neusiedler See, die Naturschutzgebiete am Kis-Balaton, den Theiß-See sowie zahlreiche Schutzgebiete entlang der Donau.

  • Das Befahren gesperrter Bereiche, das Anlanden in geschützten Schilfzonen sowie das Einleiten von Abfällen, Öl oder Fäkalien in Gewässer sind verboten.
  • In Naturschutzgebieten können zusätzliche Befahrens- und Ankerverbote gelten.

 

Zollbestimmungen

Für Sportboote, die aus einem EU-Mitgliedstaat nach Ungarn verbracht werden, bestehen grundsätzlich keine Zollformalitäten.

Bei der Einreise mit einem Boot aus einem Nicht-EU-Staat oder beim Überschreiten der EU-Außengrenzen sind die jeweils geltenden Zoll- und Einfuhrbestimmungen zu beachten. Die erforderlichen Boots- und Eigentumsdokumente sollten mitgeführt werden.

Mehrwertsteuer für Boote innerhalb der EU

Auch wenn Kontrollen seltener geworden sind, kann innerhalb der EU jederzeit ein Nachweis über die ordnungsgemäß entrichtete Mehrwertsteuer für ein Boot verlangt werden. Als Beleg dienen beispielsweise:

  • Originalrechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer
  • Kaufvertrag mit Mehrwertsteuernachweis
  • Zoll- oder Einfuhrdokumente
  • sonstige Unterlagen zum Nachweis des Unionswarenstatus

 

Alkohol

Für Schiffsführer gilt die Verpflichtung, das Fahrzeug jederzeit sicher zu führen. Alkohol am Steuer oder Ruder kann zu erheblichen Sanktionen führen. Bereits geringe Alkoholmengen können bei Kontrollen oder nach einem Unfall rechtliche Konsequenzen haben.

Es wird daher empfohlen, als verantwortlicher Schiffsführer vollständig auf Alkohol zu verzichten.

Wassermotorräder (Jetskis)

Für Wassermotorräder gelten besondere Vorschriften. Die Nutzung ist nur in den dafür zugelassenen Bereichen gestattet. Auf vielen Binnengewässern bestehen Einschränkungen oder Verbote.

Vor der Nutzung sollten die örtlichen Bestimmungen geprüft werden.

Versicherung

Eine Haftpflichtversicherung wird dringend empfohlen. Bei Charterbooten ist sie regelmäßig vorgeschrieben. Viele Marinas und Hafenbetreiber verlangen zudem einen Versicherungsnachweis. Der ADAC bietet spezielle Bootsversicherungan an