Die Crew der Karolina Viking beim Übersteigen in die Rettungsinsel © CCA Bericht – Cinderella di Sanremo
29.10.2026
28 Rettungsaktionen untersucht: Eine neue Studie zeigt Risiken und gibt praktische Sicherheitsempfehlungen
Was passiert, wenn eine Segelyacht in Seenot gerät und keine professionellen Rettungskräfte rechtzeitig eintreffen können? Dann sind häufig andere Segler die einzige Möglichkeit, die Besatzung in Sicherheit zu bringen. Doch die Übernahme von Schiffbrüchigen auf eine andere Yacht ist anspruchsvoll und wird in der klassischen Sicherheitsausbildung bislang nur unzureichend behandelt.
Der amerikanische Hochseesegelverband Cruising Club of America (CCA) hat gemeinsam mit US Sailing und der Bermuda Race Foundation insgesamt 28 dokumentierte Rettungsaktionen zwischen Segelyachten untersucht. Ausgewertet wurden Unfallberichte, Erfahrungsberichte und Interviews mit beteiligten Seglern. Ziel war es, wiederkehrende Probleme zu erkennen und daraus Empfehlungen für die Praxis abzuleiten.
Der im Oktober 2026 veröffentlichte, 63 Seiten umfassende Bericht liefert einige bemerkenswerte Erkenntnisse:
- Bei 23 der 28 Rettungsaktionen (82 Prozent) drohte die betroffene Yacht zu sinken oder war bereits gesunken.
- In 21 Fällen waren strukturelle Schäden an Rumpf, Kiel oder Ruder die Ursache der Havarie.
- Bei 19 Rettungsaktionen erfolgte die Übernahme der Schiffbrüchigen über eine Rettungsinsel.
- Nur wenige der beteiligten Besatzungen hatten zuvor eine solche Rettung zwischen zwei Segelyachten praktisch trainiert.
Die Untersuchung ist keine repräsentative Statistik aller Seenotfälle. Sie konzentriert sich auf dokumentierte, erfolgreich abgeschlossene Rettungsaktionen zwischen privaten Yachten.
Die entscheidenen letzten Meter. Foto aus dem ©
CCA Bericht
Handlungsempfehlungen für Skipper
Aus den untersuchten Fällen leiten die Sicherheitsexperten des CCA folgende Empfehlungen ab:
- Frühzeitig Hilfe anfordern: Bei einer möglicherweise nicht mehr beherrschbaren Havarie rechtzeitig einen Notruf absetzen und andere Schiffe informieren.
- Kommunikation sicherstellen: Mehrere unabhängige Kommunikationsmittel bereithalten. Ein geladenes UKW-Handfunkgerät gehört beim Verlassen der Yacht in die Rettungsinsel.
- Rettung gemeinsam planen: Beide Skipper sollten sich vor der Übernahme über das Vorgehen verständigen und ihre Besatzungen einweisen.
- Rettungsinsel nutzen: Wenn möglich, sollten Schiffbrüchige über eine Rettungsinsel oder ein Beiboot übernommen werden. Das direkte Übersteigen zwischen zwei Yachten oder ein schwimmender Transfer ist besonders riskant.
- Alle Personen möglichst gleichzeitig übernehmen: Ein zweites Rettungsmanöver kann bei schlechter werdendem Wetter unmöglich werden.
- Leinen und Treibanker beachten: Lose Leinen können in den Propeller geraten. Wasserballastsäcke und Treibanker erschweren das Heranziehen einer Rettungsinsel erheblich.
- Bergung vorbereiten: Erschöpfte oder verletzte Personen können möglicherweise nicht selbstständig an Bord klettern. Fallen, Leinen und Winschen können bei der Übernahme helfen.
- Wetter und Tageslicht berücksichtigen: Wenn die Lage es zulässt, sollte die Übernahme bei möglichst günstigen Bedingungen erfolgen.
- Zusätzliche Personen einplanen: Nach der Rettung müssen ausreichend Vorräte und sichere Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sein. Auch die Kapazität der Rettungsmittel ist zu berücksichtigen.
- Rettungsmanöver trainieren: Nicht nur das Einsteigen in eine Rettungsinsel, sondern auch die Übernahme ihrer Insassen auf eine andere Yacht sollte Bestandteil der Sicherheitsausbildung sein.
Die Experten betonen, dass sich nicht jedes Rettungsmanöver nach demselben Schema durchführen lässt. Entscheidend sind die Wetterbedingungen, die beteiligten Yachten und die Fähigkeiten ihrer Besatzungen.
SegelReporter hat den CCA-Bericht analysiert und zeigt anhand konkreter Rettungsfälle, welche Schwierigkeiten in der Praxis auftreten und welche Erkenntnisse Skipper daraus gewinnen können.
Hinweis: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen dem ADAC und Segelreporter erschienen. Tipp: ADAC Mitglieder erhalten 10 % Rabatt auf die Segelreporter-Jahresmitgliedschaft mit dem Code ADAC10.
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