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Wenn niemand Hilfe rufen kann: Notfall-Tipps für Einhandsegler

Beim Einhandsegeln sind einige besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Foto: © Stephan Boden

Einhandsegeln ist für viele Skipper besonders reizvoll. Doch im Notfall fehlt jede Hilfe an Bord. Die wichtigsten Tipps, um gefährlichen Situationen vorzubeugen. 

Allein unterwegs zu sein, gehört für viele Segler zum Reiz des Sports. Keine Absprachen, keine Kompromisse, das eigene Tempo und nur die Verantwortung für sich selbst. Gleichzeitig bringt das Einhandsegeln eine Besonderheit mit sich, die bei einem Törn mit Crew kaum auffällt: Fällt der Skipper aus, ist niemand an Bord, der Hilfe holen kann.

 

Einhandsegeln: Wenn im Notfall niemand Alarm schlägt

Wie schnell daraus ein ernstes Problem werden kann, zeigte kürzlich ein Fall, über den Segelreporter berichtete. Vor der kroatischen Küste wurde ein deutscher Segler nach einer Suchaktion bewusstlos auf seiner Yacht gefunden. Die Rettungskräfte waren allerdings nicht durch einen Notruf alarmiert worden. Vielmehr war es die Ehefrau des Mannes, die sich Sorgen machte, nachdem sie über mehrere Tage nichts mehr von ihm gehört hatte. Erst ihre Meldung setzte die Suchkette in Gang.

Der Vorfall macht deutlich, dass es beim Einhandsegeln nicht nur um Rettungswesten, Sicherheitsleinen oder Notruftechnik geht. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie andere überhaupt erfahren, dass etwas passiert sein könnte.

 

Kontakt an Land sicherstellen: So bleiben Einhandsegler erreichbar

Ein einfacher erster Schritt besteht darin, vor dem Ablegen jemanden über die geplante Route zu informieren. Das muss kein detaillierter Törnplan sein. Oft reicht es schon, wenn eine Vertrauensperson weiß, wo das Schiff ungefähr unterwegs ist, welches Ziel angesteuert wird und wann die nächste Meldung erfolgen soll.

Viele Einhandsegler vereinbaren deshalb feste Kontaktzeiten. Ein kurzer Anruf, eine Nachricht oder ein Positionsbericht am Abend genügt oft schon. Bleibt diese Meldung aus, fällt das zumindest auf. Gerade auf längeren Passagen kann das entscheidend sein.

Hinzu kommen die Möglichkeiten moderner Kommunikation. Wer in Küstennähe segelt oder über eine Internetverbindung an Bord verfügt, kann seinen Standort heute unkompliziert teilen. Messenger-Dienste wie WhatsApp ermöglichen eine laufende Standortfreigabe. Auch regelmäßige Positionsmeldungen per Nachricht können helfen. Das ersetzt keinen Notruf, kann aber im Ernstfall wichtige Hinweise liefern, wo die Suche beginnen sollte.

Für Wassersportler entwickelt wurde außerdem die SafeTrx-App der DGzRS. Dabei werden vor dem Ablegen wichtige Daten zum Schiff, zur Besatzung und zur geplanten Route hinterlegt. Wird ein Törn nicht wie vorgesehen beendet, erhalten hinterlegte Kontaktpersonen eine Benachrichtigung. Das System kann zwar keinen Unfall verhindern, sorgt aber dafür, dass ein Ausbleiben nicht unbemerkt bleibt.

Auch AIS kann hilfreich sein. Zwar handelt es sich nicht um ein Notrufsystem, doch ein aktiv sendender Transponder ermöglicht es, die letzte bekannte Position eines Schiffes nachzuvollziehen. Für Rettungskräfte kann das wertvolle Zeit sparen. Und die Kontaktperson zu Hause kann über Portale wie Marinetraffic die Position jederzeit sehen.

 

Notfallvorsorge beim Einhandsegeln: Maßnahmen und Ausrüstung

Wer häufig allein unterwegs ist, denkt oft auch über persönliche Notsender nach. AIS-MOB-Geräte oder sogenannte Personal Locator Beacons werden an der Rettungsweste getragen und können im Notfall ein Positionssignal aussenden. Besonders bei Nachtfahrten oder längeren Offshore-Passagen bieten solche Geräte zusätzliche Sicherheit.

Mindestens ebenso wichtig bleibt allerdings die Vermeidung eines Notfalls. Viele schwere Unfälle beim Einhandsegeln beginnen mit einem Sturz über Bord. Wer allein unterwegs ist, sollte deshalb bei Dunkelheit, rauen Bedingungen oder außerhalb geschützter Gewässer konsequent mit Sicherheitsleine und Lifebelt arbeiten. Denn selbst bei moderaten Bedingungen kann ein unbemannt weiterlaufendes Schiff innerhalb kurzer Zeit außer Reichweite geraten.

Der Fall aus Kroatien hatte letztlich ein gutes Ende. Er zeigt aber auch, dass moderne Rettungstechnik nur dann helfen kann, wenn überhaupt jemand erkennt, dass Hilfe benötigt wird. Für Einhandsegler gehört deshalb nicht nur die Vorbereitung des Schiffes zum Törn, sondern auch die Überlegung, wer an Land aufmerksam wird, wenn die nächste Meldung ausbleibt.

 

 

Hinweis: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen dem ADAC und Segelreporter erschienen. Tipp: ADAC Mitglieder erhalten 10 % Rabatt auf die Segelreporter-Jahresmitgliedschaft mit dem Code ADAC10.

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