Alles Wichtige zu Signalkörpern auf Sportbooten. Foto: © Stephan Boden
Als Signalkörper auf Sportbooten kommen in der Regel Motorkegel und Ankerball zum Einsatz. Daneben gibt es auf dem Wasser aber auch andere Zeichen, die man kennen sollte. Alles Wissenswerte dazu verrät unser Ratgeber.
Signalkörper in der Sportschifffahrt sind visuelle Hilfsmittel, die dazu dienen, andere Verkehrsteilnehmer auf dem Wasser über die aktuelle Situation und die Manöver eines Bootes zu informieren. Sie gehören neben der Lichterführung und den Schallsignalen zu den wichtigen Signalarten auf See und tragen wesentlich zur Sicherheit auf dem Wasser bei.
Die Bedeutungen der Signalkörper sind international einheitlich und werden weltweit eingesetzt. Auf Sportbooten kommen in der Regel nur zwei Signalkörper zum Einsatz:
Es lohnt sich aber auch, die übrigen Zeichen - etwa aus der Berufsschifffahrt - zu kennen, wie etwa einen Ball-Rhombus-Ball an einem Arbeitsschiff oder zwei schwarze Bälle übereinander. Solche Signalkörper verraten wichtige Informationen für die eigene Naviagtion und den Kurs.
Die Internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR) schreiben die Signalkörper grundsätzlich für den Tag vor. Nachts übernehmen entsprechend vorgeschriebene Lichter ihre Funktion. Die Körper sind schwarz und müssen so angebracht werden, dass sie möglichst gut gesehen werden können.
Im Ratgeber verraten wir, worauf es bei den Signalkörpern von Sportbooten ankommt und welche Zeichen Skipper darüber hinaus kennen sollten.
Der Motorkegel
Der Motorkegel auf einem Segelboot ist ein wichtiger Signalkörper für andere Bootsfahrer. Er zeigt deutlich an, dass ein Segelboot zusätzlich zum Segel auch seinen Motor nutzt. Der Motorkegel sollte für andere Boote und Schiffe gut sichtbar angebracht werden. Hierzu eignet sich z.B. das Vorstag oder Spinnakerfall.
Ein Motorkegel kennzeichnet ein Segelfahrzeug unter Maschinenbetrieb. Foto: © ADAC e.V.
Warum der Motorkegel wichtig ist
- Unterscheidung zwischen Segel- und Motorbetrieb: Er macht klar, dass das Boot nicht ausschließlich von der Windkraft angetrieben wird und möglicherweise andere Manöver ausführt.
- Wegerecht: Segelboote haben in der Regel ein anderes Wegerecht als reine Motorboote. Der Kegel zeigt an, dass das Boot unter Motor fährt und somit ausweichpflichtig gegenüber anderen Segelbooten ist.
- Sicherheit: Durch den Kegel können andere Bootsfahrer das Manöver eines Segelbootes besser einschätzen und rechtzeitig reagieren, um Kollisionen zu vermeiden.
- Internationale Regelung: Die Verwendung des Motokegels ist international vorgeschrieben und trägt zur Sicherheit aller Wassersportler bei.
Wann der Motorkegel gesetzt werden muss
- Sobald der Motor eingeschaltet wird und zur Fortbewegung beiträgt, muss der Motokegel am Bug des Bootes angebracht werden.
- Beispiele für die Zuhilfenahme des Motors: spezielle Manöver, Gegenwind, Fahrt gegen Strömung, Flaute
Wann kein Motorkegel erforderlich ist
- Wenn der Motor nur im Leerlauf läuft, zum Beispiel zur Stromgewinnung.
- Fahrt ausschließlich unter Segeln, wenn der Motor ausgeschaltet ist.
Beschreibung: Wie der Motorkegel aussehen sollte
Der Kegel muss eine kegelförmige Form haben und seine Spitze muss nach unten zeigen. Die Farbe ist in der Regel schwarz. Im Handel sind meistens klappbare Lösungen erhältlich, die sich gut verstauen lassen.
Motorkegel auf einer Yacht. Foto: © Stephan Boden
Der Ankerball
Ein Ankerball ist ein runder, schwarzer Signalkörper, der auf einem Boot angebracht wird, um anzuzeigen, dass es vor Anker liegt. Er ist ein international anerkanntes Zeichen und dient der Sicherheit auf dem Wasser.
Ein Fahrzeug vor Anker muss tagsüber einen schwarzen Ball führen. Foto: © ADAC e.V.
Wozu der Ankerball dient
- Sichtbarkeit: Der Ankerball ist von Weitem sichtbar und warnt andere Boote vor einem Ankerlieger.
- Vermeidung von Kollisionen: Durch den Ankerball können andere Schiffe das ankernde Boot rechtzeitig erkennen und entsprechend ihre Fahrt anpassen.
- Internationale Verständigung: Das Signal des Ankerballs ist weltweit einheitlich und wird von allen Seeleuten verstanden.
In welchen Fällen der Ankerball gesetzt wird
- Beim Ankern: Sobald das Ankergeschirr ausgelegt ist und das Boot sicher liegt, wird der Ankerball gehisst. In der Nacht wird zusätzlich zum Ankerball ein Ankerlicht (360°-Rundum-Laterne, weiß) gesetzt.
Wann kein Ankerball erforderlich ist
- Bei Booten unter sieben Metern Länge, wenn sie außerhalb enger Fahrwasser, Fahrrinnen, Reeden und anderer üblicher Verkehrsbereiche ankern.
Wo der Ankerball angebracht wird
Der Ankerball wird an einer gut sichtbaren Stelle am Boot angebracht, meist am höchsten Punkt, um eine optimale Sichtbarkeit zu gewährleisten. Auf Segelbooten eignen sich zum Beispiel die Flaggenleinen oder ein Vorsegel-Fall.
Warum der Ankerball wichtig ist
- Sicherheit: Der Ankerball trägt wesentlich zur Sicherheit auf dem Wasser bei, indem er Kollisionen mit ankernden Booten verhindert.
- Internationale Vorschriften: Die Verwendung des Ankerballs ist in den internationalen Schifffahrtsregeln festgelegt.
Beschreibung: Wie der Ankerball aussehen sollte
Handelsübliche Ankerbälle sind meistens faltbar und verfügen über Löcher, um den Ball mit Bändseln zu befestigen. Die Farbe ist schwarz.
Ankerball im Sonnenuntergang. Foto: © Stephan Boden
Zwei schwarze Bälle: Manövrierunfähiges Fahrzeug
Sieht man zwei schwarze Bälle senkrecht übereinander, handelt es sich um ein manövrierunfähiges Fahrzeug.
Damit ist nicht einfach ein Schiff gemeint, das gerade schlecht manövriert. Nach den KVR geht es um ein Fahrzeug, das aufgrund außergewöhnlicher Umstände nicht so manövrieren kann, wie es die Regeln verlangen, und deshalb einem anderen Fahrzeug nicht ausweichen kann.
Für Segler ist dieses Zeichen besonders wichtig: Ein Segelfahrzeug muss einem manövrierunfähigen Fahrzeug ausweichen.
Zwei schwarze Bälle übereinander: Ein manövrierunfähiges Fahrzeug. Foto: © ADAC e.V.
Ball-Rhombus–Ball: Manövrierbehindertes Fahrzeug
Drei schwarze Signalkörper senkrecht übereinander (Ball, Rhombus, Ball) kennzeichnen ein manövrierbehindertes Fahrzeug.
Das kann beispielsweise ein Schiff sein, das Baggerarbeiten oder Unterwasserarbeiten ausführt oder aufgrund seiner Tätigkeit nur eingeschränkt vom Kurs abweichen kann. Auch bestimmte Schleppvorgänge fallen darunter.
Der entscheidende Unterschied zum manövrierunfähigen Fahrzeug: Das Schiff kann grundsätzlich noch manövrieren, seine Möglichkeiten sind aber durch die Art seiner Arbeit eingeschränkt.
Auch hier gilt für Segler: Einem solchen Fahrzeug muss ausgewichen werden.
Bei Bagger- oder Unterwasserarbeiten können zusätzlich weitere Signalkörper hinzukommen. Zwei Bälle markieren dann die Seite, auf der eine Behinderung besteht. Zwei Rhomben zeigen dagegen die Seite an, auf der passiert werden kann.
Die Kombination Ball-Rhombus–Ball kennzeichnet ein manövrierbehindertes Fahrzeug. Foto: © ADAC e.V.
Drei schwarze Bälle: Fahrzeug auf Grund
Drei schwarze Bälle senkrecht übereinander bedeuten: Das Fahrzeug sitzt auf Grund.
Es führt zusätzlich die Zeichen eines Ankerliegers. Für Fahrzeuge unter zwölf Metern gibt es allerdings eine Ausnahme: Sie müssen die drei schwarzen Bälle nicht zwingend führen.
Wer also drei schwarze Bälle an einem größeren Schiff erkennt, weiß sofort, dass es sich nicht lediglich um einen Ankerlieger handelt.
Stundenglas: Ein Fahrzeug beim Fischen
Zwei schwarze Kegel mit ihren Spitzen zueinander bilden das sogenannte Stundenglas. Es kennzeichnet ein Fahrzeug, das tatsächlich mit Fischfang beschäftigt ist.
Dabei unterscheidet die KVR unter anderem zwischen Trawlern und anderen fischenden Fahrzeugen; beide verwenden am Tage grundsätzlich das Stundenglas. Bei bestimmten Fanggeräten können zusätzliche Zeichen erforderlich sein.
Wichtig ist die Formulierung „fischendes Fahrzeug“: Ein Fischereischiff, das lediglich von einem Hafen zum nächsten fährt, darf dieses Zeichen nicht führen.
Für Segler hat das eine unmittelbare Bedeutung. Ein Segelfahrzeug muss einem fischenden Fahrzeug in Fahrt ausweichen.
Ein sogenanntes "Stundenglas" kennzeichnet ein fischendes Fahrzeug. Foto: © ADAC e.V.
Schwarzer Rhombus: Sehr langer Schleppzug
Ein einzelner schwarzer Rhombus kann auf einen außergewöhnlich langen Schleppverband hinweisen.
Ist ein Schleppzug vom Heck des schleppenden Fahrzeugs bis zum Ende des Anhangs länger als 200 Meter, muss ein rhombusförmiger Signalkörper dort gezeigt werden, wo er am besten gesehen werden kann.
Das sollte man insbesondere in stärker befahrenen Revieren nicht unterschätzen: Zwischen Schlepper und geschlepptem Objekt können mehrere hundert Meter liegen.
Ein Schleppzug, der länger als 200 Meter ist, muss einen rhombusförmigen Signalkörper zeigen. Foto: © ADAC e.V.
Schwarzer Zylinder: Tiefgangbehindertes Fahrzeug
Ein schwarzer Zylinder kennzeichnet ein tiefgangbehindertes Fahrzeug.
Damit ist ein Maschinenfahrzeug gemeint, das wegen seines Tiefgangs im Verhältnis zur vorhandenen Wassertiefe und Breite des Fahrwassers erheblich darin eingeschränkt ist, seinen Kurs zu verändern.
Anders als bei vielen anderen Signalkörpern lautet die Vorschrift hier allerdings ausdrücklich: Das Fahrzeug darf den Zylinder führen. Alternativ bzw. zusätzlich kann es drei rote Rundumlichter zeigen.
Für andere Fahrzeuge bedeutet das Signal: Die sichere Durchfahrt dieses Schiffes sollte nicht behindert werden.
Ein tiefgangbehindertes Fahrzeug wird durch einen schwarzen Zylinder gekennzeichnet. Foto: © ADAC e.V.
Drei schwarze Bälle beim Minenräumen: Abstand halten
Ungewöhnlich, aber eindeutig ist das Tageszeichen eines Fahrzeugs beim Minenräumen: drei schwarze Bälle, allerdings nicht senkrecht übereinander. Einer befindet sich nahe dem Vormasttopp, je einer an den beiden Enden der vorderen Rah.
Die Bedeutung sollte man sich merken: Abstand halten. Die KVR erklären ausdrücklich, dass es gefährlich ist, sich einem solchen Fahrzeug auf weniger als 1.000 Meter zu nähern.
Damit unterscheidet sich die Anordnung deutlich von den drei senkrecht übereinander stehenden Bällen eines auf Grund sitzenden Fahrzeugs.
Drei schwarze Bälle kennzeichnen ein Fahrzeug beim Minenräumen. Foto: © ADAC e.V.
Signalkörper: Die wichtigsten Informationen in der Zusammenfassung
Für die eigene Yacht lässt sich das Thema zunächst auf eine einfache Faustregel reduzieren:
- Ball = Anker
- Kegel mit Spitze nach unten = Segel plus Maschine
Auf dem Wasser sollte der Blick allerdings darüber hinausgehen. Zwei Bälle, Ball-Rhombus-Ball oder ein Stundenglas verraten wichtige Dinge über die Manövrierfähigkeit eines anderen Fahrzeugs und können damit unmittelbar beeinflussen, wer wem Raum lassen muss.
Die schwarzen Figuren wirken vielleicht ein wenig antiquiert. Ihr Prinzip ist aber ausgesprochen praktisch: Ein Blick genügt, und schon lässt sich ein Schiff einordnen, ohne Funkkontakt, AIS oder Plotter. Gerade deshalb gehören Signalkörper auch heute noch zum grundlegenden Handwerkszeug der Seemannschaft.
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