Begegnungen mit Kriegsschiffen sind auf Europas Gewässern inzwischen kein Ausnahmefall mehr. Wie sich Sportbootfahrer im Falle einer Begegnung verhalten sollten.
In den vergangenen Jahren hat die militärische Präsenz in den europäischen Gewässern deutlich zugenommen. Großangelegte NATO-Manöver in Nord- und Ostsee, verstärkte Patrouillen zur Sicherung kritischer Infrastruktur sowie wiederkehrende Durchfahrten russischer Kriegsschiffe, etwa durch den Ärmelkanal oder entlang der europäischen Küsten, prägen zunehmend das Bild auf See. Auch im Mittelmeer sind im Zuge internationaler Einsätze und geopolitischer Spannungen regelmäßig Marineeinheiten verschiedener Staaten unterwegs.
Für Freizeitskipper hat das zur Folge, dass die Begegnung mit Kriegsschiffen inzwischen ein realistisches Szenario ist. In den meisten Fällen bleibt eine direkte Begegnung zwar ereignislos. Dennoch stellt sich die Frage: Wie würde man sich im Fall der Fälle richtig verhalten?
Warnschüsse auf Yacht im Ärmelkanal
Anlass für diese Überlegung ist ein Vorfall, über den Segelreporter kürzlich berichtet hatte (Paywall). Im Ärmelkanal gab die russische Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ Warnschüsse in der Nähe der britischen Segelyacht „Bright Future“ ab. Verletzt wurde niemand. Was genau geschehen ist, darüber gehen die Darstellungen allerdings auseinander.
Das britische Rentnerehepaar an Bord der Yacht berichtet, zunächst fünf kurze Signaltöne gehört und daraufhin den Kurs leicht geändert zu haben. Wenig später seien weitere Signaltöne und anschließend mehrere Schüsse gefallen, die nach ihrer Einschätzung als Warnschüsse in die Luft abgegeben wurden. Die russische Seite erklärt dagegen, die Yacht habe sich trotz Funkrufen, Signalraketen und Schallsignalen weiter genähert und erst nach den Warnschüssen abgedreht.
Welche Version zutrifft, wird sich möglicherweise nie vollständig klären lassen. Der Fall zeigt aber, dass sich Sportbootfahrer auch in europäischen Gewässern auf Begegnungen mit militärischen Einheiten einstellen sollten.
Das richtige Verhalten bei der Begegnung mit Kriegsschiffen
Für Skipper bedeutet das vor allem eines: Aufmerksam bleiben und Missverständnisse vermeiden. Kriegsschiffe unterliegen zwar ebenfalls den Internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR), reagieren aber naturgemäß sensibel auf unklare Annäherungen. Die Besatzungen müssen mögliche Gefährdungen einschätzen und im Zweifel schnell handeln. Was für die Crew einer Segelyacht wie eine normale Passage aussieht, kann auf der Brücke eines Kriegsschiffes anders bewertet werden.
Die gute Nachricht: Mit etwas Umsicht lassen sich kritische Situationen in aller Regel vermeiden.
8 wichtige Regeln für die Begegnung mit Kriegsschiffen
- Ausreichend Abstand halten: Militärische Einheiten möglichst nicht dicht passieren. Im Zweifel lieber einen größeren Bogen fahren.
- UKW-Funk mithören: Den örtlichen Arbeits- oder Verkehrskanal abhören und auf direkte Ansprachen reagieren.
- Auf Schallsignale achten: Fünf kurze Töne bedeuten, dass das andere Fahrzeug die Absichten des Gegenübers nicht versteht oder anzweifelt. Dann die Situation sofort überprüfen.
- Manöver eindeutig durchführen: Kurs- oder Geschwindigkeitsänderungen klar und frühzeitig ausführen, damit sie für andere Verkehrsteilnehmer erkennbar sind.
- Nicht allein auf AIS verlassen: Kriegsschiffe senden ihre Position nicht immer über AIS. Ein aufmerksamer Ausguck bleibt unverzichtbar.
- Im Zweifel nachfragen: Besteht Unsicherheit über die Absichten eines Kriegsschiffes oder die sichere Passage, kann eine höfliche Nachfrage per UKW Klarheit schaffen.
- Hinweise offizieller Stellen beachten: Verkehrszentralen, Küstenwachen oder Marineeinheiten geben mitunter Empfehlungen oder Anweisungen, die beachtet werden sollten.
- Ruhe bewahren: Hektische Manöver vermeiden und die Situation sachlich einschätzen.
Begegnungen mit Kriegsschiffen gehören für Freizeitskipper noch immer nicht zum Alltag. Sie sind aber auch kein Ausnahmefall mehr. Vorbereitung und Umsicht ersparen böse Überraschungen bei Kontakt.
Hinweis: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen dem ADAC und Segelreporter erschienen. Tipp: ADAC Mitglieder erhalten 10 % Rabatt auf die Segelreporter-Jahresmitgliedschaft mit dem Code ADAC10.