Die Quagga-Muschel breitet sich aus: Was Skipper tun können
Unscheinbar, aber zunehmend ein Problem: Die Quagga-Muschel. Foto: © Wikimedia Commons/R. Hodnett (CC-BY-SA 4.0) Die Quagga-Muschel breitet sich rasant in den heimischen Gewässern aus und bringt dabei ganze Ökosysteme durcheinander. Was die Quagga-Muschel so gefährlich macht und welche Maßnahmen Skipper ergreifen sollten. Ursprünglich war die Quagga-Muschel im Schwarzmeerraum beheimatet. Als invasive Art ist sie jedoch seit mehreren Jahren auch hierzulande immer häufiger in Flüssen und Seen zu finden, was zu enormen wirtschaftlichen und ökologischen Schäden führt. Warum die Quagga-Muschel ein solches Problem ist, welche Maßnahmen Regionen ergreifen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und was Skipper konkret gegen die Muschel unternehmen können, verrät dieser Ratgeber. Was ist die Quagga-Muschel? Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) ist eine kleine Süßwassermuschel, die zu den Dreikantmuscheln gehört. Sie wird etwa drei bis vier Zentimeter groß und hat eine dreieckige, asymmetrische Form. Ihre Schale ist meist dunkel-hell gestreift. Der Name leitet sich vom ausgestorbenen Quagga-Zebra ab, dessen Fell ein ähnliches Streifenmuster hatte. Die Muscheln setzen sich mit ihren sogenannten Byssusfäden an fast allen festen Oberflächen fest. Dazu gehören Steine ebenso, wie etwa Bootsrümpfe oder Bojen. Im Gegensatz zu verwandten Muschelarten können Quagga-Muscheln bereits ab einer Wassertemperatur von rund 4 ° C Eier legen und fast ganzjährig Nachwuchs produzieren, was zu einer enormen Verbreitung der Muschel führt. Die Quagga-Muschel gilt als sogenannte invasive Art – also eine gebietsfremde Art, die in neue Lebensräume eingeschleppt wurde. Ursprünglich war sie im Schwarzmeerraum, wie zum Beispiel an den Mündungsgebieten des Dnepr und im Aralsee heimisch. Inzwischen ist sie auch in großen Teilen Europas und Nordamerikas verbreitet. Medium URL: https://imxplatform-cust-adac.fsn1.your-objectstorage.com/media/culver_064_byssalthreads_qmussel_medium.jpg Die Muscheln können sich an fast allen festen Oberflächen festsetzen. Foto: © Wikimedia Commons/A. Gogaladze (CC-BY-SA 4.0) Warum ist die Quagga-Muschel ein Problem? Durch ihre massive Ausbreitung stellt die Quagga-Muschel insbesondere in Gewässern, in denen sie zuvor nicht heimisch war, ein großes Problem für das Ökosystem dar: So fressen die Muscheln große Mengen an Plankton, also Kleinstlebewesen, die im Wasser schweben. Dieses Plankton fehlt dann wiederum Fischen und anderen Kleintieren wie einheimischen Muschelarten. Die Folge ist ein Rückgang von Fischbeständen und - im Extremfall - der Zusammenbruch ganzer Nahrungsnetze. Darüber hinaus hat die Ausbreitung der Quagga-Muschel auch ökonomische Folgen: Da sich die Muschel selbst in einer Tiefe von 250 Metern festsetzt, kann sie auch Rohre und Filteranlagen, wie sie etwa für die Trinkwasserversorgung oder Kühlwassersysteme zum Einsatz kommen, schnell verstopfen. Eine Reinigung ist jedoch aufwändig und verursacht oftmals Kosten in Millionenhöhe. Daneben können aber auch Bojen, Bootsrümpfe, Stege oder Fischernetze durch Quagga-Muscheln beschädigt werden. Für Schwimmer besteht durch die scharfkantigen Muschelschalen Verletzungsgefahr. Wo kommt die Quagga-Muschel bereits vor? Die Quagga-Muschel hat sich von ihrer ursprünglichen Heimat im Schwarzmeerraum inzwischen auf viele Gewässer in Europa und Nordamerika ausgebreitet. In Deutschland wurde die Muschel erstmals 2004 nachgewiesen. Inzwischen ist sie in Fließgewässern, wie dem Rhein oder dem Main ebenso zu finden, wie in Wasserstraßen (z.B. Mittellandkanal oder Main-Donau-Kanal) oder in zahlreichen Seen – von der Müritz bis hin zum Chiemsee. Als besonders stark von der Quagga-Muschel betroffen gilt der Bodensee , wo sie 2016 das erste Mal nachgewiesen wurde. Auch außerhalb von Deutschland hat sich die Quagga-Muscheln inzwischen in zahlreichen Gewässern etabliert. Nachweise gibt es unter anderem aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und verschiedenen osteuropäischen Ländern. Wie stark sich die Quagga-Muschel ausbreiten kann, zeigt ein Blick nach Nordamerika, wo die Muschel seit den 1990er-Jahren anzutreffen ist. So macht die Muschel zum Beispiel am Michigansee inzwischen fast 90 Prozent der dort vorhandenen Biomasse aus. Wie wird die Quagga-Muschel verbreitet? Die ersten Quagga-Muscheln sind vermutlich an Bord von Frachtschiffen über die internationalen Schifffahrtswege vom Schwarzmeerraum nach Europa und Nordamerika gelangt. Inzwischen trägt aber auch der Wassersport unabsichtlich zur Verbreitung der Muscheln bei: Larven und Muscheln können in Bilgen, Kühlsystemen oder Ballasttanks problemlos überleben. Darüber hinaus haften sie an Bootsrümpfen, Trailern, Ankern, Leinen oder Wassersportausrüstung wie SUPs oder Taucheranzügen. Werden Boote anschließend in einem anderen Gewässer zu Wasser gelassen, oder wird befallene Ausrüstung auch andernorts genutzt, kann sich die invasive Art dort etablieren. Besonders kritisch sind deshalb Gewässerwechsel mit getrailerten Booten sowie Charter- und Wanderfahrten, bei denen Boote regelmäßig zwischen verschiedenen Revieren bewegt werden. Wie können Skipper eine Ausbreitung der Quagga-Muschel aufhalten? Ist ein Gewässer erst einmal von der Quagga-Muschel befallen, lässt sich eine weitere Ausbreitung kaum noch verhindern. Skipper können jedoch bereits durch einfache Maßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten, um die Verschleppung der Muschel und anderer invasiver Arten in bislang nicht betroffene Gewässer zu verhindern. Immer, wenn Skipper oder Wassersportler ein Gewässer verlassen oder in ein anderes Gewässer wechseln, sollten sie die folgenden Maßnahmen beachten: Entleeren Zunächst sollten Skipper sicherstellen, dass sämtliches Restwasser auf dem Boot (z.B. Ballastwasser, Motorkühlwasser oder Bilgenwasser) vollständig abgelassen oder ausgepumpt wird, da sich darin mikroskopisch kleine Larven befinden können. Reinigen Boot, Bootstrailer sowie sämtliche Ausrüstungsgegenstände und Wassersportgeräte sollten gründlich und mit heißem Wasser gereinigt werden. Für den Bootsrumpf sollte dabei ein Hochdruckreiniger zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass das Reinigungswasser nicht in andere Gewässer gelangt. Die Reinigung sollte daher idealerweise in der Nähe des Ursprungs-Gewässers durchgeführt werden. Jetzt weiterlesen: Worauf es bei der Bootsreinigung ankommt Trocknen Nach der Reinigung müssen Boot und Ausrüstung vollständig an der Luft trocknen. Je nach Region und Jahreszeit ist eine Trocknungszeit von mindestens 5 bis 21 Tagen erforderlich. Reinigungspflicht und andere Maßnahmen Die Ausbreitung der Quagga-Muschel beschäftigt auch die betroffenen Regionen zunehmend. Immer mehr Gebiete setzen inzwischen auf eine Kombination aus Prävention, Aufklärung und wissenschaftlicher Forschung. Oftmals gibt es Informationskampagnen, Flyer und Hinweisschilder, mit denen für eine gründliche Reinigung vor der Einwasserung von Booten geworben wird. Daneben wird die Quagga-Muschel wissenschaftlich untersucht: So beobachtet etwa das Bayerische Landesamt für Umwelt ihre Ausbreitung und arbeitet mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen an wirksamen Schutzmaßnahmen. Reinigungspflicht für Schiffe und Boote Seit geraumer Zeit ist am Bodensee zudem die Einführung einer Schiffsmelde- und Reinigungspflicht im Gespräch. Bei einem Strategiegespräch Ende Juni 2026 wurden die zuständigen Fachgremien der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) von den Regierungschefs der Bodensee-Region damit beauftragt, die nächsten Schritte zur Umsetzung vorzubereiten. Unter anderem ist dafür eine Anpassung der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung (BSO) notwendig. In der Schweiz ist eine solche Melde- und Reinigungspflicht (SMRP) bereits in mehreren Kantonen umgesetzt. Ein Gewässerwechsel muss vorab über eine zentrale elektronische Meldeplattform angemeldet werden. Das Schiff ist im Anschluss an einer anerkannten Reinigungsstelle fachgerecht zu reinigen. Ist das Schiff erfolgreich gereinigt, erhält man eine Einwasserfreigabe, die beim Einwassern in einem neuen Gewässer mitzuführen ist. Weitere Informationen zur SMRP auf der Website von Swiss Sailing Auch am Gardasee ist die Einführung einer Reinigungspflicht in Planung . Die gesetzlichen Grundlagen wurden bereits beschlossen. Es wird davon ausgegangen, dass die Sanifizierungspflicht ab dem Jahreswechsel 2026/2027, spätestens aber zum Saisonbeginn 2027 greifen wird.Mehr erfahren