05.05.2026
Lange galt fehlende Ladeinfrastruktur als größtes Hindernis für den Ausbau der Elektromobilität auf dem Wasser. Aktuelle Projekte in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und am Bodensee zeigen, dass Bewegung in die Sache kommt.
Die Elektromobilität auf dem Wasser beschäftigt die Branche schon lange. Ein Knackpunkt war dabei seit jeher die Bereitstellung einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Durch mehrere Veranstaltungen und Initiativen – unter anderem in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern oder am Bodensee – zeigt sich, dass das Thema immer mehr Fahrt aufnimmt.
Einblicke aus der Praxis zur E-Mobilität auf dem Wasser
So war der Ausbau der Ladeinfrastruktur von Elektrobooten ein zentrales Thema beim von der Deutschen Meeresstiftung veranstalteten Gemeinwohl HUB Elektromobilität. Bei einer angeregten Diskussion am 21. April gaben Mats Kuhnle (PolūCharge) und Maria Bouillet (Bouillet Energy), beides Pioniere im Bereich der Ladesäulenlösungen für Boote, wertvolle Praxiseinblicke zum Thema.
Die Impulsvorträge zeigten auf, dass die Technologie inzwischen bereits vorhanden sei, es allerdings noch an Ladeinfrastruktur, einheitlichen Standards und klaren Genehmigungsprozessen fehle. Dies verursache ein „Henne-Ei-Problem“: Ohne Ladepunkte gibt es keine Nachfrage. Ohne Nachfrage keine Infrastruktur.
Für die Teilnehmenden der Veranstaltung war klar: Nur durch koordinierte Initiativen, klare regulatorische Rahmenbedingungen und politische Unterstützung könne die Transformation beschleunigt werden. Daneben benötige es Modellregionen und Pilotprojekte, um einen Durchbruch zu erzielen.
Flächendeckendes Ladenetz im Nordosten Deutschlands
Ein solcher Durchbruch zeigte sich bereits beim von der MV Tourismus GmbH und dem ADAC Hansa e.V. veranstalteten digitalen MV-TourismusTreff. Bei der Veranstaltung am 21. April diskutierten Ralf Trimborn, Vorstand für Tourismus und Reise beim ADAC Hansa e.V. und Dr. Steffen Häbich, Leiter Special Interest Tourismus beim ADAC e.V. mit diversen Vertretern aus der Branche über aktuelle Entwicklungen auf den Wasserwegen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.
In Nordbrandenburg entsteht derzeit beispielsweise das erste flächendeckende Netzwerk aus Ladestationen für Elektroboote, wie Jacob Wemhoff, Projektkoordinator im Bereich Wirtschaftsförderung bei der WInTO GmbH, berichtete. In absehbarer Zeit sollen in der Region insgesamt neun geförderte Ladepunkte für Elektroboote entstehen. Der erste davon wird bereits am 20. Mai an der Marina Zehdenick eröffnet.
Bis Ende der Saison 2026 ist im Landkreis Oberhavel die Inbetriebnahme von drei weiteren Ladestationen, etwa am Schlosshafen Oranienburg, am Stadthafen Liebenwalde und beim Floßverleih Treibgut in Fürstenberg geplant. Auch in den benachbarten Landkreisen Barnim und Ostprignitz-Ruppin werden derzeit vergleichbare Förderinitiativen vorangetrieben.
Unweit davon, im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern, ist bereits seit 2025 eine Ladesäule für Elektroboote erfolgreich in Betrieb. Die vom Startup PolūCharge entwickelte Ladesäule in der Marina Müritz in Rechlin war eine der ersten ihrer Art in Deutschland und zeigte auf, dass sich Lademöglichkeiten für Elektroboote technisch umsetzen und in den Betrieb von Marinas integrieren lassen.
Für die Teilnehmenden stellten die Initiativen im Nordosten Deutschlands einen Weg dar, um das "Henne-Ei-Problem" im Bereich der Ladeinfrastruktur zu durchbrechen. Man hoffe nun auf "Nachahmer", welche die Elektromobilität auf dem Wasser auch in anderen Regionen vorantreiben würden.
Erste E-Ladestation für Boote am Bodensee eröffnet
Erfreuliches im Bereich der Elektromobilität gibt es auch vom Bodensee zu berichten. Dort wurde am 17. April die erste Ladesäule für Elektroboote eröffnet. Die 11-kW-Ladesäule im BMK Yachthafen von Langenargen kann zwei Boote gleichzeitig laden und stellt ein Pilotprojekt des Yachthafens dar. Die Eröffnung der Ladesäule soll als Startschuss für den Ausbau der Ladeinfrastruktur am Bodensee fungieren. Bis 2040 soll die Sportschifffahrt am Bodensee klimaneutral werden. Neben alternativen Treibstoffen wie HVO trägt die Förderung der Elektromobilität wesentlich zur Erreichung des Ziels bei.
Das Fazit der ADAC Sportschifffahrt
Für die ADAC Sportschifffahrt fügen sich diese Entwicklungen zu einem klaren Bild: „Elektromobilität auf dem Wasser kann nur dann erfolgreich sein, wenn Infrastruktur, gesetzliche Rahmenbedingungen und die Bedürfnisse von Verbrauchern gemeinsam gedacht werden“, betont Häbich. Der ADAC versteht sich dabei als Brückenbauer zwischen Wassersportlern, Politik, Wirtschaft und Tourismus.