Das Bootsrevier Ems-Dollart zwischen Deutschland und den Niederlanden zählt zu den ursprünglichsten und zugleich anspruchsvollsten Revieren an der deutschen Nordseeküste. Die Gewässer bei Emden, Leer und dem niederländischen Delfzijl sind von Gezeiten, starken Strömungen, Wattflächen und die Mündung der Ems geprägt. Hier steht das Segeln in einer von den Gezeiten bestimmten Fluss- und Küstenlandschaft im Fokus.
Die Tide gibt im Ems-Dollart-Revier den Takt vor. Je nach Wind und Wasserstand kann die Strömung mehr als drei Knoten erreichen und den Törn erheblich verkürzen oder verlägern und erschweren. Eine sorgfältige Törnplanung gehört deshalb ebenso dazu wie aktuelle Seekarten und ein Blick auf die Gezeiten. Vor allem in den Wattbereichen verändern sich Priele und Schlickbänke ständig. Die Hauptfahrwasser werden dagegen regelmäßig vermessen und entsprechend betonnt. Ortskenntnis ist von Vorteil, das Einholen offizieller, aktueller Informationen ist dringend ratsam.
Das Hauptfahrwasser der Ems ist zugleich eine bedeutende Schifffahrtsstraße. Frachter, Schlepper und Versorgungsschiffe verkehren regelmäßig zwischen der Nordsee und den Seehäfen Emden, Delfzijl und Eemshaven. Auch die Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft passieren auf ihrem Weg von Papenburg zur Nordsee die Ems. Skipper sollten deshalb die Berufsschifffahrt stets im Blick behalten und die Fahrwasserregeln stets beachten und einhalten.
Der Dollart bildet den südöstlichsten Teil des Wattenmeeres und ist ein einzigartiges Brackwassergebiet, in dem sich Süßwasser der Ems und Salzwasser der Nordsee vermischen. Große Bereiche stehen unter Natur- und Vogelschutz. Vor allem im Frühjahr und Herbst rasten hier zehntausende Zugvögel, während Seehunde und Kegelrobben regelmäßig in den benachbarten Wattgebieten anzutreffen sind. Viele Flächen dürfen nicht betreten oder trockenfallend genutzt werden. Rücksicht auf Natur und Schutzgebiete gehört daher selbstverständlich zu einem Törn in diesem Revier.
Trotz seines naturnahen Charakters bietet das Revier eine gute Infrastruktur für Wassersportler. Größere Sportboothäfen finden sich unter anderem in Emden, Leer und Delfzijl. Ergänzt werden sie durch kleinere, oft sehr gemütliche Hafenorte wie Ditzum, Weener oder Termunterzijl, die mit ihrem maritimen Flair beliebte Zwischenstopps sind. Wer den Tidenkalender berücksichtigt, findet hier abwechslungsreiche Törnmöglichkeiten – von kurzen Wochenendtörns bis hin zu längeren Reisen entlang der deutschen und niederländischen Nordseeküste oder weiter in das niederländische Binnenrevier.
Das Ems-Dollart-Revier richtet sich vor allem an Skipper, die das Segeln in einem Tidengewässer schätzen oder erste Erfahrungen darin sammeln möchten. Gute Vorbereitung, ein aufmerksamer Blick auf Wetter und Strömung sowie Respekt vor den Besonderheiten des Wattenmeeres sind die wichtigsten Voraussetzungen. Dafür belohnt das Revier mit einer beeindruckenden Naturlandschaft, ruhigen Häfen und einem Segelerlebnis, das sich deutlich von vielen anderen Revieren an der deutschen Küste unterscheidet.