Tunesien

Tunesien

Tunesien liegt an der Nordküste Afrikas zwischen Algerien und Libyen und verfügt über eine rund 1.300 Kilometer lange Mittelmeerküste. Das Land zählt zu den interessantesten Segelrevieren im zentralen Mittelmeer und wird sowohl als eigenständiges Törnziel als auch als Zwischenstopp auf Überführungsfahrten zwischen Europa, Malta, Sizilien und Nordafrika genutzt. Die Kombination aus langen Sandstränden, geschützten Buchten, modernen Marinas, historischen Hafenstädten und einer vergleichsweise langen Segelsaison macht Tunesien für Fahrtensegler und Motoryachtfahrer attraktiv.

Die Segelsaison erstreckt sich in der Regel von April bis November. Während der Sommermonate herrschen überwiegend stabile Wetterbedingungen mit hohen Temperaturen und häufigen thermischen Winden. Im Frühjahr und Herbst bieten angenehme Temperaturen und meist moderatere Windverhältnisse gute Bedingungen für längere Törns. Wie im gesamten Mittelmeerraum können jedoch auch in Tunesien starke Wetterwechsel auftreten. Besonders der heiße und trockene Schirokko aus südlichen Richtungen kann zeitweise für eingeschränkte Sicht, hohen Wellengang und unangenehme Bedingungen auf See sorgen.

Zu den wichtigsten Wassersportzentren des Landes zählt die Region um Sousse mit der modernen Marina Port El Kantaoui. Die Anlage gehört zu den bekanntesten Yachthäfen Nordafrikas und verfügt über umfangreiche Serviceeinrichtungen, Werften, Versorgungsmöglichkeiten und gute Verkehrsanbindungen. Von hier aus lassen sich sowohl Küstentörns entlang der Sahel-Küste als auch längere Reisen Richtung Malta oder Sizilien unternehmen.

Weiter südlich liegt Monastir mit der Marina Cap Monastir, einem der bedeutendsten Yachthäfen Tunesiens. Der Hafen ist bei Langfahrtseglern beliebt und bietet gute Versorgungs- und Wartungsmöglichkeiten. Die historische Altstadt, die Festungsanlage Ribat und die geschützte Lage machen Monastir zu einem wichtigen Stützpunkt für Sportbootfahrer.

Im Norden des Landes befindet sich die Region Tabarka nahe der algerischen Grenze. Die Küste unterscheidet sich deutlich von den weiter südlich gelegenen Küstenabschnitten und ist von grünen Hügeln, felsigen Küsten und kleinen Buchten geprägt. Das Gebiet wird von internationalen Chartercrews zwar seltener besucht, bietet jedoch reizvolle Ziele für Individualsegler, die ruhigere Reviere bevorzugen.

Ein weiteres wichtiges Revier ist der Golf von Hammamet mit seinen langen Sandstränden und zahlreichen Küstenorten. Die Region gehört zu den touristischen Zentren des Landes und bietet mehrere Häfen sowie gute Versorgungsmöglichkeiten. Durch die relativ kurzen Distanzen zwischen den Häfen eignet sich das Gebiet besonders für entspannte Küstentörns.

Im Süden Tunesiens zählt die Insel Djerba zu den beliebtesten Wassersportzielen. Die größte Insel Nordafrikas ist durch flache Gewässer, weitläufige Strände und geschützte Küstenabschnitte geprägt. Rund um Houmt Souk und die Marina Djerba finden Skipper gute Infrastruktur und einen geeigneten Ausgangspunkt für Fahrten entlang der südlichen tunesischen Küste. Aufgrund zahlreicher Flachwasserbereiche ist hier jedoch eine sorgfältige Navigation erforderlich.

Für Langfahrtsegler besitzt Tunesien zudem strategische Bedeutung als Verbindung zwischen dem westlichen und östlichen Mittelmeer. Die kurzen Distanzen nach Sizilien, Malta und zu den italienischen Inseln machen das Land zu einem wichtigen Etappenziel auf Mittelmeerreisen. Gleichzeitig bieten die vergleichsweise günstigen Liegeplatz- und Servicekosten interessante Alternativen zu vielen europäischen Marinas.

Wer Tunesien mit dem eigenen Boot bereist, findet ein abwechslungsreiches Mittelmeerrevier mit modernen Marinas, historischen Hafenstädten, guten Versorgungsmöglichkeiten und einer langen Segelsaison. Besonders Fahrtensegler, die neben dem klassischen Mittelmeer auch nordafrikanische Kultur und Landschaften kennenlernen möchten, finden hier attraktive Törnziele zwischen dem Golf von Tunis im Norden und der Insel Djerba im Süden.

Marinas in diesem Revier

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Wissenswertes

Einreise mit dem Sportboot

Tunesien gehört weder zur Europäischen Union noch zum Schengen-Raum. Bei der Einreise mit dem eigenen Sportboot sind daher Zoll- und Einreiseformalitäten zu erledigen.

Sportboote aus dem Ausland müssen bei der Ankunft einen offiziellen Einreisehafen (Port of Entry) anlaufen. Dort erfolgen die Kontrollen durch Grenzpolizei, Zoll und Hafenbehörden. Erst nach Abschluss der Formalitäten dürfen Besatzung und Boot den Hafen verlassen.

Während des Aufenthalts an Bord sind folgende Dokumente mitzuführen:

  • Reisepass (für alle Crewmitglieder)
  • Bootsregistrierung bzw. Eigentumsnachweis, zum Beispiel den ADAC IBS
  • Versicherungsnachweis
  • Befähigungsnachweis des Schiffsführers
  • Crewliste
  • Gegebenenfalls Funkzeugnisse und Schiffsfunklizenz

Vor dem Auslaufen aus Tunesien müssen die Ausreiseformalitäten bei den zuständigen Behörden erledigt werden. 

Da Hafen- und Grenzkontrollen häufiger stattfinden können als in vielen europäischen Revieren, empfiehlt sich eine sorgfältige Dokumentation aller Ein- und Ausreisevorgänge.

Befähigungsnachweise

Für Sportboote wird ein gültiger nationaler Bootsführerschein des Flaggenstaates anerkannt. Deutsche Sportbootführerscheine werden bei vorübergehendem Aufenthalt grundsätzlich akzeptiert.

Empfohlen wird zusätzlich das Mitführen des Internationalen Zertifikats für Führer von Sportbooten (ICC) beziehungsweise des Internationalen Bootsscheins (IBS) als Registrierungsnachweis.

Der ADAC Internationale Bootsschein (IBS) kann als amtlicher Registrierungsnachweis für Sportboote genutzt werden.

UKW Funk

Wer eine UKW-Seefunkanlage betreibt, muss die hierfür erforderlichen Genehmigungen des Flaggenstaates besitzen.

An Bord sollten mitgeführt werden:

  • Zuteilungsurkunde / Ship Station License (SSL)
  • Passendes Funkbetriebszeugnis des Schiffsführers bzw. Funkers
  • Für deutsche Skipper sind dies in der Regel das Short Range Certificate (SRC) für den Seefunk oder das Long Range Certificate (LRC).

Sicherheitsausrüstung

Für Sportboote besteht die Verpflichtung, eine den Bootsabmessungen, dem Fahrtgebiet und den Wetterbedingungen angemessene Sicherheitsausrüstung mitzuführen.

Hierzu gehören insbesondere:

  • Rettungswesten für alle Personen an Bord
  • Rettungsmittel und Notsignale
  • Feuerlöscher
  • Navigationslichter
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung
  • Anker und ausreichendes Ankergeschirr

Der Schiffsführer ist dafür verantwortlich, dass die Sicherheitsausrüstung betriebsbereit und den örtlichen Anforderungen entsprechend vorhanden ist.

Eine sinnvolle, auf Bootsgröße und Fahrtgebiet abgestimmte Sicherheitsausrüstung dient der Sicherheit der gesamten Besatzung. Orientierung bietet die Übersicht „Empfohlene Mindest- und Sicherheitsausrüstung für Boote und Yachten“.

 

Versicherung

Für ausländische Sportboote wird dringend empfohlen, eine Haftpflichtversicherung mit ausreichender Deckungssumme mitzuführen. Manche Marinas können bei der Vergabe eines Liegeplatzes einen entsprechenden Versicherungsnachweis verlangen. Der ADAC bietet ensprechende Versicherungen an. 

Mehrwertsteuer- und Eigentumsnachweis

Da Tunesien kein EU-Mitgliedstaat ist, sollten Eigner von Sportbooten jederzeit Unterlagen über Eigentum und steuerlichen Status des Bootes mitführen.

Empfohlen werden insbesondere:

  • Kaufvertrag oder Rechnung
  • Nachweis über die Entrichtung der Mehrwertsteuer innerhalb der EU (soweit vorhanden)
  • Registrierungsurkunde

Bei Kontrollen durch Zoll- oder Hafenbehörden können entsprechende Nachweise verlangt werden.

Vorübergehende Einfuhr von Sportbooten

Privat genutzte Sportboote können grundsätzlich vorübergehend nach Tunesien eingeführt werden. Die Einfuhr erfolgt zollrechtlich befristet. Die von den Behörden gewährte Aufenthaltsdauer sollte beachtet werden. Bei längeren Aufenthalten können zusätzliche Zollformalitäten erforderlich werden.

Es empfiehlt sich, die bei der Einreise ausgestellten Zollunterlagen sorgfältig aufzubewahren und bei der Ausreise vorzulegen.

Naturschutz und Umwelt

In ausgewiesenen Schutzgebieten, Nationalparks und Meeresschutzgebieten können besondere Vorschriften gelten. Dies betrifft insbesondere:

  • Ankerverbote in geschützten Bereichen
  • Einschränkungen für Fischerei und Tauchen
  • Schutz von Seegraswiesen und sensiblen Lebensräumen
  • Den Anweisungen der Hafen- und Naturschutzbehörden ist Folge zu leisten.

Alkohol

Tunesien ist ein muslimisch geprägtes Land. Der Konsum von Alkohol an Bord ist grundsätzlich nicht verboten. In Häfen, Marinas und in der Öffentlichkeit sollten jedoch die örtlichen Gepflogenheiten respektiert werden.

Wichtiger Hinweis

Gesetze, Einreise- und Zollvorschriften können sich kurzfristig ändern. Vor Reiseantritt empfiehlt es sich, die aktuellen Informationen der tunesischen Behörden, der zuständigen Botschaften sowie der jeweiligen Hafenbehörden einzuholen. Infos dazu auf der Webseite des Auswärtigen Amts.