Die Wasserstraßen von Saône und Rhône gehören zu den bedeutendsten Binnenrevieren Europas. Gemeinsam bilden sie die wichtigste Nord-Süd-Wasserstraße Frankreichs und verbinden das Wasserstraßennetz Burgunds mit dem Mittelmeer. Für Sportbootfahrer ist die Route eine der attraktivsten Langstrecken Europas: Sie führt durch berühmte Weinregionen, historische Städte, abwechslungsreiche Flusslandschaften und endet in der einzigartigen Natur der Camargue. Gleichzeitig stellt sie höhere Anforderungen als die meisten französischen Kanäle. Vor allem die Rhône ist ein großer Strom mit teils kräftiger Strömung, intensiver Berufsschifffahrt und dem oft stürmischen Mistral.
Wer die Strecke befährt, erlebt einen ständigen Wechsel der Landschaften. Die gemächlich fließende Saône führt durch Burgund und das südliche Burgund bis nach Lyon. Dort mündet sie in die Rhône, die anschließend rund 300 Kilometer durch das Rhônetal bis zum Mittelmeer fließt. Zusammen bilden beide Flüsse einen wichtigen Abschnitt der Wasserverbindung zwischen Nordwesteuropa und dem Mittelmeer.
Zwei Flüsse mit unterschiedlichem Charakter
Die Saône zählt zu den angenehmsten Flussrevieren Frankreichs. Ihr Gefälle ist gering, die Strömung meist schwach und zahlreiche Schleusen sorgen für konstante Wasserstände. Entlang des Flusses wechseln sich Weinberge, kleine Dörfer, historische Städte und ausgedehnte Auenlandschaften ab. Besonders zwischen Saint-Jean-de-Losne und Mâcon ist das Revier ruhig und entspannt zu befahren. Zahlreiche Sportboothäfen und Anleger machen diesen Abschnitt auch für längere Aufenthalte attraktiv.
Mit dem Zusammenfluss in Lyon verändert sich der Charakter der Reise deutlich. Die Rhône besitzt ein wesentlich größeres Gefälle und entsprechend stärkere Strömungen. Je nach Wasserstand können mehrere Knoten erreicht werden. Gleichzeitig gehört sie zu den wichtigsten Binnenwasserstraßen Frankreichs für die Berufsschifffahrt. Frachtschiffe und Schubverbände sind hier regelmäßig unterwegs und verlangen eine vorausschauende Fahrweise.
Moderne Wasserstraße mit Großschleusen
Sowohl Saône als auch Rhône wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts umfassend ausgebaut. Zahlreiche Staustufen und Wasserkraftwerke sorgen für eine zuverlässige Schiffbarkeit über das ganze Jahr hinweg.
Die Schleusen der Rhône gehören mit einer Nutzlänge von rund 190 Metern und einer Breite von etwa 12 Metern zu den größten Europas. Auch die Saône verfügt über großzügig dimensionierte Schleusen, die für Berufs- und Sportschifffahrt ausgelegt sind. Sportboote schleusen in der Regel gemeinsam mit der Berufsschifffahrt. Dadurch kann es insbesondere während der Hauptsaison zu Wartezeiten kommen.
Die meisten Schleusen werden über UKW-Funk oder Sprechanlagen angemeldet. Vor jeder Etappe empfiehlt sich ein Blick auf die aktuellen Betriebs- und Verkehrsinformationen, da einzelne Schleusen zeitweise außer Betrieb sein oder Wartezeiten entstehen können.
Zwiwchen Weinbergen und Flamingos
Kaum ein anderes Binnenrevier Frankreichs bietet eine vergleichbare landschaftliche Vielfalt. Im Norden prägen die Weinberge Burgunds und traditionsreiche Orte das Bild. Südlich von Lyon öffnet sich das breite Rhônetal mit seinen Weinbergen, Obstplantagen und den typischen Landschaften der Provence.
Je weiter man sich dem Mittelmeer nähert, desto mediterraner wird die Umgebung. Olivenhaine, Zypressen, Lavendelfelder und helle Kalkfelsen prägen das Landschaftsbild. Kurz vor der Mündung beginnt die Camargue – eines der größten Feuchtgebiete Europas. Flamingos, weiße Camargue-Pferde und die halbwild lebenden schwarzen Camargue-Rinder machen diesen Naturraum zu einem besonderen Höhepunkt der Reise.
Historische Städte entlang der Strecke
Auch kulturell gehört die Rhône–Saône-Route zu den abwechslungsreichsten Binnenrevieren Europas. Bereits an der Saône liegen mit Chalon-sur-Saône und Mâcon zwei traditionsreiche Städte mit sehenswerten Altstädten.
In Lyon treffen Saône und Rhône zusammen. Die UNESCO-Welterbestadt gilt als gastronomische Hauptstadt Frankreichs und beeindruckt mit ihrer historischen Altstadt, den berühmten Traboules und ihrer Lage zwischen den beiden Flüssen.
Weiter südlich folgen Vienne mit seinen römischen Bauwerken, Valence, Montélimar und schließlich Avignon mit dem Papstpalast und der berühmten Pont Saint-Bénézet. Kurz vor dem Mittelmeer liegt Arles, dessen römisches Erbe ebenfalls zum UNESCO-Welterbe gehört und das eng mit dem Maler Vincent van Gogh verbunden ist.
Das Tor zum Mittelmeer
Südlich von Arles teilt sich die Rhône in die Große Rhône und die Kleine Rhône. Für Sportboote führt der übliche Weg über die Große Rhône bis nach Port-Saint-Louis-du-Rhône. Von dort ist das Mittelmeer unmittelbar erreichbar. Viele Skipper setzen ihre Reise anschließend entlang der französischen Mittelmeerküste, nach Korsika oder Richtung Spanien und Italien fort.
Eine attraktive Alternative bietet der Canal du Rhône à Sète. Er zweigt bei Beaucaire von der Rhône ab und führt entlang der Lagunenlandschaften der Camargue über Aigues-Mortes bis nach Sète. Von dort besteht Anschluss an den Canal du Midi oder direkt an das Mittelmeer.
Besonderheiten für Sportbootfahrer
Die Rhône unterscheidet sich deutlich von den meisten französischen Kanälen. Strömung und Wind bestimmen häufig den gesamten Törnverlauf. Besonders der Mistral, ein kalter und trockener Nord- bis Nordwestwind, kann mehrere Tage mit Windstärken von 7 bis 9 Beaufort wehen. Gegen Wind und Strömung entstehen dann kurze, steile Wellen, die vor allem kleineren Boote stark zusetzen können. Vor längeren Etappen sollte deshalb stets die Wetterentwicklung beobachtet werden.
Auch die Berufsschifffahrt verdient besondere Aufmerksamkeit. Große Frachtschiffe und Schubverbände sind deutlich schneller unterwegs, als viele Sportbootfahrer vermuten. Aufgrund ihrer Größe besitzen sie nur eingeschränkte Ausweichmöglichkeiten. Ein ausreichender Sicherheitsabstand und eine vorausschauende Fahrweise sind daher unerlässlich.
Wer flussaufwärts unterwegs ist, sollte die Strömung nicht unterschätzen. Je nach Wasserstand verlängern sich die Fahrzeiten deutlich und auch der Kraftstoffverbrauch steigt entsprechend an.
Ebenso empfiehlt es sich, ausschließlich ausgewiesene Sportboothäfen, Wartestege oder offizielle Anleger zu nutzen. Das Festmachen am Naturufer ist aufgrund der Strömung und des Schiffsverkehrs häufig ungeeignet oder nicht möglich.
Nach starken Niederschlägen im Einzugsgebiet der Alpen oder der Saône können Wasserstand und Strömung innerhalb kurzer Zeit deutlich zunehmen. Vor Reisebeginn sollten daher die aktuellen Schifffahrtsinformationen geprüft werden.
Beste Reisezeit
Als beste Reisezeit gelten Mai und Juni sowie September bis Anfang Oktober. In diesen Monaten sind die Temperaturen meist angenehm, die Wasserstände vergleichsweise stabil und die Häfen weniger stark frequentiert als im Hochsommer. Im Frühjahr können Schneeschmelze und starke Niederschläge zu höheren Wasserständen führen, während im Sommer längere Hitzeperioden und der Mistral den Törn erschweren können.
Eindrucksvolles Revier
Die Rhône–Saône-Route gehört zu den eindrucksvollsten Binnenrevieren Europas. Sie verbindet die ruhigen Flusslandschaften Burgunds mit der Dynamik eines großen Stromes und endet in der einzigartigen Natur der Camargue am Mittelmeer. Wer Wetter, Strömung und Berufsschifffahrt berücksichtigt, erlebt eine der schönsten und abwechslungsreichsten Wasserstraßen Frankreichs – und zugleich eine der wichtigsten Binnenverbindungen zwischen Nord- und Südeuropa.