Passatwinde verstehen: Entstehung, Windrichtung, ITCZ und ihre Bedeutung für Atlantiküberquerungen – warum der Passat beständig, aber nicht konstant ist.
Seit Jahrhunderten bestimmen die Passatwinde die großen Segelrouten über die Ozeane. Sie brachten die Segelschiffe Europas nach Westen über den Atlantik, prägen bis heute klassische Atlantiküberquerungen und treiben zugleich gewaltige Meeresströmungen an. Doch auch wenn der Passat als besonders beständiger Wind gilt, ist er keineswegs überall gleich stark und zuverlässig.
Was sind Passatwinde?
Passatwinde sind großräumige, überwiegend aus östlichen Richtungen wehende Winde der Tropen. Sie treten auf beiden Seiten des Äquators auf und reichen vereinfacht betrachtet von den subtropischen Hochdruckgebieten um etwa 30 Grad nördlicher beziehungsweise südlicher Breite in Richtung Äquator.
Auf der Nordhalbkugel entsteht daraus der Nordostpassat, auf der Südhalbkugel der Südostpassat. Beide Windgürtel gehören zur sogenannten Hadley-Zirkulation, einem der großen Zirkulationssysteme der Erdatmosphäre.
Für Segler ist besonders interessant, dass diese Winde über großen Teilen der tropischen Ozeane über längere Zeiträume aus ähnlichen Richtungen wehen. Genau diese Beständigkeit machte sie für die historische Segelschifffahrt so wertvoll – und tut es bei Hochseetörns bis heute.
Wie entsteht der Passat?
Ausgangspunkt ist die intensive Sonneneinstrahlung in Äquatornähe. Dort erwärmt sich die Luft stark, steigt auf und erzeugt am Boden einen ausgedehnten Tiefdruckbereich.
In größerer Höhe strömt die aufgestiegene Luft Richtung Norden und Süden. Etwa zwischen 30 und 40 Grad Breite sinkt sie wieder ab. Dadurch entstehen die subtropischen Hochdruckgebiete. Ein Teil dieser Luft fließt anschließend in Bodennähe zurück in Richtung Äquator – der Passat entsteht.
Eigentlich müsste diese Luft ziemlich genau nach Norden beziehungsweise Süden strömen. Die Rotation der Erde lenkt sie jedoch durch die Corioliskraft ab: auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. Deshalb entsteht nördlich des Äquators ein Wind aus Nordost und südlich davon ein Wind aus Südost.
Wo treffen sich Nordost- und Südostpassat?
In Äquatornähe laufen die beiden Passatströmungen zusammen. Diese Zone heißt Innertropische Konvergenzzone, kurz ITCZ.
Dort steigt warme und sehr feuchte Luft auf. Typisch sind mächtige Quellwolken, kräftige Schauer und Gewitter. Gleichzeitig können zwischen den einzelnen Schauer- und Gewitterzellen ausgesprochen schwache und wechselhafte Winde auftreten. Die ITCZ wurde deshalb von Seeleuten traditionell auch als Doldrums bezeichnet.
Für Segler auf einer Äquatorpassage ist diese Zone bis heute ein wichtiger Abschnitt der Routenplanung. Sie ist jedoch kein festliegender Gürtel.
Der Passat wandert mit den Jahreszeiten
Die gesamte Passatzirkulation verschiebt sich im Jahresverlauf. Besonders deutlich wird dies an der ITCZ, deren Lage dem Bereich der stärksten Erwärmung folgt. Sie wandert während des Nordsommers nach Norden und während des Nordwinters wieder nach Süden.
Über Land ist diese Verschiebung wesentlich ausgeprägter als über den Ozeanen. Das Met Office weist darauf hin, dass die ITCZ dem höchsten Sonnenstand typischerweise mit einer Verzögerung von ein bis zwei Monaten folgt.
Damit verändern sich auch Lage, Stärke und Ausdehnung der Passatgürtel im Jahresverlauf. Ein Passatgebiet ist also keine geografisch unveränderliche Windautobahn.
Wie stark weht der Passat?
Die Vorstellung eines konstanten Windes gleicher Stärke ist zu einfach. Der Passat bezeichnet zunächst eine großräumig vorherrschende Strömung. Seine tatsächliche Stärke hängt unter anderem von der Ausprägung der subtropischen Hochdruckgebiete, der Lage der ITCZ, lokalen Druckunterschieden und großräumigen Klimaphänomenen ab.
In der Karibik beispielsweise können ausgeprägte Hochdruckgebiete über dem Atlantik zusammen mit niedrigem Luftdruck über dem nördlichen Südamerika den Druckgradienten erheblich verstärken. Dann erreicht der Passat gebietsweise kräftige bis starke Windstärken. Das National Hurricane Center meldet insbesondere vor Kolumbien immer wieder entsprechend starke Passatwinde und rauen Seegang.
Der Passat kann also vom angenehmen Fahrtensegelwind bis zu ausgesprochen sportlichen Bedingungen reichen.
Warum ist der Passat für Atlantiksegler so wichtig?
Bei einer klassischen Atlantiküberquerung von Europa oder den Kanaren beziehungsweise Kapverden in Richtung Karibik wird der Nordostpassat gezielt genutzt.
Das Prinzip ist seit Jahrhunderten dasselbe: Statt möglichst direkt nach Westen zu fahren, suchen Schiffe zunächst die Breiten auf, in denen sich der Passat ausreichend stabil etabliert hat. Von dort führt die Route mit überwiegend östlichen Winden über den Atlantik.
Auch die großen Oberflächenströmungen des Ozeans werden durch die Passatwinde mit angetrieben. Wind und Strömung können auf klassischen Westrouten deshalb über längere Zeiträume in dieselbe günstige Richtung wirken.
Das erklärt auch, warum sich historische Handels- und Entdeckungsrouten nicht einfach auf dem kürzesten Weg zwischen zwei Punkten entwickelten, sondern den globalen Windgürteln folgten.
Wie zuverlässig ist der Passatwind?
Grundsätzlich gehört der Passat zu den beständigsten Windsystemen der Erde. Das bedeutet aber nicht, dass eine Yacht auf einer Atlantiküberquerung wochenlang exakt denselben Wind bekommt.
Hochdruckgebiete verlagern oder verändern sich, Tiefdrucktröge können weit in die Tropen hineinreichen und tropische Störungen ziehen durch das Passatgebiet. Hinzu kommen Schauerlinien und sogenannte Easterly Waves – großräumige Störungen, die mit der östlichen Strömung westwärts über den tropischen Atlantik wandern. Aus einigen dieser Störungen können sich später tropische Wirbelstürme entwickeln.
Der Passat ist daher besser als vorherrschende Großwetterströmung zu verstehen und nicht als meteorologische Garantie.
Was haben El Niño und La Niña mit dem Passat zu tun?
Auch großräumige Klimaphänomene beeinflussen die Passatwinde. Besonders eng ist der Zusammenhang im tropischen Pazifik mit El Niño und La Niña.
Die Stärke der Passatwinde steht dort in Wechselwirkung mit den Wassertemperaturen und der sogenannten Walker-Zirkulation. Veränderungen der Passate können wiederum die Verteilung des warmen Oberflächenwassers und den Auftrieb kalten Tiefenwassers beeinflussen.
Die Passatwinde sind damit nicht nur für Segler interessant. Sie gehören zu den wichtigen Antriebskräften des globalen Wetter- und Klimasystems.
Passatwinde in der Übersicht
- Nordhalbkugel: Nordostpassat
- Südhalbkugel: Südostpassat
- Hauptgebiet: tropische und subtropische Breiten bis ungefähr 30 Grad nördlich und südlich des Äquators
- Windrichtung: überwiegend aus östlichen Richtungen
- Ablenkung: Corioliskraft
- Treffpunkt beider Passate: Innertropische Konvergenzzone (ITCZ), Doldrums
- Bedeutung für Segler: zentrale Windströmung klassischer tropischer Ozeanrouten
- Besonderheit: relativ beständig, aber keineswegs konstant
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