Was Skipper über Apps an Bord wissen sollten. Foto: © Stephan Boden
Die Auswahl an Apps für den Törnalltag ist groß. Doch welche Apps lohnen sich wirklich und wo macht Geld ausgeben Sinn? Unser Ratgeber verrät, worauf Skipper bei Apps an Bord achten sollten.
Es gibt in den App-Stores eine nahezu unendliche Auswahl an Helfern, die das Leben an Bord erleichtern. Manche Apps sind kostenlos, für andere muss man bezahlen und wieder andere bekommt man nur über sogenannte Abo-Modelle, bei denen man eine jährliche oder monatliche Gebühr entrichtet. Auch sind viele Programme als kostenlose Light- oder als erweiterte Bezahl/Vollversion erhältlich. Die Light-Versionen (in den App Stores oft auch als "Lite" betitelt), bieten entweder nicht den vollen Nutzungsumfang oder blenden Werbung ein, um finanziert zu werden.
Wetter- und Navi-Apps sind die wohl am häufigsten genutzten Helfer an Bord. Allein in dieser Kategorie gibt es die unterschiedlichsten Apps und zahlreiche Anbieter, deren Produkte sich in Art und Umfang teilweise erheblich unterscheiden. Darüber hinaus gibt es noch diverse andere Programme, die nützlich sind, sein können oder sich im Gebrauch als unnütz erweisen. Und selbst in den Nischenkategorien gibt es wiederum zig Versionen, Anbieter und Alternativen. Und ganz zum Schluss kommt die Frage, für welches Betriebssystem welche App besser ist oder auf welchem Gerät (Tablet, Smartphone, Notebook) sie besser funktioniert, denn die Unterschiede zwischen den großen Plattformen Android und iOs sind teilweise erheblich. Dazu kommt: Manche Programme gibt es nur für bestimmte Plattformen.
Wir haben uns auf dem Markt umgesehen und helfen, durch den regelrechten Dschungel in den Stores durchzublicken.
Bezahl-Apps und kostenlose Alternativen
Fast von allen Apps, die für den Bordgebrauch sinnvoll sind, gibt es Bezahlversionen oder kostenlose Alternativen. Ob sich eine Gebühr lohnt hängt von mehreren Faktoren ab. So stellt sich zunächst die Frage: Braucht man die App wirklich? Gibt es gar kostenlose Alternativen mit dem gleichen Nutzwert?
Kostenpflichtige Karten-Apps und Hybrid-Modelle
Für eine Navi-App zum Beispiel lohnt sich ein Bezahl-Abo, wenn die Karten dadurch stets auf dem aktuellen Stand sind, die zu befahrenen Reviere abgedeckt werden und die App über die notwendigen Funktionen verfügt, die man an Bord benötigt.
Garmin bietet mit der Navionics Boating App ein Bezahlmodell an, in dem jährlich für die Reviere seiner Wahl eine Gebühr entrichtet wird und die Kartendaten somit stets auf dem neusten Stand sind. Man bezahlt also lediglich für das Revier, in dem man unterwegs sein möchte.
Die App Orca Marine Navigation verfolgt ein anderes Nutzungsmodell: Bei bestehender Internetverbindung stehen die Kartenabdeckung und mehrere Funktionen, wie automatisches Wetter-Routing kostenfrei zur Verfügung. Darüber hinaus bietet die App mehrere Abo-Modelle an, welche den Funktionsumfang der App erweitern und Möglichkeiten zur Anbindung an externe Hardware bieten. Das Einstiegs-Abo (49 Euro/Jahr) ermöglicht zum Beispiel die Offline-Nutzung. Höherwertige Abonnements umfassen weitere Funktionen für die Törnplanung und Navigation auf längeren Strecken sowie die Anbindung von Orca-Hardware und einem bestehenden NMEA-Netzwerk.
Kostenlose Karten-Apps für Skipper
Neben Bezahl-Apps gibt es auch kostenlose Alternativen: OpenSeaMap etwa ist ein frei verfügbares Kartenprojekt, das nautische Informationen wie Tonnen, Leuchtfeuer und Hafenangaben bereitstellt. Allerdings handelt es sich nicht um eine vollwertige Navigations-App, sondern um einen offenen Datendienst, der meist in andere Anwendungen eingebunden wird. Tiefeninformationen sind je nach Revier teilweise vorhanden, erreichen jedoch in Umfang und Aktualität nicht die Qualität kommerzieller Seekarten. Wer sich auf OpenSeaMap verlässt, sollte sich dieser Einschränkungen bewusst sein. OpenSeaMap ist sicher gut für die Törnplanung, für eine professionelle Navigation jedoch häufig nicht geeignet.
Sind stets aktuelle Papierkartensätze an Bord, deren Mitführung nicht nur empfehlenswert, sondern auch verpflichtend ist, lohnt sich ein Blick auf den Beipackzettel der Kartensätze. Der NV-Verlag (Nautische Veröffentlichungen), ein Anbieter von Seekarten, bietet den Käufern der Kartensätze jeweils für den Geltungszeitraum der Papierkarten auch die kostenlose Nutzung der digitalen Ausgaben an. Die NV-Chart-App bietet zudem die Möglichkeit, zwischen Raster- und Vektorkarten umzuschalten, was ein Alleinstellungsmerkmal ist.
Wetter-Apps
Anders verhält es sich bei Wetter Apps. Wurde lange Zeit vor allem Windfinder genutzt, hat sich inzwischen auch Windy.com als feste Größe etabliert. Das Angebot ist allerdings unübersichtlich geworden: Unter dem Namen „Windy“ existieren zwei unterschiedliche Apps verschiedener Anbieter.
Die bekannte Variante Windy.com erkennt man am roten Logo. Viele Funktionen sind dort kostenlos nutzbar, für einige erweiterte Funktionen und Zusatzmodule ist inzwischen jedoch ein Premium-Abonnement notwendig. Auch Windfinder setzt heute neben dem kostenlosen Angebot auf kostenpflichtige Zusatzleistungen.
Die ADAC Skipper App bietet in ihrer kostenpflichtigen Pro-Version (ab 19,99 €/Jahr) ebenfalls umfangreiche Wetter-Funktionen. Dazu gehören neben dem klassischen Wetterbericht etwa Vorhersagen von Wind, Welle und anderen Messwerten. Die Wetter-Informationen werden in der Pro-Version als hochauflösende Karten-Overlays dargestellt. Daneben kann man auch zwischen verschiedenen Wettermodellen wechseln.
Wer Wetter-Apps regelmäßig nutzt, sollte genau prüfen, welche Funktionen tatsächlich benötigt werden und ob sich ein kostenpflichtiges Upgrade lohnt. Auch hier gilt: Bevor eine App bezahlt wird, lohnt sich ein Blick in den Funktionsumfang der bereits vorhandenen Apps.
Wo sich Geld ausgeben lohnt
Für Apps mit hoher (auch sicherheitstechnischer) Relevanz, wie Navigation oder Wetter, lohnt es sich durchaus, hochwertige Bezahl-Apps zu kaufen. Bei anderen Apps, wo auch etwaige Unsauberkeiten in Inhalt und Programmierung keine verheerenden Folgen haben würden - zum Beispiel bei Knoten-Apps - reicht oftmals bereits die kostenlose Version.
In anderen Fällen lohnt es sich, zunächst die kostenlose Variante herunterzuladen und in der Praxis zu sehen, ob man einen erweiterten, kostenpflichtigen Funktionsumfang überhaupt benötigt.
Die Ankerwachen-App Anchor Watch zum Beispiel verfügt in der Free-Version bereits über die für die meisten für Nutzer ausreichenden Funktionen und blendet Werbeanzeigen ein. Bezahlt man die Vollversion, kann man einen erweiterten Umfang nutzen, wie zum Beispiel SMS-Alarm, und wird nicht mehr von Werbeeinblendungen gestört.
Solche Light-Versionen lassen sich fast immer vollständig und zeitlich uneingeschränkt nutzen. Reichen die Funktionen dann nicht, kann man sich entweder in einem neuen Download oder per In-App-Kauf die Vollversion runterladen, bzw. zusätzliche Inhalte freischalten.
Kostenlos ist nicht immer kostenlos
Nicht immer ist auf der ersten Blick erkennbar, ob eine App auch wirklich frei nutzbar ist. Manche Anbieter schreiben davon, dass die Anwendung "völlig kostenlos" nutzbar sei. Das trifft häufig auch nur auf die App zu, nicht aber die Inhalte. Andere Apps sind wiederum nur für einen kurzen Testzeitraum kostenlos und müssen danach kostenpflichtig freigeschaltet werden. Ob man später bezahlen muss oder nicht, sieht man in den Produktbeschreibungen.
"In-App-Käufe erforderlich" bedeutet, dass man irgendwann an einem Punkt ankommt, an dem man bezahlen muss. "In-App-Käufe möglich" bedeutet, dass man erweiterte Inhalte kaufen kann. Nur noch selten wird angeboten, die App kostenlos zu nutzen, wenn man mit Werbeeinblendungen einverstanden ist.
Manche Apps bieten bereits in der kostenlosen Version Inhalte, die bei anderen Anbietern Geld kosten. Die Ausbildungs-App für den SBF Binnen und See SBF Videokurs zum Beispiel bietet in der kostenlosen Variante bereits einen gut gemachten Fragentrainer, der eine große Hilfe zur Prüfungsvorbereitung ist.
Was bei der plattformübergreifenden Nutzung von Apps zu beachten ist
Es kann vorkommen, dass man im Laufe der Jahre das Betriebssystem wechselt – sei es durch einen neuen Mobilfunkvertrag, ein Firmenhandy oder schlicht die Entscheidung für ein anderes Gerät bzw. System.
Deshalb sollte man bereits beim Kauf von Apps darauf achten, dass die gewählte Lösung möglichst plattformübergreifend funktioniert und die eigenen Daten über ein Benutzerkonto gesichert werden. Viele moderne Anwendungen ermöglichen es inzwischen, Routen, Tracks und Einstellungen über mehrere Geräte hinweg zu synchronisieren. Das erleichtert einen späteren Umstieg erheblich und verhindert, dass mühsam erarbeitete Inhalte verloren gehen.
Moderne Apps, die auf Abonnements setzen, arbeiten heute meist mit nutzergebundenen Konten. Über den persönlichen Login können gekaufte Inhalte auf mehreren Geräten genutzt werden. Welche Geräte gleichzeitig unterstützt werden und wie viele Installationen erlaubt sind, hängt jedoch vom jeweiligen Anbieter und dessen Lizenzmodell ab. Vor dem Kauf lohnt sich daher ein Blick in die Nutzungsbedingungen.
Man sollte immer daran denken, dass man manche Apps, wie zum Beispiel Navigationsanwendungen, eine sehr lange Zeit nutzen wird. In dieser Zeit konfiguriert man sich die App ständig nach seinen Wünschen zusammen, bindet das System vielleicht sogar in sein bestehendes Bordsystem ein und tätigt womöglich weitere In-App Käufe.
Daher sollte man sich darüber bereits vor dem Kauf Gedanken machen, um später von Kosten und Aufwand überrascht zu werden. Außerdem hat ein Wechsel auf eine andere App auch oft den Nachteil, dass man auf liebgewonnene Features, die gewohnte grafische Aufmachung und die bekannten Menüpunkte verzichten muss. Dann kann es stressig werden, wenn man in der neuen App auf See nicht auf Anhieb die Funktion findet, die man gerade braucht.
Mittlerweile sind plattformgebundene Apps jedoch nur noch selten zu finden.
Rezensionen und Support
Eine gute Hilfe, für welche App man sich entscheidet, geben die App-Stores oftmals selbst. Denn dort sind viele Informationen enthalten, anhand derer man sich ein Bild machen kann, wie z.B. die Bewertungen anderer Nutzer. Man sollte jedoch nicht einfach nur die durchschnittlich vergebenen Punkte oder Sternchen beachten. Hier gibt es einen guten Indikator, ob es sich um eine vertrauenswürdige App/Anbieter handelt: Anbieter, die auf Rezensionen antworten, nehmen Kritik meistens ernst und sind an Verbesserungsvorschlägen interessiert.
Die Rezensionen selbst können natürlich auch eine Menge über eine App aussagen. Es sollte aber beachtet werden, dass die Kommentare oft weit in der Vergangenheit liegen und sich auf wesentlich ältere, vielleicht nocht nicht gaz ausgereifte Versionen beziehen. Auch die Zahl der Downloads, die in den Stores meistens aufgeführt ist, zeigt, ob eine App vertrauenswürdig ist.
Ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt ist der Support. Bereits in der Produktbeschreibung sind oft die Links zum Hersteller gelistet. Ein Blick auf die Website lohnt sich immer, um zum Beispiel nachzusehen, wie der Support erreichbar ist oder ob es überhaupt einen direkten Kontakt gibt.