21.11.2025
Bei einer vom ADAC und der EBI mitorganisierten Diskussionsrunde im Europäischen Parlament in Brüssel beschäftigten sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Verbraucherseite, darunter auch ADAC Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck, intensiv mit der Zukunft des Wassersports.
Am 12. November fand im Europäischen Parlament in Brüssel eine anregende Diskussionsrunde unter dem Titel „EU Water-Based Tourism on the Rise: Developing the EU Policy Framework“ statt. Auf Einladung der kroatischen Europaabgeordneten Nikolina Brnjac kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Verbraucherorganisationen zu einem parlamentarischen Frühstück zusammen, um über die Zukunft des Wassertourismus in der EU zu diskutieren. Mitorganisiert wurde die Veranstaltung vom ADAC und der European Boating Industry (EBI).
Derzeit arbeitet die Europäische Kommission an einer Strategie für nachhaltigen Tourismus. Ziel der Strategie ist ein zukunftsfähiger, widerstandsfähiger und nachhaltiger Tourismus in ganz Europa. Im Mittelpunkt der Diskussionsrunde am 12. November stand die Frage, wie die EU den nachhaltigen Tourismus auf dem Wasser und die Branche der Freizeitschifffahrt als Ganzes stärken kann. Denn wie Nikolina Brnjac in ihrer Eröffnungsrede hervorhob, ist Wassertourismus nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Brücke zwischen Mobilität, Nachhaltigkeit und regionaler Entwicklung.
ADAC Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck betonte den hohen Stellenwert des Wassertourismus: „Der Wassertourismus ist längst keine Nische mehr – er ist eine tragende Säule des europäischen Tourismus. Mit über 48 Millionen Wassersportbegeisterten, 6,5 Millionen Booten und 10.000 Marinas ist dieser Sektor ein Motor für regionale Wirtschaftssysteme und für die umweltfreundliche Freizeitgestaltung.“
Wassertourismus benötigt einheitliche Rahmenbedingungen
Robert Marx, Präsident der EBI, bekräftigte die Bedeutung des Wassertourismus für die europäische Wirtschaft: „Die Sportschifffahrt und der Wassertourismus sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit einem Jahresumsatz von 28 Milliarden Euro, über 32.000 Unternehmen und 280.000 direkten Beschäftigten.“ Für Marx sei der Wassertourismus eine europäische Erfolgsgeschichte, die jedoch auch die richtigen politischen Rahmenbedingungen brauche, um diese Entwicklung fortzusetzen.
Auch ADAC Tourismuspräsident Jungbeck sprach sich für einen einheitlichen gesetzlichen Rahmen aus, der die Verbraucher innerhalb der EU stärkt und die nachhaltige Mobilität auf dem Wasser fördert: „Wir brauchen EU-weite Lösungen für Herausforderungen wie die nachhaltige Entsorgung von End-of-Life-Booten, die gegenseitige Anerkennung von Bootsführerscheinen und Technologieoffenheit bei Antriebssystemen.“ Dabei sei laut Jungbeck vor allem Weitsicht gefragt – von der Infrastruktur bis hin zu Initiativen in Richtung Kreislaufwirtschaft.
Verbraucher und Branche ziehen am selben Strang
Gemeinsam mit der EBI setzt sich der ADAC für klare politische Leitplanken ein, welche Investitionen ermöglichen, Nachhaltigkeit stärken und Verbraucher in den Mittelpunkt stellen. Die Diskussion im Europäischen Parlament zwischen EU-Parlamentariern, Vertretern der EU-Kommission sowie Akteuren aus Verbraucherschutz und Branche hat gezeigt, dass der Dialog fruchtbar und zielführend ist. Die Ergebnisse der Diskussion fließen direkt in die aktuelle politische Debatte auf EU-Ebene im Rahmen der Erarbeitung einer nachhaltigen Tourismusstrategie ein.
Hierfür haben ADAC und EBI auch ein zweiseitiges Positionspapier mit ihren zentralen Forderungen an die Politik erarbeitet.
Studie zur gegenseitigen Anerkennung von Sportbootführerscheinen
Ein Kernpunkt der Forderungen von ADAC und EBI, welcher auch im Rahmen des parlamentarischen Frühstücks aufgegriffen wurde, ist die gegenseitige Anerkennung von Sportbootführerscheinen - ein Thema, das innerhalb der EU derzeit noch von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt wird.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie der EU-Kommission zum Thema zeigt auf, dass das aktuelle, nicht-einheitliche System in der gesamten EU große Herausforderungen für Bootfahrer, Unternehmen und den maritimen Sektor im Allgemeinen darstellt. Die Studie kommt zum Schluss, dass eine mögliche Lösung für das Problem eine Richtlinie sein könnte, welche sämtliche EU-Mitgliedsstaaten zur gegenseitigen Anerkennung von Befähigungsnachweisen auffordert, die unter der UNECE Resolution 40 als ICC (International Certificate of Competence) ausgestellt wurden. Derzeit ist dies noch nicht bei allen EU-Mitgliedsstaaten der Fall.
Die Stärkung des ICC und die Ratifizierung der UNECE Resolution Nr. 40 von sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten ist eine Forderung, für die sich unter anderem auch der ADAC einsetzt.