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ADAC Expertengespräch: Wie der Wassertourismus fit für die Zukunft wird

16.07.2026

Bei einem ADAC Expertengespräch in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Politik und Wirtschaft über die Zukunft des Wassertourismus in Deutschland.

Der Wassertourismus in Deutschland steht vor wichtigen Zukunftsfragen: Wie lassen sich Infrastrukturdefizite abbauen? Welche Rolle spielen Elektromobilität und Digitalisierung? Und wie können regulatorische Rahmenbedingungen verbraucherfreundlich gestaltet werden?

Darum ging es auch bei einem Expertengespräch, zu dem der ADAC - unter anderem vertreten durch seinen Tourismuspräsidenten Karlheinz Jungbeck - vergangene Woche nach Berlin lud. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Tourismus, Politik und Wirtschaft diskutierten die Teilnehmenden über aktuelle Herausforderungen und Chancen für die Freizeitschifffahrt.

 

Impulsvorträge und Publikumsdiskussion

Auf dem Programm standen unter anderem mehrere Impulsvorträge, welche unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffneten und die Basis für die anschließende Publikumsdiskussion bildeten. So sprach Dr. Wibke Mellwig vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) über Herausforderungen der aktuellen Regelungsvorhaben und Infrastrukturprojekte. Mats Kuhnle von der PolūCharge GmbH berichtete über den Stand der Elektrifizierung des Wassersports in Deutschland. Und Dr. Steffen Häbich, Leiter Special Interest Tourismus beim ADAC spiegelte die Erwartungshaltung der Verbraucher zu diesem Thema wider. Moderiert wurde das Expertengespräch von Anne Steinbrück, Leiterin des ADAC Büros in Berlin.

Dr. Steffen Häbich brachte die wichtige Verbrauchersicht in die Diskussion ein. Foto: © ADAC e.V.

 

Politischer Wille vorhanden, Finanzierungsbedarf bleibt hoch

Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass der politische Wille, den Wassertourismus als wichtigen Wirtschafts- und Tourismusfaktor zu stärken, durchaus vorhanden ist. Dies zeigen nicht nur Initiativen, wie der Masterplan Freizeitschifffahrt, der Aktionsplan Ost oder die neue Sportschifffahrtsverordnung – auch die Erhöhung der Haushaltsmittel für die Instanthaltung der Bundeswasserstraßen sei ein positives Signal.

Zugleich stellten die Gesprächsteilnehmer fest, dass die verfügbaren finanziellen Mittel weiterhin begrenzt sind. So würde diese aktuell lediglich für die dringendsten sicherheitsrelevanten Sanierungsmaßnahmen ausreichen. Darüber hinausgehende Investitionen erfordern zusätzliche Finanzierungsquellen, etwa über Förderprogramme der Europäischen Union.

 

Schnellere Verfahren als Erfolgsfaktor

Große Hoffnungen setzen die Beteiligten auf das geplante Infrastruktur-Zukunftsgesetz und andere Maßnahmen zu einer Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsprozessen. Schnellere Verfahren könnten dazu beitragen, Infrastrukturprojekte effizienter umzusetzen und dringend benötigte Investitionen schneller auf den Weg zu bringen.

Auch die Modernisierung der Sportschifffahrtsgesetzgebung spielte eine wichtige Rolle. Die neue Sportschifffahrtsverordnung befindet sich weiterhin in der Ressortabstimmung, sodass mit Verzögerungen in der Umsetzung gerechnet werden muss. Die Verordnung sieht unter anderem eine Umstellung von amtlichen Sportbootführerscheinen auf Verbandsscheine vor und hätte ursprünglich zum 1. Januar 2028 in Kraft treten sollen.

 

Elektromobilität auf dem Wasser gewinnt an Bedeutung

Die Elektromobilität auf dem Wasser und der Einsatz von alternativen Antrieben in der Freizeitschifffahrt stellten einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung dar. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Antriebswandel im Bootstourismus erhebliche Chancen eröffnet. Vor allem die Elektrifizierung von Charterflotten auf Binnengewässern würde beispielsweise einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung des Sektors leisten.

Mats Kuhnle berichtete über den aktuellen Stand der Elektrifizierung auf dem Wasser in Deutschland. Foto: © ADAC e.V.

Damit der Antriebswechsel gelingt, müssen jedoch noch wichtige Rahmenbedingungen geschaffen werden. Als zentrale Herausforderungen wurde neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur insbesondere die Einführung einheitlicher Standards für Ladeanschlüsse, wie dem Typ-2-Stecker, sowie transparente und verbraucherfreundliche Abrechnungsmodelle für Ladevorgänge genannt.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Elektromobilität vor allem auf Binnengewässern ihr Potenzial entfalten wird. Der ADAC setzt sich daher weiterhin für Technologieoffenheit und den Einsatz unterschiedlicher, klimafreundlicher Antriebslösungen ein – darunter auch synthetische Kraftstoffe, wie HVO oder E-Fuels.

 

ADAC stellt die Nutzerperspektive in den Mittelpunkt

Zum Abschluss der Veranstaltung zog ADAC Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck ein klares Fazit: „Der Wassertourismus in Deutschland ist ein wachsender und wirtschaftlich relevanter Bereich. Es braucht jetzt klare Prioritäten, zügige Umsetzung und eine enge Abstimmung zwischen Bund, Ländern und der Branche, damit dieser Motor weiterhin auf Touren bleibt.“

Für den ADAC steht dabei stets die Perspektive der Wassersportlerinnen und Wassersportler im Vordergrund. „Wir setzen uns dafür ein, dass sich Wassersportler auf sichere Infrastruktur, verbraucherfreundliche wie transparente Regeln und zukunftsfähige Angebote verlassen können“, so Jungbeck.

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