25.09.2025
Auf der Interboot 2025 gaben Expertinnen und Experten aus der Wassersportwirtschaft kürzlich einen interessanten Ausblick auf die anstehenden Chancen und Herausforderungen der Branche.
Die Messe Interboot, die alljährlich im Herbst in Friedrichshafen am Bodensee stattfindet, ist seit jeher ein beliebter Treffpunkt der Boots- und Wassersport-Branche. Beim traditionellen Branchengespräch, das einen Fixpunkt im Messeprogramm darstellt, gaben auch in diesem Jahr wieder mehrere Expertinnen und Experten aus der Wassersportwirtschaft einen Überblick über die aktuelle Lage in der Branche. In diesem Jahr blickt man auf vielfältige Herausforderungen zurück. Der Ausblick auf das Jahr 2026 fällt dennoch vorsichtig optimistisch aus.
Bootsmarkt: Herausforderndes Jahr 2025
Vielfältige Herausforderungen haben in diesem Jahr den Bootsmarkt geprägt. "Die Saison hat sich nicht so gut entwickelt, wie im Frühjahr erhofft", resümiert Karsten Stahlhut, Geschäftsführer des Verbandes Maritime Wirtschaft Deutschland (VMWD). Vor allem Segelboote und kleinere Motorboote blieben hinter den Erwartungen zurück, während sich große Motoryachten als stabil erwiesen. Ursachen sind für Stahlhut die schwächelnde Gesamtwirtschaft, der drohende Arbeitsplatzabbau und eine spürbare Verunsicherung durch internationale Konflikte. Auch die Preisexplosion auf dem Bootsmarkt hinterlasse Spuren: Manche Bootsmodelle hätten sich im Laufe von fünf Jahren mehr als verdoppelt.
Daneben würde ein wachsendes Angebot von gebrauchten Booten die Preise drücken und den Wettbewerb verschärfen: "Für die Käufer ist das positiv, da sie von Neubootrabatten und günstigen Second-Hand-Angeboten profitieren können. Aber das nützt der Branche leider wenig", so Stahlhut. Auch Michael Menken, Verkaufsleiter und Gesellschafter des Bootscenter Menken berichtet von einem hart umkämpften Markt und großen Rabatten. Vor allem die immer kleineren Margen würden dazu führen, dass viele Händler kaum noch Anreiz sehen würden, neue Boote zu ordern.
Boote für Einsteiger fehlen
Auch das Thema der Nachwuchsförderung gewinnt in der Boots-Branche zunehmend an Bedeutung. "Es gibt Nachwuchs, nicht nur beim SUP oder Wingfoilen, sondern auch im klassischen Bootssport. Aber wir kriegen sie kaum aufs Wasser", sagt Jens Böckmann, Gründer des Unternehmens Yachtverstand und Berater auf der Interboot-Sonderschau "Mein erstes Boot", die sich dem Einstieg in den Bootssport verschrieben hat. Vor allem hohe Einstiegspreise und fehlende Liegeplätze, aber auch ein unzeitgemäßes Image würden jungen Leuten den Einstieg in den Bootssport erschweren.
Zudem würden immer mehr Werften Kleinboote ganz aus dem Programm nehmen - obwohl sie für Einsteiger entscheidend sind. Für Böckmann seien Einsteigerstege, Fahrtrainings und nahbare Angebote der Schlüssel, um den Wassersport wieder attraktiver zu machen. "Die gesamte Szene, auch die seriöse Branche, muss viel kreativer und flexibler werden, wenn es wieder bergauf gehen und Wassersport hipp bleiben soll", so Böckmann.
"Interesse am Wassersport ungebrochen"
Trotz aller Herausforderungen in diesem Jahr gab es am Bodensee auch Positives zu vermelden. Yves Bosshart, Geschäftsführer der ProNautik AG aus Romanshorn und Präsident der Regionalgruppe Bodensee beim Schweizerischen Bootbauer-Verband (SBV) zieht bei seinem Unternehmen eine "zufriedenstellende Saisonbilanz" verbunden mit einem "vorischtigen Optimismus auf eine Belebung 2026". Auch Sonja Meichle, Vizeräsidentin des VMWD und Geschäftsleitung von Ultramarin in Kressbronn betont: "Das Interesse am Wassersport und am Bootfahren ist ungebrochen. Das spüren wir in allen Bereichen unseres Komplettangebots: vom Besuch im Fachmarkt über die Bewegungen an der Tankstelle, bis zum Gebrauchtboothandel."
Klimaneutralität am Bodensee
Das Thema Klimaneutralität bleibt am Bodensee nach wie vor präsent. Gerade Messen wie die Interboot würden hier als Zukunftsbarometer dienen: „Eine lebenswerte Umwelt sind wir der nächsten Generation schuldig. Die Diskussion um die Klimaneutralität am Bodensee verlangt aber Sachlichkeit und Realismus", so Meichle. Statt neuer Einschränkungen sei vielmehr die Anerkennung von Fortschritten wichtig. „Ein 15-km/h-Limit halten wir genauso für Unfug, wie Skepsis gegenüber den non-fossilen Kraftstoffen.“
Messe als Treffpunkt
Das erste Messefazit fällt positiv aus: "Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig Messen als Treffpunkt für den gemeinsamen Austausch sind“, sagt Interboot-Projektleiter Felix Klarmann. „Sie bieten nicht nur eine Plattform, um Neuheiten zu präsentieren, sondern auch, um den Dialog zwischen Herstellern, Händlern, Verbänden und Kunden zu fördern. Somit bleibt die Interboot ein unverzichtbarer Impulsgeber – gerade auch in herausfordernden Zeiten.“
Interboot 2025: Infos zur Messe
Die Messe Interboot findet jedes Jahr Ende September in Friedrichshafen am Bodensee statt und gilt als zentrale Plattform für die Branche in der DACH-Region. Auf der Messe präsentieren zahlreiche Unternehmen alljährlich ihre Neuheiten zu den Themen Segelboot, Motorboot und Funsport. Daneben werden zukunftsweisende Themen wie Nachhaltigkeit, alternative Antriebsformen und E-Mobilität im Rahmen von Vorträgen, Seminaren und Podiumsdiskussionen beleuchtet.
In diesem Jahr fand die Messe vom 24. bis zum 28. September statt und verzeichnete 37.900 Besucher. Im Fokus standen Themen wie Digitalisierung, nachhaltige Schifffahrt und Nachwuchsförderung. Letzterem Thema wurde mit der Sonderschau "Mein erstes Boot" eine eigene Sonderschau gewidmet.
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