Angeregte Diskussionen beim Branchengespräch der Interboot. Foto: © ADAC e.V.
28.09.2026
Auf der Interboot 2026 gaben Expertinnen und Experten aus der Wassersportwirtschaft kürzlich einen interessanten Überblick über akuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Branche.
Die Messe Interboot, die alljährlich im Herbst in Friedrichshafen am Bodensee stattfindet, ist seit jeher ein beliebter Treffpunkt der Boots- und Wassersport-Branche. Beim traditionellen Branchengespräch, das einen Fixpunkt im Messeprogramm darstellt, gaben auch in diesem Jahr wieder mehrere Expertinnen und Experten aus der Wassersportwirtschaft einen Überblick über die aktuelle Lage in der Branche. Auch die diesjährige Saison stellt die Wassersportwirtschaft vor Herausforderungen, so das Resümee der Veranstaltung. Es sind jedoch auch positive Enwicklungen sichtbar, welche Anlass zu vorsichtiger Zuversicht geben.
Zurückhaltung bei Neubooten, Gebrauchtmarkt erfreulich
"Die weiterhin angespannte gesamtwirtschaftliche Lage, nicht nur in Deutschland, schlägt ohne Wenn und Aber auf die Wassersportbranche durch", berichtet Karsten Stahlhut, Geschäftsführer des Vereins Maritime Wirtschaft Deutschland (VMWD). Laut Konjunkturbarometer des Verbands würden mehr als 60 Prozent der beteiligten Betriebe ihre Situation zur Jahresmitte im Vergleich zum Vorjahr als schlechter bewerten. Eine Verbesserung hätte es lediglich bei rund zehn Prozent der Betriebe gegeben. Besonders zurückhaltend entwickelte sich demnach der Absatz kleiner Motorboote. Auch Segelboote mittlerer Größe hätten ihre 2025 noch positive Entwicklung nicht fortsetzen können.
Das Geschäft mit großen Motoryachten über zwölf Meter sei hingegen vergleichsweise stabil geblieben. Daneben würden der Gebrauchtboothandel und das Dienstleistungsgeschäft einen wichtigen Ausgleich schaffen. Eine erfreuliche Entwicklung bei Gebrauchtbooten beobachtet auch Sonja Meichle, Vizepräsidentin des VMWD und Geschäftsleiterin von Ultramarin - Die Meichle + Mohr Marina. Für 2027 würden zudem bereits erste Bestellungen von Neubooten vorliegen.
Erfreuliche Signale gibt es auch aus der Schweiz: „Die Situation auf dem Schweizer Bootsmarkt scheint nicht mehr ganz so schlecht wie zuvor. Sie ist aber auch noch längst nicht wieder richtig gut“, erklärt Vinzenz Batt, Geschäftsführer des Schweizerischen Bootbauer-Verbands (SBV). Entgegen der früheren Trends hätten die Verkäufe kleinerer Motorboote unter 7,50 Meter stärker angezogen als die der größeren Modelle. Auch der Import habe sich in diesem Segment stabilisiert. Positiv würde sich zudem der Generationswechsel bemerkbar machen: „Wenn ältere Bootsbesitzer ihre Liegeplätze aufgeben, entspannt sich zumindest punktuell einer der langjährigen Engpässe des Wassersports", so Batt.
Expertinnen und Experten beim Branchengespräch (v.l.n.r): Moderator Andreas Kling, Davor Panarese, Sonja Meichle, Karsten Stahlhut, Deike Schütte, Vinzenz Batt. Foto: © Messe Friedrichshafen
Bodensee & Zürichsee: Gutes Sommergeschäft, niedrige Wasserstände
Dass die Begeisterung für den Wassersport ungebrochen ist, hätte vor allem der heiße Hochsommer gezeigt. Am Bodensee etwa sei laut Sonja Meichle der Fachmarkt für Ausrüstung und Zubehör stark frequentiert gewesen. Auch diverse Veranstaltungen hätten zusätzliche Impulse gesetzt. "Es muss der Kundschaft etwas geboten werden", so Meichle. Ähnliches berichtet auch Davor Panarese, Leiter Verkauf und Liegeplatzvermietung bei der KIBAG Marina am Zürichsee. Dort hätten vor allem die Lakemotions, die Tage der offenen Werften am Zürichsee, das Sommergeschäft beflügelt. Gleichzeitig habe auch das hervorragende Sommerwetter die Nachfrage weiter verstärkt.
Sowohl am Bodensee als auch am Zürichsee hätte jedoch der niedrige Wasserstand Bootfahrer und Hafenbetreiber vor große Herausforderungen gestellt. So sei der Pegelstand am Bodensee in diesem Jahr mehr als 1,20 Meter unter dem langjährigen Mittel gelegen. Innerhalb der Meichle + Mohr Marina mussten Boote verlegt und Liegeplätze getauscht werden. Auch am Zürichsee fehlten zeitweise mehr als 80 Zentimeter Pegel, was unter anderem zu zahlreichen Propellerschäden führte.
Neue Zielgruppen für den Wassersport gewinnen
Neben der wirtschaftlichen Entwicklung und aktuellen Herausforderungen wurde beim Branchengespräch auch die Frage diskutiert, wie neue Zielgruppen für den Wassersport gewonnen werden können. Fahrtrainerin Deike Schütte sieht insbesondere bei Frauen noch Potenzial: Während sich im Segelsport in den vergangenen Jahren zunehmend Skipperinnen etabliert haben, gäbe es laut Schütte bei Motorbooten weiterhin Nachholbedarf.
Auch aktuelle Zahlen vom Bodensee zeigen, dass in den letzten zehn Jahren nur etwa jedes vierte Bodenseeschifferpatent an eine Frau ging. Ein ähnliches Verhältnis sei nach Erhebungen des Deutschen Segler-Verbands sowie des Deutschen Motoryacht-Verbands auch bei den ausgestellten Sportbootführerscheinen zu beobachten. Schütte sieht eine mögliche Lösung in Fahrtrainings, die dabei helfen sollen, Ängste beim Manövrieren abzubauen und Selbstvertrauen zu gewinnen.
Branche bleibt zuversichtlich
Trotz der verhaltenen Marktentwicklung und diverser Herausforderungen bleibe man in der Branche zuversichtlich. „Auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Wassersportbranche herausfordernd sind, sehen wir Signale, die Mut machen“, resümiert Interboot-Projektleiter Felix Klarmann. „Nach wie vor ist und bleibt der persönliche Austausch dabei besonders wichtig. Messen wie die Interboot bringen Hersteller, Handel, Verbände und Wassersportbegeisterte zusammen und setzen Impulse für die kommende Saison.“
Interboot 2026: Infos zur Messe
Die Messe Interboot findet jedes Jahr Ende September in Friedrichshafen am Bodensee statt und gilt als zentrale Plattform für die Branche in der DACH-Region. Auf der Messe präsentieren zahlreiche Unternehmen alljährlich aktuelle Trends und Neuheiten zu den Themen Segelboot, Motorboot und Funsport. Daneben werden zukunftsweisende Themen wie Nachhaltigkeit, alternative Antriebsformen und E-Mobilität im Rahmen von Vorträgen, Seminaren und Podiumsdiskussionen beleuchtet.
In diesem Jahr kamen zwischen 23.09.2026 und 27.09.2026 insgesamt 36.100 Besucherinnen und Besucher zur Messe. Trotz einer geringeren Besucherfrequenz als in den Vorjahren berichten Aussteller von guten Gesprächen, konkreten Geschäftsabschlüssen und vielversprechenden Kontakten für das Nachmessegeschäft. „Die Interboot bringt Menschen und Unternehmen zusammen, die eine gemeinsame Leidenschaft verbindet. Von Friedrichshafen aus finden Boote und neue Ideen ihren Weg in internationale Wassersportgebiete. Diese Mischung aus Branchentreffpunkt und Erlebnis für das Publikum macht die Veranstaltung aus und wollen wir auch in Zukunft weiter stärken“, resümiert Messegeschäftsführer Klaus Wellmann.
In acht Messehallen, auf dem Freigelände, am Messe-See und im Interboot-Hafen waren insgesamt 308 Ausstellerinnen und Aussteller vertreten. Neue Formate, wie die E-Boat Area sowie eine erweiterte Sonderschau für Einsteiger und viele Möglichkeiten zum Ausprobieren rundeten das Messeangebot ab.
Am Messehafen der Interboot können Boote direkt getestet werden. Foto: © Messe Friedrichshafen/Felix Diemer
„Mein erstes Boot“: Orientierung für Einsteiger
Alle, die sich erstmals mit dem Bootskauf beschäftigen, fanden bei der Sonderschau „Mein erstes Boot“ hilfreiche Informationen. In der Halle B3 gaben erfahrene Expertinnen und Experten Tipps zu den wichtigsten Fragen rund um Anschaffung, Ausstattung, Liegeplatz, Führerschein und laufenden Kosten. Besucherinnen und Besucher erhielten zudem einen Überblick über unterschiedliche Bootstypen und erfuhren, welches Boot zu den eigenen Bedürfnissen passt.
Frischgebackenen Bootsführerschein-Inhaberinnen und Inhabern bot die Interboot einen zusätzlichen Anreiz: Wer 2026 einen Sportbootführerschein erworben hatte, erhielt freien Eintritt zur Messe.
Alternative Antriebe und Nachhaltigkeit im Blickpunkt
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Interboot lag wie in den Jahren zuvor auf innovativen Antriebstechnologien und dem Thema Nachhaltigkeit im Boots- und Wassersport. So standen in der E-Boat-Area Elektroboote und alternative Antriebstechnologien sowie Fragen zu Ladeinfrastruktur, Reichweite und Energie im Mittelpunkt.
Im Rahmen des sogenannten Sustainability Trail kennzeichnete die Messe Aussteller, die sich mit Themen wie emissionsarmen Antrieben, effizienter Energienutzung und langlebigen Materialien beschäftigten.
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